Sport | Bundesliga
03.12.2016

Liga-Reform: Die Ouvertüre zur Zukunftsmusik

Der Ball rollt - bald schon in neuem Format. © Bild: APA/HERBERT P. OCZERET

Ab der Saison 2018/’19 wird in Österreich neu Fußball gespielt – in einem Übergangsmodell.

Die Komponisten der Bundesliga geben derzeit kräftig den Ton an. Präsident Hans Rinner und Vorstand Christian Ebenbauer präsentierten gestern die Liga-Reform, die im Sommer 2018 umgesetzt werden soll. Und dennoch ist das "Übergangsmodell" nur die Ouvertüre für die Zukunftsmusik, wie sie Rinner für wohlklingend hält: "Ich kann mir vorstellen, dass wir irgendwann nur 48 Teams oben haben. Der Reformprozess ist nicht beendet. Wir machen uns Gedanken über diese Jahre hinaus."

Und dieses finale Szenario könnte so aussehen: eine Profi-Liga mit 16 Klubs, darunter zwei Regionalligen mit ebenfalls je 16 Vereinen. Die große Unbekannte ist, ob sich in den kommenden Jahren weitere vier Klubs finden, die fit genug für den Profi-Fußball sein werden – wirtschaftlich wie sportlich. Bis dahin sieht die Liga-Reform eine oberste Liga mit zwölf Vereinen und eine zweite Leistungsklasse mit 16 Klubs vor. Nach Hin- und Rückrunde mit insgesamt 22 Spieltagen wird die Top-Liga in ein oberes und ein unteres Play-off geteilt. Danach werden die Punkte halbiert.

Spannung pur

Wichtig sind die Details im Play-off: In der Meistergruppe wie auch in der Qualifikationsgruppe treten alle Teams noch je zwei Mal gegeneinander an. So werden insgesamt 32 Spieltage ausgetragen. Der Sieger des Play-offs in der oberen Tabellenhälfte ist Meister. Gemeinsam mit dem Zweitplatzierten und dem Cupsieger hat der Meister eine Europacup-Teilnahme sicher. Den vierten Europacup-Platz spielen drei Teams untereinander aus: Der Sieger der Quali-Gruppe tritt gegen den Viertplatzierten der Meistergruppe an. Der Sieger aus diesem Duell spielt anschließend in Hin- und Rückspiel gegen den Drittplatzierten der Meistergruppe um den vierten Europacup-Platz.

Sollte Österreich einen fünften europäischen Startplatz erhalten, verschiebt sich dieses System um einen Platz – der Dritte ist dann ebenfalls fix qualifiziert, der Vierte und Fünfte spielen gegen den Sieger der Qualifikationsgruppe um den fünften Startplatz.

Wichtiges Detail: Das Cup-Finale wird vorverlegt. Falls der Sieger aus den Top drei kommt, rutscht die rote Linie für die Teilnehmer des finalen Europacup-Play-offs ebenfalls nach unten. Das Modell ist an das in Belgien praktizierte angelehnt.

ABD0056_20160718 - WIEN - ÖSTERREICH: Bundesliga-Präsident Hans Rinner (R) und Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer am Montag… © Bild: APA/HERBERT NEUBAUER
Laut Ebenbauer sollen nicht alle 22 Runden des Grunddurchgangs im Herbst stattfinden. "Das ist terminlich nicht möglich. Wir wollen, dass unsere Vereine auch international stark auftreten." Die letzten zwei, wahrscheinlich vier Runden werden daher im Februar absolviert. Ebenbauer: "Wir wollen die englischen Wochen im Dezember und Februar wegbekommen.

Die Erste Liga (der Name wird noch geändert) wird auf 16 Vereine aufgestockt. Nach der Saison 2017/’18 steigen die beiden Erstplatzierten der Ersten Liga direkt in die Bundesliga auf. Der Letzte der Bundesliga spielt in einem Relegationsbewerb gegen den Drittplatzierten der Ersten Liga.

Neue Schritte

Liga-Vorstand Ebenbauer gibt zu: "Auf den ersten Blick wirkt alles ein wenig komplex. Auf den zweiten Blick bietet dieses neue Format aber Spannung von Anfang bis Ende. Der Fußball hat sich in den vergangenen Jahren schnell entwickelt, da müssen wir neue Schritte setzen." Ebenbauer erwartet auf Basis einer Studie eine Steigerung von zehn Prozent in allen Bereichen (Zuschauerzahlen, Vermarktungserlöse, TV-Einnahmen). Die TV-Pakete sind zur Diskussion freigegeben, laut Liga gibt es viele Denk-Varianten.

Wie lange man nach diesem Modell hierzulande Fußball spielen möchte, ist derzeit noch offen. Logisch wäre zumindest eine TV-Vertragslänge von drei bis vier Jahren, ehe man einen weiteren Schritt wagen kann. In der Zwischenzeit werden Klubs aus der "Übergangsliga" wohl von der Bildfläche verschwinden oder sich freiwillig in untere Regionen zurückziehen; andere werden sich für höhere Aufgaben im Profi-Bereich vorbereiten.

Aufstiegspläne

In der zweiten Leistungsklasse dürfen drei Amateur-Teams antreten. Wenn der Meister nicht aufsteigen kann oder will, folgt der Zweitplatzierte. Ebenbauer: "Grundsätzlich soll maximal der Zweite aufsteigen können." Sollten aber alle drei Amateur-Teams an der Spitze liegen, dann könnte gar der Vierte oder Fünfte für den Aufstieg infrage kommen. Die Spieltage werden Freitagabend, Samstag und Sonntag sein, damit Spieler nebenbei studieren oder arbeiten können.

Präsident Rinner: "Ich darf mich noch einmal bei allen Klubs, dem ÖFB und allen Interessensträgern bedanken." Der ÖFB finanziert die zweite Liga mit einer Million Euro kräftig mit. Rinner: "Die Reform ist ein Startschuss für eine mittel- und langfristige Entwicklung."