Mag. Tormann: Hans Leitert lehrt auf Englisch, Spanisch, Deutsch. 

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Sport
09/29/2019

Der leise Wiener vom FC Liverpool

Ein früherer Red-Bull-Mann macht bei Salzburgs Champions-League-Gegner das Torhüter-Spiel zur Wissenschaft.

von Wolfgang Winheim

Gleichgültig, ob Brexit oder No-Deal-Brexit – ein Österreicher bleibt im Mitarbeiterstab des Champions-League-Titelverteidigers FC Liverpool. Sein Name? Am liebsten würde ihn Hans Leitert in keinem Medium lesen. Und zitiert will Leitert, 46, schon gar nicht werden. Zumal in Liverpool einzig die Aussagen von Trainer Jürgen Klopp für die Öffentlichkeit bestimmt sind.

Nicht verschwiegen zu werden braucht, dass der ehemalige U-21-Nationaltormann Leitert (Austria, Mödling, Sportklub) international gefragte sportwissenschaftliche Diplomarbeiten verfasst hat, dass er bei Seminaren der FIFA und der British Football Association über das Tormannspiel doziert, dass ein Buch von Magister Leitert in mehreren Sprachen erschien, dass er in Griechenland, Spanien und in London für Tottenham arbeitete. Und dass Leitert fünf Jahre just für jenen Verein tätig war, der Mittwoch an der Liverpooler Anfield Road gastiert. Für Red Bull, pardon, FC Salzburg.

Dort hatte Leitert 2013 den Kauf des Ungarn Peter Gulacsi empfohlen, der heuer als Leipzig-Goalie zum Bundesliga-Tormann des Jahres gewählt wurde. Dort begleitete er anfänglich die Karriere des neuen ÖFB-Teamtormanns Cican Stankovic, dem als Jugendlichem – so Leitert – die Grundschule gefehlt habe. „Er war eines meiner letzten Projekte für Salzburg.“

Weltenbummler

Leitert düste für Red Bull Global Soccer als „Head of Goalkeeeping Devolepment“, dem 17 Full-Time-Tormanntrainer und 70 Goalies angehörten, zwischen den Stützpunkten in New York, Brasilien, Ghana, Leipzig, Salzburg hin und her. „Mein Zweitwohnsitz war die Lufthansa.“

Mittlerweile bewohnt Leitert mit Frau und Tochter längst ein Haus in London, von wo aus der Chef der Hans Leitert Sports Consulting mit dem Hochgeschwindigkeitszug nach Liverpool fährt.

Das Gerücht, wonach Leitert die entscheidende Überzeugungsarbeit geleistet hatte, ehe Liverpool den (inzwischen zum weltbesten Tormann gewählten) Brasilianer Allison Ramses Becker um 100 Millionen Euro von Roma kaufte, will der Wiener nicht bestätigen.

Abgewiesen

Als Allison Becker, auf seine deutsche Vorfahren verweisend, um die deutsche Staatsbürgerschaft angesucht hatte, war sein sportlicher Wert offensichtlich noch unterschätzt worden. Die deutschen Behörden verweigerten ihm einen deutschen Pass.

Eine Wadenverletzung zwingt Allison Becker in Liverpool seit Wochen zum Pausieren. Der Spanier Adrian, der heuer im Juni wie Marko Arnautovic West Ham verließ, hat Liverpools Nummer 1 bisher gut ersetzt.

Ob Welttorhüter Becker am Mittwoch, an seinem 27. Geburtstag, gegen Salzburg sein Comeback gibt? Leitert zuckt mit den Achseln. Und wenn es der Wiener Tormann-Guru wüsste, er würde es nicht verraten.

Dass Leitert überhaupt mit einem Journalisten spricht, verdanke ich einem gemeinsamen Erlebnis: Es war im letzten Jahrhundert auf Mauritius, als wir während der österreichischen Liga-Winterpause mit einer (durch Hickersberger Senior und Junior aufgewerteten) Medien-Auswahl eine Stunde lang gegen den Insel-Tabellenführer kein Tor zuließen, worauf der Star des Gegners (ein Teamspieler aus Madagaskar), ausgelacht von 3000 Zuschauern, aus Frust zuerst mich (nach einer zugegeben grenzwertigen Grätsche) und anschließend Tormann Leitert niedertrat. Spielabbruch.

Leitert erlitt einen Armbruch, der einen Karriereknick bedeutete. Aber er sei später in der Regionalliga ohnehin „in der richtigen Spielklasse gut aufgehoben gewesen“, meint der Tiefstapler, auf seine für einen Tormann bescheidene 1,81 Meter Größe anspielend.

Riesenunterschied

Bei der WM 1950 betrug die Durchschnittsgröße der Keeper 1,786 Meter. Bei der WM 1982 in Spanien 1,82, bei der letzten WM in Russland bereits 1,894. Die aktuellen Liverpool-Tormänner sind alle über 1,90 Meter hoch. „Kleinere werden in der Premiere League gar nicht mehr genommen.“

Der Hinweis auf die Körpermaße ist nur einer von zig Aspekten, die Leitert zur Überzeugung kommen lassen: „Verglichen mit dem Torwartspiel vor 30 Jahren ist das heute auf Topniveau eine andere Sportart.“

Ganz anders als früher – nämlich basierend auf unzähligen Zahlen – wird bei der Elite der Premier League stark positionsbezogen trainiert und gescoutet. Liverpool habe dazu – so Leitert – ein „hochmathematisches Research- und Analysezentrum“ installiert, in dem Wissenschaftler mit Cambridge- und Oxford-Diplomen plus ein ehemaliger Schach-Großmeister sitzen, die ausnahmslos uneitel sind. Und Medienpräsenz meiden. Andernfalls sähe man bei den Reds Rot.

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