Ungewohnt: Sportlich läuft's nicht, dafür können die Rapid-Fans Rekordgewinne bejubeln

© Agentur DIENER/DIENER / Philipp Schalber

Fußball
11/18/2016

Rapid-Rekord: Die Millionen fließen nach Hütteldorf

Rapid erwirtschaftete 11,6 Millionen Gewinn. Rechtzeitig, bevor der Finanzminister zugreift.

von Alexander Huber

Erst drei Jahre ist es her, dass Rapid aus Geldmangel das Wintertrainingslager streichen wollte. Die Spieler haben deshalb auf ein paar Tage Urlaub verzichtet, und mit den Antrittsgeldern aus zusätzlichen Testspielen wurde die Reise in die Türkei schließlich doch finanziert.

Drei Jahre später präsentiert (der damals gerade zum Vizepräsidenten gewählte) Christoph Peschek in seiner Funktion als Geschäftsführer Wirtschaft einen grünen Rekordwert nach dem anderen: 48,7 Millionen Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2015/’16!

11,6 Millionen Gewinn bis zum Stichtag 30. Juni!

10,6 Millionen positives Eigenkapital!

Dieses Ergebnis wird einmalig bleiben. Zum einen, weil vergangene Saison finanziell nahezu alles (vom Europacup bis zu den Transfers) aufgegangen ist.

Steuerpflichtig

Zum anderen, weil die Rapid-Gewinne seit der Ausgliederung am 1. Juli steuerpflichtig sind (Stichwort Wartungserlass). "Noch so ein Ergebnis wäre also kontraproduktiv", sagt Finanzdirektor Raphael Landthaler. "Wir würden die Gewinne frühzeitig investieren oder noch stärker in die vorzeitige Kreditrückzahlung für das Stadion umleiten."

Alleine dass eine steuerschonende Verteilung der Millionen in Hütteldorf zum Thema wird, zeigt, wie sich die Zeiten geändert haben.

Wie sind die wichtigsten Zahlen der 120 Seiten im Geschäftsbericht zu interpretieren?

Ein KURIER-Überblick:

Europacup-Millionen 8,8 Millionen Gewinn erwirtschaftete Rapid in der erfolgreichsten Europacup-Saison seit 20 Jahren – obwohl der Personalaufwand für die internationale Bühne 4,6 Millionen betrug. Demnach hat jeder Spieler und Trainer im Schnitt über 100.000 Euro an Europacup-Prämien kassiert.

Transfer-Millionen 7,87 Millionen Gewinn ergeben die Transfers, obwohl der Verkauf von Stangl an Salzburg erst in der nächsten Bilanz aufscheinen wird. Doch Obacht: Während die Einnahmen (wie für Beric und Kainz) sofort verbucht werden, sollen die Ausgaben aufgeteilt auf die Vertragslaufzeit (etwa von Traustason) ausgewiesen werden. Das heißt, für 2016/’17 steht derzeit ein Transfer-Minus.

Stadion-Millionen Vom Allianz Stadion wurde die Endabrechnung präsentiert – die Gesamtausgaben betragen 54,4 Millionen. Also tatsächlich im geplanten Rahmen.

Im Winter kommt noch etwas dazu, weil 200 – 300 VIP-Plätze im Freien in Top-Sitzplätze (ohne Hospitality im Stadioninneren) umgewandelt werden. Budgetiert wurde, dass der Gewinn durch das neue Stadion im Vergleich zum Hanappi-Stadion um drei Millionen pro Jahr steigt. "Derzeit schaut’s eher nach vier Millionen extra aus. Wir liegen bei allen Stadion-Richtwerten über dem Plan", verrät Landthaler.

Kredit-Millionen 32 Millionen Euro hat Rapid als Bankkredit aufgenommen. Neben 800.000 Euro an Zinsen wurden rund vier Millionen vorzeitig zurückgezahlt – entnommen aus dem Rekordgewinn. Gut verdient haben die Teilnehmer am Crowd Investing für das Stadion: Für das erste Jahr (mit "Europacup-Zinsen") zahlt Rapid insgesamt rund 120.000 Euro an Prämien aus. Der Rest des Gewinns wurde in die Erhöhung des Profi-Budgets und in Reserven für das geplante Trainingszentrum gesteckt.

Bundesliga-Millionen Selbst in der Rekordbilanz gibt es einen Bereich mit einem dicken Minus: beim nationalen Bewerb. Ohne Transfers und Europacup wurde ein Minus von 5,1 Millionen eingefahren. "Mit dem Einzug in das Allianz Stadion ändert sich das stark. Wir wollen auch im nationalen Bewerb auf eine schwarze Null kommen", erklärt Peschek. Diese Saison war das bereits eingeplant, es ist nach dem kompletten Austausch der sportlichen Führung und einem Zusatztransfer (Kvilitaia) aber nicht mehr zu schaffen.

Mitglieder-Millionen Geschafft wurde das Ziel, mit den Mitgliedern die Talente zu finanzieren: Mittlerweile decken die Mitgliedsbeiträge die Ausgaben für die gesamte Nachwuchsarbeit.

Das Versprechen

Und jetzt, nach dem teuren Austausch des Trainerteams? "Schaffen wir mindestens eine schwarze Null", erklärt Peschek. Sollte im Europacup wie vor einem Jahr überwintert werden, ergäbe das erneut einen Millionengewinn.

Zum Schluss gibt Landthaler noch ein ungewöhnliches Versprechen ab: "Falls wir am Ende dieser Saison den Europacup verpassen, werden wir in der kommenden Saison trotzdem eine schwarze Null schaffen."

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.