Sport
15.06.2017

Ein wildes Spektakel für die Golfstars

Der Schauplatz der 117. US Open spaltet die Szene.

Die 117. Ausgabe der US Open findet ab Donnerstag zum ersten Mal in Erin Hills, Wisconsin, statt. Doch streng genommen, begannen die Vorbereitungen auf das zweite Major-Golfturnier des Jahres vor 30.000 Jahren. Damals traf ein Gletscher auf den Lake Michigan, und was er in der kargen Landschaft hinterließ, ist wohl einer der interessantesten, vielleicht einer der schwierigsten, sicher aber der längste Golfkurs, auf dem die US Open je ausgetragen wurden.

Auf 7078 Metern sind die 18 Löcher verteilt, auf denen die Weltelite bis Sonntag (jeweils live auf Sky Sport) um Ruhm und Ehre spielt – und erstmals auch um mehr als zwei Millionen Dollar Preisgeld für den Sieger.

138 Bunker

Der Gletscher hat einst ganze Arbeit geleistet. Viel umgestalten mussten die Eigentümer nicht, als sie das Areal irgendwo im Nirgendwo im Norden der USA, gut 200 Kilometer nördlich von Chicago, entdeckten. Größere Erdbewegungen, wie sonst üblich bei der Gestaltung einer Golfanlage von Weltklasse-Format, waren in Erin Hills nicht nötig. Lediglich die Grassorten für Fairways und Greens mussten gesät und 138 Bunker ausgehoben werden. Ansonsten hat die Natur diesem Areal alles geschenkt, was es braucht: große und kleine Hügeln, freie Flächen, üppiges Gras.

Kniehoch und dicht ist es an den Rändern der Spielbahnen gewachsen – und genau das stört viele der Top-Golfer. Einige kritisierten nach den ersten Proberunden die Unspielbarkeit und posteten im Netz rasch kurze Videos zur Demonstration. Etwa der Amerikaner Kevin Na, der beim Versuch, den Ball aus dem Rough zu schlagen, mehrmals hängen blieb. Vielleicht ist der gebürtige Südkoreaner nicht die beste Referenz, immerhin hält er seit 2011 den Negativrekord auf der PGA-Tour, nachdem er auf einem Par-4-Loch 16 (!) Schläge gebraucht hatte, um den Ball zu versenken.

Doch die Kritik einiger Spieler zeigte Wirkung. Zwei Tage vor Turnierstart wurde das Gras an vier Spielbahnen gekürzt, was wiederum bei anderen auf wenig Verständnis stieß. Vor allem den absoluten Topfavoriten wie Titelverteidiger Dustin Johnson, Jordan Spieth (beide USA) oder dem Weltranglisten-Zweiten Rory McIlroy kann es nicht schwierig genug sein.

Der Nordire hat eine klare Meinung: "Wir haben die 156 besten Spieler der Welt hier. Wenn du den Ball nicht in den richtigen Bereich schlagen kannst, solltest du lieber deine Sachen packen und heimfahren. Das sind nun einmal die US Open", sagt der 28-Jährige, der erstmals mit neuem Schläger- und Ball-Ausrüster antritt (Taylor Made statt Nike).

Wiesbergers Versuch

Der Burgenländer Bernd Wiesberger, der zum vierten Mal bei den US Open abschlägt, nimmt’s wie so oft gelassen: "Das wird sicher die schwierigste Golfwoche des Jahres, in der man Birdies an einer Hand abzählen."

Der 31-Jährige startet am Donnerstag um 21.20 Uhr MESZ in den Bewerb. Die US Open sind das einzige der vier Major-Turniere, bei dem er noch nie das Finale (Cut) erreicht hat. Auch Wiesberger stellte nach der Trainingsrunde ein Video online, darauf zu sehen: keine Kritik, sondern pure Vorfreude auf die ultimative Prüfung: "Sollte eine coole Woche werden."