Eintracht Frankfurt vs RB Leipzig

© EPA / Ronald Wittek

Sport Fußball
02/27/2020

Adi Hütter in Salzburg: Ein Jahr auf der Achterbahn

Der Trainer gastiert mit Frankfurt am Donnerstag in der Europa League bei jenem Klub, mit dem er Schlagzeilen lieferte.

von Stephan Blumenschein

Nur 380 Tage war Adi Hütter Trainer bei Red Bull Salzburg. Seinen eigentlich zwei Jahre laufenden Vertrag erfüllte der Vorarlberger also nicht. Und trotzdem waren die 54 Wochen vom 1. Juni 2014 bis zum 15. Juni 2015 eine ziemlich ereignisreiche Zeit.

Am Donnerstag kehrt Hütter mit Eintracht Frankfurt in die Red-Bull-Arena zurück. Der 50-Jährige verteidigt im Rückspiel des Sechzehntelfinales der Europa League (21 Uhr, Liveticker auf kurier.at) ein 4:1. Davor blickt der KURIER auf die Ära Hütters bei jenem Klub, den er 2014/'15 als Trainer zum Double geführt hat ...

  • Der Traumstart

6:1 gegen Rapid – besser kann eine Salzburger Mannschaft gar nicht in eine Bundesliga-Saison starten. Hütters Team degradierte den Rivalen aus Wien. Ulmer, Alan, Mané, Soriano (2) und Kampl sorgten für die Treffer. Rapid-Kapitän Hofmann konnte erst in der Nachspielzeit vor 19.800 Zuschauern in der Red-Bull-Arena Ergebniskosmetik betreiben. Auf den Kantersieg gegen die Hütteldorfer folgten in der Bundesliga fünf weitere Siege mit einem Torverhältnis von 23:0. Erst Sturm beendete in Runde 7 den Erfolgslauf.

  • Der Eklat

Warum Sadio Mané just zwei Tage vor dem Rückspiel im Champions-League-Play-off bei Malmö untertauchte, darüber wurde viel spekuliert. Hütter hatte laut eigener Aussage mit dem Senegalesen „ein gutes Verhältnis“. Mané soll aber nicht begeistert gewesen sein, dass sein Dolmetscher nicht mehr immer und überall dabei sein durfte. Jedenfalls musste Hütter ohne seinen Offensivstar nach Schweden reisen, um dort die bitterste Niederlage mit Salzburg zu erleiden.

  • Der Selbstfaller

Es war eine gewichtige Runde, die sich am Tag des Spiels bei Malmö FF im Teamhotel getroffen hatte – neben Hütter waren auch Sportchef Rangnick und dessen Mentor Helmut Groß anwesend. Wer, wie und warum auf die Idee gekommen ist, just im wichtigsten Spiel des Jahres die Abwehr umzubauen, ist ein Geheimnis geblieben. Das Experiment, Martin Hinteregger als Linksverteidiger aufzubieten, ging kräftig in die Hose. Salzburg schlitterte im Play-off-Rückspiel völlig chancenlos in ein 0:3-Debakel und schied aus. Obwohl Hütter den wahrscheinlich besten Salzburger Kader der letzten Jahren zur Verfügung hatte, verpasste auch er die Champions League.

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  • Die Machtdemonstration

Der Start in die Europa-League-Gruppenphase war mit einem 2:2 zu Hause gegen Celtic Glasgow und einem 2:1 bei Astra Giurgiu noch holprig. Was dann folgte, war aber Red-Bull-Fußball in Reinkultur. Dinamo Zagreb (4:2, 5:1), Celtic auswärts (3:1) und daheim die Rumänen (5:1) wurden überrannt. Mit 16 Punkten holte Salzburg in den sechs Gruppenspielen doppelt so viele Punkte wie der Zweite Celtic. Im Sechzehntelfinale lief es dann nicht mehr so gut. Gegen den cleveren Primera-División-Klub aus Villarreal waren die nach den Winterabgängen von Alan und Kampl geschwächten Salzburger letztlich chancenlos.

  • Die Kritik

Als Trainer unter einem Sportchef namens Ralf Rangnick zu arbeiten, ist ganz sicher alles andere als einfach. Das bekam auch Hütter zu spüren. Öffentlich übte Rangnick im Frühjahr Kritik an der Spielweise: Salzburg würde für ein Spitzenteam zu viele Tore bekommen.

  • Das Festival

Auch in der Liga gab es den einen oder anderen Rückschlag, gefährdet war der Meistertitel aber nie. Verfolger Rapid konnte immer auf Distanz gehalten werden, obwohl sich die Salzburger im letzten Saisonduell ein besonderes Kunststück leisteten. Vor 26.800 Zuschauern führte der ersatzgeschwächte Tabellenführer Mitte April 2015 im Happel-Stadion nach 32 Minuten schon mit 3:0. Doch nach Rot für Andreas Ulmer kam Rapid Tor um Tor heran. Philipp Prosenik gelang in der Nachspielzeit noch der Ausgleich. Salzburg verteidigte aber den Sechs-Punkte-Vorsprung, den man auch in den restlichen acht Saisonspielen nicht mehr verspielen sollte.

  • Das Glanzstück

Am 3. Juni 2015 fand die letzte Partie der Salzburger unter Trainer Adi Hütter statt. Das Cupfinale in Klagenfurt gegen Austria war ein Spiel unter erschwerten Bedingungen. Denn Torhüter Peter Gulacsi sah kurz vor der Pause die Rote Karte. Wie die Salzburger in Unterzahl kämpften, war sehenswert. In der Verlängerung belohnten sie sich mit Toren von Soriano und Pires. Hütter holte damit alle für ihn in Österreich mit Salzburg möglichen Titeln. Das schaffte sonst nur der Spanier Óscar García.

  • Der Abschied

Überraschend kam die einvernehmliche Trennung Mitte Juni 2015 nicht. Was Hütter dann zum Abschied sagte, überraschte: „Ich sehe mich in Zukunft nicht als Ausbildungstrainer“, meinte der Vorarlberger, nachdem eine Reihe von Stammspielern Salzburg verlassen hatte. Das Statement sorgte für viel Aufregung und wurde von Hütter mehrmals klargestellt. Im Nachhinein gesehen hat er damals den richtigen Schritt gesetzt. Denn Nachfolger Peter Zeidler musste den Preis zahlen. Mit einem Kader, der nicht den Red-Bull-Ansprüchen entsprach, konnte er sich nicht für eine Europacup-Gruppenphase qualifizieren und musste nach einem halben Jahr gehen. Kürzer war kein anderer Trainer seit dem Einstieg des Getränkekonzerns 2005 im Amt.

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