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Sport Fußball
05/28/2019

2:0 gegen Mattersburg: Rapid träumt weiter vom Europacup

Ein Doppelschlag in der Anfangsphase reicht für den Heimsieg. Nun wartet ein doppeltes Play-off-Finalduell mit Sturm.

von Günther Pavlovics, Alexander Huber

Im EU-Wahlkampf ließ man einen Kandidaten großflächig plakatieren mit dem Slogan „Mehr Burgenland für Europa“. Die selbstbewusste Ansage aus dem nicht ganz 300.000-Einwohner-Bundesland sorgte mancherorts in der 500-Millionen-Einwohner-EU für Schmunzeln.

Die politisch recht mutige Ansage wollte Mattersburg sportlich umsetzen. Ein Verein aus einer 6.900-Einwohner-Stadt im Europacup – warum nicht? Das gab es schon. Zwei Mal sogar. Zuletzt am 30. August 2007, als man gegen den FC Basel im UEFA-Cup ausgeschieden ist. Beim Schweizer Topklub standen nach dem 4:0 im Burgenland weitere magische Europacup-Nächste auf dem Programm. Gegen Liverpool, Manchester United, Bayern München, Tottenham, Chelsea. Mattersburg hingegen musste sich seither mit österreichischer Fußballkost begnügen.

Kurze Hoffnung

Gestern konnte man das erste Mal wieder ernsthaft Richtung Europacup schielen. Allerdings musste man in Hütteldorf antreten, wo es in dieser Saison schon zwei Niederlagen gegeben hat.

Mattersburg-Coach Klaus Schmidt und sein Gegenüber Didi Kühbauer hatten zuletzt auf elf neue Spieler in der Startelf gesetzt. Gestern rotierten sie wieder zurück. Didi Kühbauer, bei der letzten Europacup-Qualifikation der Burgenländer noch im Mattersburg-Dress dabei, setzte trotz der 0:1-Niederlage im Pappelstadion wieder auf die Elf vom 18. Mai. Auch Klaus Schmidt setzte auf dieselbe Startelf – was weniger überraschend war.

Wie beim 0:1 war Rapid wieder tonangebend. Aber im Unterschied zu damals effektiver. Und Mattersburg war nervöser, spielte auswärts mit weit weniger Selbstvertrauen. Rapid vermied wieder hohe Bälle und spielte wieder viel über die Seiten.

Dort war Höller rechts fehleranfällig, Renner attackierte links manchmal zaghaft. So stand Schobesberger schon früh links ganz allein, doch Kuster hielt (4.). So kam Schwab über links, wieder hielt Kuster (8.), der auch den anschließenden Schuss von Bolingoli parierte. Beim folgenden Eckball waren die Mattersburger wieder nicht bei der Sache. Murg schoss ihn flach in den Strafraum, Müldür verlängerte wie einstudiert zu Knasmüllner, der die Führung erzielte – 1:0 (8.).

Rapid gab nicht nach, der Ball kam von Badji zu Rechtsverteidiger Müldür, den Renner halbherzig attackierte. Das flache Zuspiel von Müldür schob Badji ins Netz (13.).

Und Mattersburg? Kvasina schoss in der 24. Minute erstmals aufs Tor.

Gleich nach der Pause hatte Knasmüllner die Riesenchance auf das 3:0 auf dem Fuß, hob den Ball aber über das Tor.

Damit konnte Kühbauer erst später den Schongang für seine Spieler einlegen, weil es am Donnerstag schon wieder daheim gegen Sturm weitergeht (17 Uhr). Aufgrund von Verletzungen möglicher Alternativen saßen diesmal Leo Greiml, 17, und Nicholas Wunsch, 18, neben ihm auf der Bank. Erst später durften Murg, Schwab und Schobesberger vom Feld.

Aber Mattersburg wurde nur nach einem Eckball (Pusic per Kopf neben das Tor) und einem Schlenzer von Gruber gefährlich. Bei Rapid hingegen vertändelten Schobesberger und Badji noch Riesenmöglichkeiten.

  • Stimmen zum Spiel

Dietmar Kühbauer (Rapid-Trainer): "Natürlich ist die Freude groß, weil der Druck auf unserer Seite sehr hoch war. Wenn wir da verloren hätten, wäre genug Kritik auf uns eingeprasselt. Dafür haben wir die Aufgabe unglaublich gut erfüllt. Wir haben ein schnelles Tor erzielt, nachgelegt, dann war das Spiel auf unserer Seite. Wir haben nach vorne immer wieder gute Aktionen gespielt und hätten noch höher gewinnen können. Dass wir im letzten Drittel noch genauer werden müssen, wissen wir genau. Es wurden schon jetzt alle Maßnahmen - die Burschen sind im Eisbecken, bekommen gute Nahrung - gesetzt, dass wir am Donnerstag eine ähnlich gute Leistung auf dem Platz bringen können. Ich hoffe, dass uns die Fans in zwei Tagen unterstützen, damit wir uns eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel schaffen können."

Klaus Schmidt (Mattersburg-Trainer): "Wir haben versucht, den nächsten Schritt zu machen, wollten den Weg über diese Runden im Europacup-Play-off schaffen. Das ist uns aber nicht gelungen. Jetzt sitzen wir da mit traurigen Augen. Wir haben in den ersten 15 Minuten Rapid alles angeboten, was man nur anbieten kann. Die ersten ein, zwei Umschaltmomente, die sich angeboten haben, haben wir jämmerlich fertig gespielt. Wir haben eine Standard verschlafen und waren im Zugriff im letzten Drittel sehr gönnerhaft, wir haben Rapid beinahe ungehindert in den Strafraum kommen lassen. Bei 2:0 hat Rapid dann erste Hälfte ein gutes Spiel aufgezogen. In der zweiten Hälfte sind wir ein bisschen besser aus der Kabine gekommen, haben auch gegen den Ball besser agiert, nach vorne aber zu wenig Möglichkeiten kreiert."