Sport | Bundesliga
29.11.2017

Pleite beim SKN: Die Austria ist am Tiefpunkt

Die Un-Serie ist zu Ende: Gegen die kriselnde Wiener Austria feiert der SKN St. Pölten den ersten Sieg der Saison.

Der SKN St. Pölten hat nach 19 sieglosen Spielen in der Fußball-Bundesliga wieder voll angeschrieben. Gegen eine schwache Austria holte das Schlusslicht am Mittwochabend einen verdienten 1:0-(0:0)-Heimerfolg. Kapitän Dominik Hofbauer traf in der 60. Minute per Foul-Elfmeter entscheidend. Die Niederösterreicher liegen nun noch sieben Zähler hinter Rang neun.

Die Austria kassierte drei Tage nach dem 2:1 in Wolfsberg einen Rückschlag und rutschte in der Tabelle wieder hinter den LASK auf Rang sechs zurück. Die ersatzgeschwächten Wiener brachten offensiv praktisch nichts zustande. Das Team von Thorsten Fink hat in den jüngsten sieben Runden nur einen Sieg bei fünf Niederlagen zu Buche stehen. Weiter geht es für die Austria am Sonntag im Heimspiel gegen Meister Salzburg. St. Pölten tritt am Samstag bei der Admira an.


Fußball-Bundesliga - 17. Spieltag
Sturm Graz Admira Wacker 6:1 (4:1)
Red Bull Salzburg SV Mattersburg 2:0 (0:0)
SKN St. Pölten Austria Wien 1:0 (0:0)
LASK Linz Wolfsberger AC 2:0 (0:0)
Rapid Wien SCR Altach Mi., 20.30 Uhr

Ja, die Austria pfiff personell aus dem letzten Loch. Die vielen Ausfälle sind ohne Zweifel ein guter Grund, weshalb Violett in der Liga einen schwarzen Herbst durchlebt, jedoch können noch einige andere Argumente ins Treffen geführt werden, um die Misere zu beschreiben. Am Mittwoch gab es in St. Pölten die ultimative Bruchlandung. Beim Tabellenletzten war man nicht imstande, einen Punkt zu erobern, weshalb sich die Niederösterreicher am Ende über den ersten Saisonsieg freuten.

Diesmal musste bei der Austria der junge Stark als Innenverteidiger neben Serbest aushelfen, der sich gestern anstelle des gesperrten Holzhauser Austria-Kapitän nennen durfte. Das Schiff nahm dennoch keine Fahrt auf. Die ersten Abstimmungsprobleme in der neu zusammengestellten Austria-Abwehr nützte beinahe Entrup, dessen Kopfball nicht genau genug gesetzt war (8.).

Auch Schütz hätte die durchaus ambitioniert auftretenden St. Pöltener in Führung bringen können, hätte er seinen Schuss nicht zu zentral abgegeben (32.). Die Offensivbemühungen der Austria wiederum sorgten für weit weniger Gefahr. Die Darbietung vor der Pause war ähnlich trostlos wie das Wetter oder der Besuch (2214 trotzten jeglichen Bedingungen).

St. Pölten lief mehr, kämpfte beherzt und spielte im Rahmen der Möglichkeiten wirklich gut. Dafür wurden sie nach einer Stunde belohnt, weil Austria-Goalie Hadzikic völlig unnötig Schütz zu Fall brachte. Hofbauer bedankte sich per Elfmeter zum 1:0.

Zu wenig

20 Minuten einer halbherzigen Schlussoffensive brachten der Austria nichts Zählbares mehr ein. Die Zeit der Beschwichtigungen sollte nun zu Ende sein vor den verbleibenden Spielen in der Liga und dem Europa-League-Match gegen AEK Athen am 7. Dezember. Ein Erklärungsversuch der Austria-Krise:

Verletzungen Die Liste der Ausfälle wurde im Laufe des Herbstes sogar länger als jene mit verfügbaren Kaderspielern. So gut wie nie konnte Trainer Fink eine Elf zwei Mal hintereinander aufbieten, von einer Stammformation gar nicht zu reden. Durch die vielen Verletzungen und die ständigen Personalrochaden gewann die Austria in der Liga nie an Stabilität und Automatismen.

Jugend Fink machte aus der Not eine Jugend, weil ihm gar nichts anderes übrig blieb. Die Jungen sind talentiert, aber in der aktuellen Situation kaum eine Hilfe und noch nicht so weit.

Fehlerhaftigkeit Fast jeder Fehler wurde bestraft, und davon gab es zuhauf. Vor allem im Defensivverhalten agierten die Wiener teilweise stümperhaft und leichtsinnig, luden die Gegner beinahe zum Toreschießen ein. Oft wirkte man geistig nicht wendig genug.

Selbsteinschätzung Die Reaktion mancher Spieler auf Kritik offenbart, dass die interne Betrachtungsweise der Leistungen mit der externen nicht übereinstimmt. Trainer Fink sucht das Positive im Negativen, die Spieler wähnen sich vielleicht dadurch besser als sie tatsächlich agieren. Jedenfalls müssen ein paar froh sein, Austrianer sein zu dürfen.

Qualität Perspektivspieler sind ein Versprechen für die Zukunft, aber keine Verpflichtungen, die zwangsweise in der Gegenwart Hilfe leisten können.

Belastung Der Europacup geht nicht spurlos an den Austrianern vorbei. In St. Pölten konnte man im Finish nicht mehr entscheidend zusetzen.

SKN St. Pölten 1:0 Austria Wien

St. Pölten, NV Arena, SR Altmann

Tor: 1:0 Hofbauer (60./Elfmeter)

SKN: Riegler - Stec, Huber, Muhamedbegovic, Mehmedovic - Rasner - Bajrami, Ambichl (82. Diallo), Hofbauer, Schütz - Entrup (87. Sobczyk)

Austria: Hadzikic - Gluhakovic, Serbest, Stark, Salamon - De Paula (86. Junhyun), Alhassan - Tajouri (66. Sarkaria), Prokop (66. Monschein), Pires - Friesenbichler

Gelbe Karte: Rasner (12.), Hofbauer (45.), Ambichl (73.)

Fink: "Sieg von St. Pölten war verdient"

Oliver Lederer (Trainer St. Pölten): "Aus meiner Sicht war es ein verdienter Sieg. Das ist eine Erleichterung für alle. Jetzt müssen wir gegen die Admira aber nachlegen, daran werden wir hart arbeiten. Es ist nur ein erster kleiner Schritt. Wir werden jetzt auch nicht mit breit strahlendem Gesicht durch St. Pölten rennen. Aber es war wichtig, endlich einmal zu gewinnen."

Dominik Hofbauer (Torschütze St. Pölten): "Das war ein sehr wichtiger Sieg für uns. Ich hoffe, dass es einen gewissen Befreiungsschlag geben wird. Aber das ist erst der Anfang, wir müssen weiter hart arbeiten."

Thorsten Fink (Trainer Austria): "Wie wir aufgetreten sind, war nicht zufriedenstellend. Das ist auch unserer schwierigen Personalsituation geschuldet, das darf natürlich aber keine Ausrede sein. Ich hoffe, dass gegen Salzburg und Athen wieder einige zurückkommen und es besser wird. Der Sieg von St. Pölten war verdient."