Sport | Formel-1
24.03.2017

Formel 1: Hamilton dominiert erste Trainings

Der Mercedes-Pilot stellt einen Rundenrekord auf dem Albert Park Circuit auf und lässt die Konkurrenz weit hinter sich.

Die ersten beiden Trainings vor dem Formel-1-Grand-Prix von Australien haben die Vorhersagen der meisten Fahrer und Teamchefs bestätigt, wonach Lewis Hamilton derjenige ist, den es zu schlagen gilt. Der Brite legte am Freitag an einem wolkigen Tag in Melbourne in beiden Sessions die Bestzeit hin. Ferrari und Red Bull konnten nur mit seinem Mercedes-Kollegen Valtteri Bottas teilweise mithalten.

Zu Mittag kam Hamilton im Albert Park auf eine Rundenzeit von 1:24,220 Minuten und blieb damit nur 95 Tausendstel über dem offiziellen Rundenrekord von Michael Schumacher aus dem Jahr 2004. In der zweiten Einheit verbesserte er die Marke auf 1:23,620. Im Vorjahr hatte die Uhr bei seiner schnellsten Runde in der ersten Session erst bei 1:29,725 gestoppt. Die absolut schnellste Runde hatte Sebastian Vettel hier 2011 im Qualifying mit 1:23,529 gedreht.

Auf den weiteren Plätzen reihten sich vor der Pause sein neuer Teamrivale Bottas, die Red Bulls von Daniel Ricciardo und Max Verstappen sowie die Ferraris ein, letztere in der Reihenfolge Kimi Räikkönen vor Vettel. Der Deutsche, von Hamilton im Vorfeld genauso wie Räikkönen zum Favoriten erklärt, kämpfte anfangs mit technischen Problemen, fing sich aber am Nachmittag und landete hinter Hamilton auf dem zweiten Platz.

Mercedes rundum zufrieden

"Es war zu 99 Prozent ein perfekter Tag", sagte Hamilton im Anschluss. "Da wir in Barcelona einige Probleme gehabt haben, haben wir nicht gewusst, ob es hier genauso sein würde." Das übrige Prozent wollte er nicht näher erläutern. Vielleicht meinte er ja die fehlenden Hundertstel auf den Qualifying-Rekord von Vettel.

Zufrieden zeigte sich auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. "Er hat einen sehr guten Tag gehabt. Für das Team war es einer der besseren Freitage. Nach den Fragezeichen von den Testfahrten in Barcelona ist es vielversprechend, auf diese Art und Weise zurückzuschlagen", meinte der Österreicher. "Aber es ist nur ein Tag", fügt er abschließend hinzu.

Hamilton, nach dem Rücktritt von Weltmeister Nico Rosberg erster Anwärter auf den WM-Thron, hatte in beiden Trainings einen komfortablen Vorsprung von über einer halben Sekunde. Auch Branchenleader Mercedes, in den vergangenen drei Jahren nahezu unangefochten an der Spitze des Feldes, setzte auf eine Light-Variante der nun allgegenwärtigen Heckfinne.

Bottas unterstrich als Dritter im zweiten Training die Stärke von Mercedes, Räikkönen kam auf den vierten Platz. "Ich denke, die Balance ist noch nicht dort, wo wir sie haben wollen, aber ich bin sicher, wir können über Nacht einen Schritt nach vorn machen", lautete das Statement von Vettel.

Kein gutes Gefühl bei Verstappen

Ricciardo und Verstappen, der in Kurve 12 einen ungeplanten Ausflug neben die Strecke machte, beendeten das zweite Training auf den Rängen fünf und sechs. "Es war nicht so schlecht", meinte Red-Bull-Teamboss Christian Horner. "Natürlich hat uns die erste Session heute Mut gemacht. Max hat sich dann ein bisschen als Rasenmäher betätigt, das hat seiner zweite Session am späteren Nachmittag geschadet. Aber wir haben eine Menge guter Informationen erhalten."

Verstappen klang dagegen weniger positiv. "Wir sind ungefähr dort, wo wir es erwartet haben, aber nicht dort, wo wir sein wollen. Wir müssen für morgen versuchen, eine bessere Balance zu finden", analysierte der 19-Jährige. Die Veränderungen, die am Auto für das zweite Training vorgenommen wurden, hätten ihm kein gutes Gefühl gegeben.

Abwürfe

Auf dem am ersten Tag traditionell noch dreckigen, rutschigen Kurs warf es aber nicht nur den Niederländer ab. Am heftigsten traf es den Briten Jolyon Palmer, der in der letzten Kurve die Kontrolle über seinen Renault verlor und gegen die Streckenbegrenzung krachte. Danach wurde die Rote Flagge geschwenkt. Palmer blieb aber im Gegensatz zu seinem Wagen unbeschadet. Sauber-Pilot Marcus Ericsson machte einen Abflug ins Kiesbett.

Fernando Alonso landete in einem halbwegs zuverlässigen McLaren im zweiten Training auf dem zwölften Platz. Felipe Massa blieb nach einer halben Stunde am Nachmittag wegen Problemen mit der Gangschaltung stehen und musste die Session beenden.

Am Samstag steht ein weiteres Freies Training sowie ab 7.00 Uhr MEZ das Qualifying auf dem Programm. Am Sonntag (7.00 Uhr MESZ/live ORFeins, RTL, Sky) steigt der erste von heuer 20 Grand Prix.

2. Freie Training:

1. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 1:23,620 Min.
2. Sebastian Vettel (GER) Ferrari +0,547 Sek.
3. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes 0,556
4. Kimi Räikkönen (FIN) Ferrari 0,905
5. Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull) 1,030
6. Max Verstappen (NED) Red Bull 1,393
7. Carlos Sainz (ESP) Toro Rosso 1,464
8. Romain Grosjean (FRA) Haas 1,816
9. Nico Hülkenberg (GER) Renault 1,858
10. Daniil Kwjat (RUS) Toro Rosso 1,873

1. Freie Training:

1. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 1:24,220 Min.
2. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes +0,583 Sek.
3. Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull 0,666
4. Max Verstappen (NED) Red Bull 1,026
5. Kimi Räikkönen (FIN) Ferrari 1,152
6. Sebastian Vettel (GER) Ferrari 1,244
7. Felipe Massa (BRA) Williams 1,922
8. Romain Grosjean (FRA) Haas 1,948
9. Nico Hülkenberg (GER) Renault 1,963
10. Sergio Perez (MEX) Force India 2,056
11. Carlos Sainz (ESP) Toro Rosso 2,230
12. Daniil Kwjat (RUS) Toro Rosso 2,294

Brawn: "Motoren sehr teuer und sehr kompliziert"

Unterdessen übte der neue Sportchef der Formel 1 Kritik am technischen Standard der Serie. "Der aktuelle Motor ist technisch gesehen ein fantastisches Stück Arbeit. Aber er ist sehr teuer und sehr kompliziert", sagte Ross Brawn bei einer Pressekonferenz in Melbourne. Mit den Teams wolle er am Motor der Zukunft basteln. Auch die Aerodynamik hält der Brite für teilweise überzogen.

In vielerlei Hinsicht seien die technischen Vorgaben und das Reglement kontraproduktiv für den Sport, erklärte Brawn. "Wir sehen die Probleme, die einige Motorenhersteller haben", sagte der 62-Jährige. Gemeinsam müsse man die Dinge wieder einfacher machen, um den Wettbewerb zu fördern.

"Wir müssen die Bandbreite zwischen der Spitze und dem Ende des Feldes verflachen. Es sollte so sein, dass an einem guten Tag Force India ein Rennen gewinnt", führte Brawn aus. "Das heißt, offen gesagt, dass wir Wege finden müssen, um den Einfluss des Regelwerks oder die Ressourcen zu begrenzen, die Teams haben. Wir brauchen mehrere gute Teams auf einem ähnlichen Level."