Gareth McAuley stellte mit seinem Tor die Weichen auf Sieg.

┬ę REUTERS/Robert Pratta

EURO 2016
06/16/2016

Die Nordiren feiern ihren allerersten EM-Sieg

Nordirland setzt sich im Rahmen der Gruppe C 2:0 gegen die Ukraine durch.

Das klang nicht gut, ├╝berhaupt nicht gut. Wenn Michael O'Neill, Coach der Nordiren, vor dem Spiel sagte: "Ich fordere ein dreckiges Spiel von uns", dann klang dies wie eine Drohung. Vor allem, wenn man die Darbietung seiner Mannen gegen Polen gesehen hat (0:1).

In diesem Fall darf man beruhigt sein, die Anweisungen des Trainers wurden nicht erf├╝llt. Die Nordiren taten alles andere als das Spiel zu zerst├Âren und setzten offensive Akzente. Und sie schauten am Ende verdienterma├čen als 2:0-Sieger aus der nassen W├ĄschÔÇÖ (im str├Âmenden Regen).

Die erste Chance hatte Dallas schon in der vierten Minute, Tormann Pjatow hatte damit aber keine Probleme. Die Ukrainer kamen auch ein paar Mal vor das Tor, ein Schuss von Kowalenko landete aber nicht im Tor der Nordiren, sondern in dessen Fansektor. Gef├Ąhrlich wurden die Ukrainer, die im ersten Spiel nach guter Leistung den Deutschen unterlagen, aber nicht. Eine kurze, inhaltslose Drangperiode war das h├Âchste der Gef├╝hle.

Ukraine - Nordirland in Bildern:

Die Nordiren waren gef├Ąhrlicher, spielten viel mutiger nach vorne als noch gegen Polen, bekamen auch mit Fortdauer des Spiels mehr Selbstvertrauen. Cathcart verfehlte mit einem Kopfball nur knapp das Tor. McAuley, Dallas und Davis kamen vor dem Pausenpfiff ebenso zu Chancen. Freilich, das britische Wetter, der Starkregen, kam den Nordiren etwas zugute. Obwohl es auch in der Ukraine gelegentlich regnen sollte.

Tor und Hagel

Die Nordiren wurden nach der Pause umgehend belohnt: In der 49. Minute verwandelte Gerald McAuley einen Kopfball nach einem genialen Freisto├č von Norwood. Praktisch im Gegenzug kam Kowalenko per Kopf zur Ausgleichschance, aber Goalie McGovern konnte im Nachfassen kl├Ąren.

Der n├Ąchste Hauptdarsteller war das Wetter, der Regen wurde zum Hagel. Und da f├╝hlte sich auch Schiedsrichter Kralovec unbehaglich und und unterbrach die Partie. Die bislang letzte wetterbedingte Unterbrechung einer EM-Partie gab es ├╝brigens vor vier Jahren beim Match des Gastgebers Ukraine gegen Frankreich. Nach drei Minuten ging es aber schon wieder weiter.

In der selben Tonart. Die Nordiren zogen sich zwar etwas zur├╝ck, verteidigten diszipliniert und lie├čen die Ukrainer kaum zu nennenswerten Chancen kommen. Einzig Kowalenko kam gelegentlich zu Abschl├╝ssen. Die Nordiren blieben gef├Ąhrlicher, Niall McGinn traf in der 96. Minute. Nach dem 2:0-Sieg d├╝rfen die Briten ans Achtelfinale denken.

McAuley: "Viele haben uns vor der EM nicht einmal einen Punkt zugetraut"

Mychailo Fomenko (Ukraine-Teamchef): "Wir waren nicht ├╝berrascht von ihrem Spiel. Wir haben genau diese Art Fu├čball von ihnen erwartet. Ich glaube von 16 Toren, die sie in der Qualifikation geschossen haben, sind neun aus Standardsituationen resultiert. Heute haben wir einfach kapitale Eigenfehler gemacht. Wir waren nicht bereit f├╝r dieses Spiel. Ich denke, wir haben den Gegner ├╝bersch├Ątzt, aber den n├Âtigen Aufwand untersch├Ątzt, den wir ben├Âtigt h├Ątten, um zu gewinnen. Wir haben ihnen erlaubt, ihr Spiel zu spielen. Deshalb haben wir verloren."

Michael O'Neill (Nordirland-Teamchef): "Es ist ein toller Tag - f├╝r mich, aber auch f├╝r das Land. Es ist der erste Sieg bei einer EM. Wir haben uns akribisch auf dieses Spiel vorbereitet. Ich war schon gegen Polen mit unserer Leistung zufrieden. Aber die Spieler waren sehr entt├Ąuscht. Ich bin sehr stolz darauf, wie meine Jungs nach dem Polen-Spiel reagiert haben. Das war ein gro├čartiger Erfolg."

Gareth McAuley (Nordirland-Torsch├╝tze zum 1:0): "Wir waren definitiv nicht die Favoriten. Aber wir haben unsere M├Âglichkeiten genutzt. Viele haben uns vor der EM nicht einmal einen Punkt zugetraut. Ich bin stolz auf die Teamleistung. Wir waren gegen Polen weit von unserer Normalform entfernt. Dass wir uns danach aufgerichtet haben, macht uns alle sehr froh. Es war eine Topleistung des gesamten Teams."

Taras Stepanenko (Ukraine-Verteidiger): "Die Niederlage f├╝hlt sich gar nicht an. Es war klar, dass das eine vorentscheidende Partie werden w├╝rde. Es sieht sehr danach aus, dass wir ausscheiden werden. Das letzte Spiel wird wohl nur noch statistischen Wert f├╝r das Turnier haben, f├╝r uns geht es nur noch um das Prestige. Wer das Tor schie├čt, wird sich durchsetzen. Das wussten wir. Auch um ihre Gef├Ąhrlichkeit bei Standards wussten wir Bescheid. Es ist bitter, dass sie trotzdem daraus ein Tor geschossen haben."

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