Ein Stoßgebet - Österreich zitterte sich zum Sieg.

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WM-Qualifikation
09/05/2016

Österreich zittert sich zu Auftaktsieg

Mit Mühe, Not und viel, viel Glück siegte die Koller-Elf in Tiflis mit 2:1.

von Mathias Kainz

Am Ende zählt das Endergebnis - und das ist überaus positiv für Österreich. Mit einem 2:1-Auswärtserfolg gegen Georgien steht nach dem Auftakt in die WM-Qualifikation zumindest zahlenmäßig ein Start nach Maß zu Buche. Spielerisch war die Darbietung der Koller-Elf vor allem in der zweiten Halbzeit aber eher desaströs als alles andere. So musste man sich nach einem geglückten Start dank früher Hinteregger-Führung schlussendlich zum Sieg zittern.

Dabei hatte alles so wunderbar angefangen. Zumindest, wenn man die erste Minute streicht, als die Georgier beinahe schon mit ihrer ersten Aktion gefährlich vor Robert Almer auftauchten. Danach übernahm Österreich das Kommando, spielte zwischenzeitlich eben jenen schnellen, beherrschten Fußball, der in der EM-Qualifikation zu bezaubern wusste. Dazwischen mischten sich aber immer wieder unnötige Fehler, insbesondere im Passspiel und beim Spielaufbau.

Vorne gut, hinten mau

Dennoch ging die ÖFB-Auswahl nach etwas mehr als einer Viertelstunde verdient in Führung. Einen Freistoß von der linken Seite spielte Alaba überlegt vors Tor, Hinteregger stand völlig frei und versenkte den Ball per Kopf zu seinem ersten Länderspieltor im Netz. Nach der Führung kontrollierte Österreich das Spielgeschehen, brachte aber nicht die gewohnte Ruhe ins Mittelfeld. Neo-Kapitän Julian Baumgartlinger und sein Mittelfeld-Partner David Alaba ließen ihre Ballsicherheit vor allem bei Pässen vermissen.

Dennoch blieb Georgien über weite Strecken ungefährlich. Wie aus dem Nichts fiel schließlich kurz vor der Pause das 2:0. Der starke Marko Arnautovic tanzte sich links im Strafraum durch einen Georgier hindurch, flankte von der Torauslinie über Keeper Loria hinweg und genau auf die Stirn von Mark Janko, der mühelos zum 2:0 einnetzte. Mit seinem bereits 27. Länderspieltor zog Janko an Mathias Sindelar und Andreas Herzog vorbei und übernahm Platz 5 in der ewigen Bestenliste der Nationalteam-Torschützen.

Desaströs aus der Kabine

Nach dem Seitenwechsel war die österreichische Mannschaft wie ausgewechselt. Hatte man sich vorher hin und wieder Fehlpässe erlaubt, kam jetzt kaum noch ein Ball an den Mann. Schlimmer war jedoch das Defensivverhalten der Viererkette um Abwehrchef Aleksandar Dragovic: Zögerliche Abwehraktionen, schlechte Befreiungsschläge und keinerlei Spielaufbau aus der Defensive luden die Georgier praktisch zum Anschlusstreffer ein. Zwar kam Marc Janko nach 56 Minuten noch zu einer guten Chance, sein Schuss ging jedoch abgefälscht von Loria am Tor vorbei und markierte das Ende der österreichischen Offensivbemühungen.

Zwei Minuten später wurde Almer erstmals wirklich geprüft, einen Schuss von Jighauri faustete der Austria-Schlussmann souverän weg. Zehn Minuten später war er jedoch schon geschlagen - ein Kopfball von Valeri Kazaishvili ging aus gut sieben Metern nur an die Stange. Eben jenen Kazaishvili stoppte Dragovic kurz darauf an der Strafraumgrenze elfmeterverdächtig, die Pfeife des weißrussischen Schiedsrichters Alexej Kulbakow blieb aber stumm.

Koller brachte Schöpf, Sabitzer und Gregoritsch für Junuzovic, Harnik und - wie sich herausstellte - Goldtorschütze Marc Janko. Trotzdem war die komfortable Zwei-Tore-Führung kurz darauf passé. Nach einem katastrophalen Fehler von Suttner kam Ananidze aus etwa 25 Metern völlig frei zum Schuss und überwand den chancenlosen Almer mit einem Traumtor, der Ball schlug knapp neben dem Pfosten im Netz ein.

Zwanzig Minuten Zitterpartie

Jetzt wurde es für Österreich zur Zitterpartie: Die Defensive löste sich, hektisch und nervös durch das Gegentor, in der Folge völlig auf. Befreiungsaktionen gelangen keine mehr, jeder Klärungsversuch landete umgehend wieder bei den Georgiern, die jetzt aggressiv und verzweifelt auf den Ausgleich drückten. Nach einem Eckball musste Schöpf auf der Linie retten. Immer wieder vertändelte die Defensive den Ball und lud zu Chancen ein. In der Nachspielzeit konnte Hinteregger gerade noch vor Kverkvelia retten.

Zwar kamen die Österreicher nach zuletzt vier Niederlagen in Folge endlich wieder zu einem Sieg, die Leistung lässt aber insbesondere für das Heimspiel gegen Wales am 6. Oktober Schlimmes befürchten. Ohne eine deutliche Steigerung wird es gegen den EM-Halbfinalisten wohl nicht zu einem Punktgewinn reichen.