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Sport
06/13/2019

Die schmutzigen Sommerspiele von London 2012

58 Athleten wurden nachträglich des Dopings überführt, darunter sind gleich 23 Medaillengewinner.

Jevgenij Shuklin durfte sich lange über seine Silbermedaille freuen. Sieben Jahre ist es her, dass der Kanute aus Litauen bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London auf Rang zwei gepaddelt war. Seit dieser Woche weiß man: Shuklin war bei seiner Fahrt auf Rang zwei gedopt. Seit Jahren wertet das IOC mit neuen Methoden die damaligen Blutproben der Athleten aus, die Tests ergaben nun, dass der Wassersportler 2012 zu unerlaubten Mitteln gegriffen hatte.

Shuklin ist nicht der erste Sportler, der mit Verspätung überführt wird. Und er wird wohl auch nicht der Letzte gewesen sein. Denn die Nachtests des IOC zeichnen ein düsteres Bild von den so schönen Sommerspielen 2012 in der englischen Hauptstadt. Tatsächlich waren es schmutzige Olympische Spiele: Stand heute gab es offiziell 67 Dopingvergehen, 58 Dopingsünder konnten dank der Konservierung der Blutproben nachträglich ausgeforscht werden. Damit liegt London 2012 nur mehr knapp hinter Peking 2008, wo 72 Dopingfälle registriert worden waren.

Als gedopter Kanute ist Shuklin in London eine Ausnahme, das Gros der gedopten Sportler, die nach den Spielen ertappt wurden, kommt aus den Bereichen Leichtathletik (23) und Gewichtheben (29). In manchen Bewerben mussten die Ergebnislisten nachträglich gleich mehrmals umgeschrieben werden. So etwa über die 1500 Meter der Damen: Erst war die türkische Siegerin Asli Cakir Alptekin überführt worden, Jahre später wurde auch die zur neuen Olympiasiegerin erklärte Landsfrau Gamze Bulut als Doperin entlarvt.

Besonders verrückt ging es im Gewichtheben zu: In der Klasse bis 94 Kilogramm (Mittelschwergewicht) wurden nach und nach die ersten vier des Klassements wegen Dopings aus der Wertung genommen, weshalb sich am Ende ein völlig neues Siegerfoto ergab. Der ursprünglich fünftplatzierte Iraner Saeid Maohammadpourkarkaragh gewann vor dem achtplatzierten Koreaner Kim Min-jae und dem Neunten Tomasz Zielinski (Polen).