Sport | Bundesliga
20.08.2017

Wöbers Rekord-Transfer: 7,5 Mio. und 10% Beteiligung

Der erst 19-Jährige steht kurz vor einem Wechsel zu Ajax Amsterdam.

Dieser rasante Aufstieg ist beispiellos in der österreichischen Bundesliga: Am 17. März verteidigte Max Wöber noch für Rapid II beim 2:3 gegen Amstetten in der Ostliga. Nur fünf Monate später steht der Wiener vor einem Transfer, der ihn zum teuersten Österreicher machen würde, der die Bundesliga verlassen hat. Laut KURIER-Informationen soll Rapid von Ajax Amsterdam für den erst 19-Jährigen rund 7,5 Millionen Euro Ablöse kassieren und eine Weiterverkaufsbeteiligung von zehn Prozent zugesichert bekommen.

Wenn die Einigung schriftlich fixiert ist, darf der Innenverteidiger bei Hollands Vizemeister einen langjährigen Vertrag unterschreiben. Damit wäre Wöber nach nur 24 Profi-Einsätzen die Nr. 1 unter allen Österreichern in der Bundesliga-Historie (siehe unten). Wie ist das möglich? Ist der Transfermarkt 2017 völlig außer Kontrolle geraten?

Natürlich spülen die neuen TV-Verträge in England enorme Summen in den Markt, das schwappt bis nach Österreich über.

Wöbers Profil klingt aber auch wie ein Traum für jeden internationalen Scout:

Er ist Linksfuß (wie nur rund 15% aller Kicker). Das wird für die Spieleröffnung neben einem Rechtsfuß immer wichtiger. Wöber spielt flache Pässe durch das Zentrum, ebenso wie 50-Meter-Pässe an die Flanke.

Sein Kopfballspiel ist gut – auch offensiv, wie beim ersten Bundesliga-Tor gegen Mattersburg zu sehen war.

Er ist relativ schnell.

Er ist mit 1,88 Metern groß genug für einen Verteidiger und körperlich stärker als die meisten Teenager.

Außerdem wirkt Wöber äußerst vif, die Matura erledigte er im Frühjahr trotz Abstiegskampf ganz locker.

Diese vielen Pluspunkte erklären auch, warum der U-21-Teamspieler bereits ein Thema für Marcel Koller ist.

Wöber wird der Teuerste aus der Bundesliga
1. Marko Arnautovic (2017 von Stoke zu West Ham) 22,3 Mio. €
2. Aleksandar Dragovic (2016/2017 Kiew zu Leverkusen) 18 Mio. €
3. Aleksandar Dragovic (2013/2014 Basel zu Dynamo Kiew) 9 Mio. €
4. Maximilian Wöber (2017 Rapid zu Ajax Amsterdam) 7,5 Mio. €
5. Marc Janko (2010/2011 Salzburg zu Twente Enschede) 7 Mio. €
. Martin Hinteregger (2016/2017 Salzburg zu Augsburg) 7 Mio. €
. Konrad Laimer (2017 Salzburg zu Leipzig) 7 Mio. €
8. Marko Arnautovic (2010/2011 Twente zu Bremen) 6,2 Mio. €
9. Kevin Wimmer (2015/2016 Köln zu Tottenham) 6 Mio. €
10. Michael Gregoritsch (2017 HSV zu Augsburg) 5,5 Mio. €

Gute Aussicht

Und warum soll Wöber ausgerechnet jetzt, nur zehn Tage vor Transferschluss, wechseln? Immerhin hatte er im Juni nach einem von Rapid erlaubten Besuch in Amsterdam Sportchef Overmars persönlich abgesagt: "Ich will noch ein Jahr bei Rapid als Stammspieler reifen."

Sein Berater Walter Künzel erklärt: "Wenn es Max um das Geld gegangen wäre, hätte er schon im Juni Ja gesagt." Doch damals wurde Wöber kommuniziert, dass er der vierte Innenverteidiger wäre und auch öfters bei Ajax II zum Einsatz kommen könnte. Jetzt, nach dem Verkauf von Davinson Sánchez (21) um 40 Millionen Euro zu Tottenham, ist nur noch Super-Talent De Ligt (18) gesetzt. Wöber wird mit Viergever (28) um den linken Platz in der Innenverteidigung kämpfen. "Es gibt also realistische Chancen auf regelmäßige Einsätze. Nur das ist der entscheidende Punkt für Max", sagt Künzel.

Fredy Bickel hat Verständnis: "Vor drei Monaten hätte ich noch alles unternommen, um ihm diesen Schritt auszureden. Weil ich seine weitere Karriere gefährdet gesehen hätte." Aber bei Wöber geht alles besonders schnell – gefördert von Trainer Goran Djuricin, der ihm zum Einstand einen Stammplatz zugesichert hat. "Nachdem Max seine Matura perfekt erledigt hat, zu einem Leistungsträger gereift ist und auch als Mensch schon wieder ein paar Schritte weiter ist, sehe ich auch eine andere Situation", erkennt Rapids Sportdirektor.

Bestwert für Bickel

Der Deal erinnert auffällig an Bickels bisherigen Rekord-Transfer: Ricardo Rodriguez wurde 2012 um 7,5 Millionen vom FC Zürich zu Wolfsburg verkauft. Der Linksfuß war ebenfalls 19 Jahre jung, auch damals waren für die Schweizer noch weitere Boni im Vertrag verankert. Der Rekord bei Rapid würde ebenfalls fallen: 2015 hat St-Étienne für Beric sieben Millionen direkt bezahlt. 300.000 Euro waren aufgrund einer Vereinbarung mit Sturm nach Graz weitergeflossen. Diesmal bleibt bis auf die handelsübliche, sechsstellige "Transfer Fee" für Wöbers Beraterfirma alles in Hütteldorf. Weil Rapid den früheren Sechser 2010 vom Sportklub geholt hat, also seit seinem zwölften Lebensjahr ausgebildet hat.

Bickels Stimmung ist trotzdem gedämpft. Weil Wöber diese Saison Rapids Bester und in einem taumelnden Team gegen Sturm der letzte Rückhalt war. Der Ersatz soll zur raschen Eingewöhnung die Liga kennen. Die Top-Kandidaten kommen aus Altach: Lucas Galvão (der aber öfter außen spielt), sowie Benedikt Zech (der aber Rechtsfuß ist) und vom LASK Felix Luckeneder, der besonders kopfballstark ist.

Sollte Wöbers Deal doch noch scheitern, gibt Künzel ein Versprechen ab: "Max würde sicher nicht versuchen, sich freizupressen. Er würde nicht einmal trutzen. Dazu ist ihm Rapid viel zu wichtig."