Cristiano Ronaldo mit seinem Berater Jorge Mendes

© APA/AFP/La Presse/FABIO FERRARI

Sport Fußball
11/22/2020

Aktion scharf gegen die Fußballer-Berater

2019 verdienten Agenten 550 Millionen, die FIFA will nun die Provisionen begrenzen.

von Günther Pavlovics

Berater Mino Raiola soll im Jahr 2016 für den Transfer von Paul Pogba von Juventus Turin zu Manchester United 49 Millionen Euro bekommen haben. Und Ronaldo-Berater Jorge Mendes soll laut Wirtschaftsmagazin Forbes 2018 fast 90 Millionen Euro verdient haben.

Das mögen Ausnahmefälle sein. Das sind zwei der schillerndsten Spielerberater. Ein dritter ist der Israeli Pini Zahavi, der auch David Alaba berät. Der 65-Jährige machte sich bei den Bayern und deren Fans noch unbeliebter als der österreichische Kicker. Ex-Teamspieler Dietmar Hamann sagte: „Wenn du dir einen Berater wie Zahavi holst, der kein Verhältnis zum Spieler hat, der zum Verein kein Verhältnis hat, der den letzten Euro aus dem Verein herauspressen will, dann passiert das, was jetzt passiert ist.“

Undurchsichtige Deals

Das Transferwesen ist ein Wildwuchs, unübersichtlich und ohne Regeln. Weder Beteiligungen an Ablösesummen noch an Gehältern werden kontrolliert und schon gar nicht dokumentiert. Das will der Weltverband nun ändern, um Korruption, Geldwäsche und Steuerflucht zu verhindern. FIFA-Präsident Gianni Infantino: „Die EU sagt uns seit Jahren, dass wir im Transferwesen aufräumen sollen. Als Spieler musst du den Überblick haben: Wer ist dein Agent? Wer ist der des Klubs? Was wird für wen bezahlt? Es muss transparent sein. Sonst hat man immer das Gefühl, dass etwas Zwielichtiges läuft.“

Die FIFA befindet sich derzeit in der dritten und abschließenden Konsultationsrunde mit allen beteiligten Parteien. „Wir wollen wieder ein System installieren, das finanzielle Transparenz sicherstellt, und einen Standard an Grundversorgung einführen“, sagte James Kitching, FIFA-Direktor Football Regulatory. Die FIFA will, dass Agenten maximal drei Prozent (statt acht bis zehn Prozent wie bisher) des Jahreslohnes eines Spielers bekommen – und höchstens zehn Prozent der Ablöse.

Ein Beispiel: Spieler X wechselt für zehn Millionen Euro zu Klub Y und verdient eine Million pro Jahr. Agent A vom abgebenden Klub erhält eine Million (zehn Prozent der Ablösesumme), Agent B vom neuen Klub erhält 30.000 Euro pro Jahr wie Agent C vom Spieler (je drei Prozent vom Jahreslohn). Während ein Spielerberater den neuen Klub und den Spieler vertreten darf, ist es verboten, gleichzeitig auch den abgebenden Verein zu vertreten. Jeder Transfer und alle Zahlen dazu sollen öffentlich werden.

Einer der Kernpunkte der neu gefassten Regularien für Spielerberater soll die Wiedereinführung eines Lizenzsystemssein, das 2015 abgeschafft wurde. Einige Spielerberater kündigten bereits den Gang vor Gerichte an. Erstens seien utopische Summen die Ausnahme, und zweitens würden die kleinen Agenturen kaputt gehen. Infantino meinte dazu: „Drei Prozent sind immer noch stattlich. Und vergleichbar mit einem Broker, der Versicherungen vermittelt.“

550 Mio. Provisionen

Im vergangenen Jahr hatten Spielerberater offiziell 653,9 Millionen US-Dollar (551,58 Mio. Euro) verdient, laut FIFA-Angaben viermal mehr als noch 2015. Infantino ist nicht zufrieden, dass so viel aus dem Fußball an Private fließt – ein x-faches im Vergleich zu den Klub-Entschädigungen. Infantino: „Es gibt bei Transfers einen Solidaritätsbeitrag von fünf Prozent an die Klubs, die den Spieler ausgebildet haben.“ Normalerweise fließen in einem Sommer sechs Milliarden Dollar. Fünf Prozent sind 300 Millionen, die an Ausbildungsklubs fließen sollten. In Wahrheit sind es aber nur 50 Millionen. 250 Millionen versickern, weil die kleineren Klubs nicht wissen, dass sie ein Anrecht darauf hätten. Infantino: „Das kann nicht sein und ist ein Grund, warum wir als FIFA die Zahlung dieser Solidaritätsbeiträge zentral in die Hand nehmen und automatisch auszahlen möchten.“

Die neuen Regeln sollen bis Juni vom FIFA-Council verabschiedet und bis spätestens Anfang 2022 weltweit eingeführt werden.

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