Aleksandar Dragovic hat sich ...

© kurier/Tatjana Wolkowa

Interview
12/11/2014

Dragovic: "Cristiano Ronaldo imponiert mir"

Der KURIER besuchte Aleksandar Dragovic in Kiew und sprach mit ihm über seine Entwicklung, Vorbilder und Ziele.

von Andreas Heidenreich

Aleksandar Dragovic kann am Donnerstag mit Dynamo Kiew in Bukarest Platz eins in der Europa-League-Gruppe J fixieren. Auf Platz eins liegt der 23-Jährige mit Kiew auch in der ukrainischen Liga und steuert so seinem siebenten Titelgewinn seit 2009 entgegen. Note eins gab es zuletzt zwei Mal für seine Leistungen im Team gegen Russland und Brasilien. Der KURIER besuchte Dragovic in Kiew und sprach mit ihm über seine persönliche Entwicklung.

KURIER: Sie waren anfangs unter Marcel Koller nicht gesetzt, standen in den ersten zehn Spielen seiner Teamchef-Ära nur drei Mal in der Startelf. Was hat sich getan?

Aleksandar Dragovic: Der Anfang war schwer. Koller hat damals mit Prödl und Pogatetz in der Innenverteidigung das bessere Gefühl gehabt. Vielleicht, weil sie größer und robuster waren, ich weiß es nicht.

Haben Sie Koller damals darauf angesprochen?

Nein, das wäre zu früh gewesen, und so ein Standing im Team hatte ich auch noch nicht. Ich habe überlegt, was ich besser machen kann. Mein Schluss war, dass ich noch konstanter spielen muss. Ich bin froh, dass ich jetzt sein Vertrauen habe, aber jeder weiß auch, wie schnell es im Fußball gehen kann. Man darf sich keine Sekunde lang ausruhen.

Wie erklären Sie sich das aktuelle Hoch im Nationalteam?

Es macht sich bezahlt, dass Koller seit drei Jahren fast auf die gleichen Spieler setzt. Wir sind eine Mannschaft geworden, es ist nicht normal, welchen Spaß wir in der Truppe haben. Jeder Einzelne hat sich weiterentwickelt, und dazu haben wir eine klare Strategie, der sich jeder unterordnet. Und es stimmt auch das Drumherum. Es ist atemberaubend, wenn der Radetzkymarsch gespielt wird und du unter 48.000 Fahnen aufs Feld marschierst. Das will ich gegen Nichts auf der Welt eintauschen.

Trotz veraltetem Stadion mit Laufbahn. Braucht das Team eine neue Heimstätte?

Sicher ist das Happel-Stadion nicht das modernste, aber es hat Tradition, und es steckt viel Geschichte drin. Ich glaube nicht, dass ich mit meiner Meinung etwas beeinflussen kann. Aber es ist auch nicht die Aufgabe von uns Spielern, sondern die der Funktionäre.

Ihre Aufgabe haben Sie zuletzt zur Zufriedenheit aller gelöst im Team. Nach Alabas Ausfall haben Sie die Frage nach einem Leader auf dem Spielfeld beantwortet. Wie beurteilen Sie selbst Ihre Leistungen?

Ich werde immer betonen, dass wir als Mannschaft gewinnen und verlieren, aber sicher weiß ich, dass das zwei meiner besseren Spiele waren.

Was tun Sie abseits des Platzes für Ihre Entwicklung?

Ich habe zwei Jahre lang mit Fitnesscoach Heinrich Bergmüller gearbeitet. Teilweise trainier’ ich immer noch nach seinen Vorgaben und sitze zur Regeneration auf dem Ergometer oder mach zwei Mal wöchentlich ein Oberkörper-Programm. Wenn du alle drei Tage spielst, sind Grundlagenausdauer und schnelle Regeneration das Wichtigste.

Haben Sie noch Vorbilder?

Mir imponiert Cristiano Ronaldo aufgrund seiner Professionalität. Dass er Menschen, denen es schlechter geht, hilft. Dass er auch Blut spendet und deshalb nicht tätowiert ist. Er ist ein Vorbild in Bezug auf sein Verhalten rund um den Fußballplatz, ist bereits der Beste der Welt und tut immer noch so viel zusätzlich, um noch besser zu werden.

Woher wissen Sie das?

Mein portugiesischer Teamkollege Miguel Veloso spielt mit ihm im Nationalteam, und den hab’ ich schon dermaßen ausgefragt, dass er wahrscheinlich glaubt, ich bin verliebt in Ronaldo. So hab’ ich Informationen und Tipps bekommen bezüglich zusätzlichem Training oder über seine Ernährung.

Welche zum Beispiel?

Ronaldo isst etwa täglich zwei Kiwis und über die Woche verteilt eine Tafel Schokolade mit 70-prozentigem Kakaogehalt, die ist gut für die Milchsäure in der Muskulatur. Er läuft auch täglich vier Kilometer vor dem Frühstück. Es ist aber nicht so, dass ich das blind kopiere. Ich informiere mich darüber und mixe gewisse Sachen dann mit meinen eigenen Trainingsplänen.

Zu Besuch bei Aleksandar Dragovic in Kiew

Aleksandar Dragovic…

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Aleksandar Dragovic…

Aleksandar Dragovic…

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Aleksandar Dragovic…

Aleksandar Dragovic…

Sie leisten sich auch einen eigenen PR-Berater. Warum?

Wir trainieren zum Beispiel das Verhalten vor der Kamera, wo ich sicher noch Steigerungsbedarf habe. Ich trainiere, um mich besser auszudrücken und um ein besseres Bild von mir abgeben zu können. Vor der Kamera hab ich ja meistens auch nur eine Minute Zeit, und in dieser Minute machen sich die Menschen ein Bild von mir.

Es ist Ihnen also nicht egal, wie Sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden?

Genau. Ich habe in der Vergangenheit Fehler gemacht und bei dem einen oder anderen vielleicht das Image eines Bad Boys. Das bin ich aber nicht, und das will ich auch zeigen.

Ihr Transfer nach Kiew wurde auch kritisiert.

Ja, aber ich kann es sowieso nicht jedem recht machen. Ich wurde auch schon zuvor für meinen Transfer nach Basel kritisiert. Heute trau’ ich mich zu sagen, dass 90 Prozent der Spieler aus der österreichischen Liga zu Fuß nach Basel gehen würden.

Ihre jüngsten Leistungen im Nationalteam lassen auch darauf schließen, dass Sie sich in Kiew weiterentwickelt haben.

Das habe ich auch im persönlichen Bereich aufgrund der Sprache und der anderen Kultur und dadurch, dass das erste Jahr hier sehr schwierig war. Dynamo ist im Osten ein Riesenklub, die Erwartungen und der Druck sind groß. Dann ist das erste Jahr nicht nach Wunsch verlaufen. Davor ist es zweieinhalb Jahre in Basel ohnehin nur bergauf gegangen, aus den Erfahrungen und Rückschlägen hier habe ich gelernt. Es kann halt nicht immer nur bergauf gehen.

Über Ihre Zukunft wird bereits intensiv spekuliert. Wie sieht Ihr Plan aus?

Zunächst versuche ich, an Details zu arbeiten, um noch besser zu werden. Zum Beispiel am Offensiv-Kopfball, ich sollte noch torgefährlicher werden.

Um einen Transfer nach England zu schaffen?

Ich bin noch bis 2018 in Kiew unter Vertrag und bin auch glücklich hier. Zur Zeit läuft es gut, viel besser als im Vorjahr. England bleibt mein mittelfristiges Ziel, wann es soweit ist, weiß ich nicht.

Wie gut passen Sie mit Ihrer Spielweise in die Premier League?

Ich passe sicherlich nicht zu jedem Klub, die kleineren Vereine sind nach wie vor für Kick and Rush bekannt. Das ist nichts für mich, ich bin ein Verteidiger, der das Fußballspielen liebt. Wenn ich mir die Top-6 in England ansehe, denke ich schon, dass ich dort gut hinpassen würde.

Sie stehen noch bis 2018 unter Vertrag, Kiew hat für Sie neun Millionen bezahlt. Wie viel Geld kostet Aleksandar Dragovic?

Damit beschäftige ich mich nicht, das wäre reinste Spekulation. Wenn mich ein Klub wirklich will, wird er sich mit Dynamo einigen.

Zur Reportage über den Besuch in Kiew

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