Cristiano Ronaldo

© APA/AFP/JEAN-PHILIPPE KSIAZEK

Arrogant vs. Cool
06/27/2016

Warum wird Ronaldo so gehasst?

Die einen pfeifen den 31-jährigen Portugiesen aus und schimpfen ihn Heulsuse. Für die anderen ist er ein cooler Hund und toller Kicker. Die Anatomie eines Reibebaums.

von Günther Pavlovics

Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi? Die Frage nach dem besten Fußballer der Welt spaltet die Fans. Während die Person Messi die meisten Fans kalt lässt, spaltet sie Ronaldo in zwei Lager. Der Portugiese wird entweder geliebt oder gehasst. Das Lager der Ronaldo-Hasser wird aber immer größer. Was sich auch bei dieser EM zeigt.

Aber es sind auch viele Märchen, die mit seiner Person verbunden sind. Beispiel Island: Aron Gunnarsson ist dort Kapitän und hat Ronaldo beim 1:1 das eine und andere Mal umgeholzt. Er sieht auch ein bisschen aus wie ein Holzfäller, mit seinen Tattoos und vor allem mit seinem Rübezahl-Bart. Er ist der Gegenentwurf zum durchgestylten Weltfußballer Ronaldo. Als Gunnarsson ihn nach dem Spiel um das Trikot bat, gab ihm Ronaldo einen Korb. Lippenleser wollten erkennen, dass Ronaldo gesagt habe: "Wer bist du eigentlich?" Und was sagt Gunnarsson? "Cristiano Ronaldo hat mich nicht gefragt, wer ich bin. Er ist nicht so ein arroganter Typ, wie alle es behaupten, auch wenn ich ihn nicht besonders gut kenne. Er sagte mir, dass er mir das Trikot drinnen gibt. Und er hat es auch getan."

Eitler Pfau

Aber es ist schwer, Ronaldos Auftritt ohne Emotionen zu verfolgen. Wenn er sich vor dem Freistoß als Revolverheld inszeniert. Wenn er einen Mitspieler zusammenstaucht, weil der aufs Tor geschossen und nicht zu ihm gepasst hat. Wenn seine Frisur gar so perfekt sitzt. Wenn er seinen perfekten Körper so eitel in Szene setzt. Verbal danebengegriffen hat er im Frust nach dem Auftakt-1:1 gegen Island. Da klagte er: "Sie haben gefeiert, als wären sie Europameister geworden, es war unglaublich. Dabei haben sie gar nicht erst versucht, zu spielen, sondern nur verteidigt und verteidigt. Meiner Meinung nach zeugt das von kleiner Mentalität, deswegen werden sie nichts erreichen." Die Isländer sahen sich in ihrer Ehre gekränkt (damals wussten sie noch nicht einmal, dass Portugal mit genau dieser Taktik Kroatien im Achtelfinale ausschalten würde). Island-Verteidiger Kari Arnason sagte: "Er ist ein fantastischer Fußballer, aber keine gute Person. Seine Kommentare zeigen, warum Messi immer eine Stufe über ihn zu stellen ist."
Welche fußballerische Qualität er hat, zeigte Ronaldo mit seinem Ferslertor gegen die Ungarn. Wie er für die und mit der Mannschaft arbeitete, zeigte er mit seinem 80-Meter-Sprint vor dem entscheidenden Tor gegen Kroatien in der 117. Minute. Nach der langen Saison inklusive Champions-League-Sieg mit Real Madrid war Ronaldo lange nicht auf der Höhe seiner körperlichen Schaffenskraft. Erst mit dem 24. Schuss beendete der 31-Jährige doch noch seine trefferlose Leidenszeit bei dieser EM.

Seit Mittwoch ist er nicht nur der erste Spieler der EM-Geschichte mit 17 Spielen, sondern auch der erste, der bei vier Endrunden mindestens jeweils ein Tor erzielt hat. Ronaldo hält jetzt bei acht EM-Toren und muss nur noch einmal treffen, um zu Rekordhalter Michel Platini aufzuschließen.

Klasser Kerl

Es gibt kaum einen, der mit Ronaldo zusammengespielt hat und nicht fast nur Gutes über ihn erzählt. "Er hat keine Starallüren", sagt Xabi Alonso. "Er war einer der Ersten, der mir seine Hilfe angeboten hat", erinnert sich Mesut Özil. "Er ist ein absoluter Spaßvogel, der sich gerade um die jungen Spieler gekümmert hat", sagt Christoph Metzelder.

Auch abseits des Rasens zeigt sich ein anderes Bild als jenes, das sich viele Fans von ihm machen. Er besucht Kinderkrankenstationen. Und er hat die Gehirn-Operation eines zehn Monate alten Buben bezahlt – rund 74.000 Euro. Bei einem Sponsorentermin in Japan lachten die Zuschauer über das schlechte Portugiesisch eines Jungen, der ihm eine Frage stellen durfte. Ronaldo darauf: "Er spricht gut Portugiesisch. Warum lachen die Zuschauer? Sie sollten glücklich sein, weil er sich so viel Mühe gibt."

Beim Einschießen schoss er einen Ball auf die Ränge und traf einen jungen Fan. Nach dem Warmmachen ging er zur Tribüne und schenkte ihm sein Shirt. Der Junge weinte – vor Freude. Zum Abschluss noch Ex-Kollege Christoph Metzelder: "Natürlich ist er eitel. Aber er hat verstanden, dass er eine globale Fußballmarke ist. Dieses Bild, das die Menschen von ihm haben, bedient er auch."


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