Sport | Bundesliga
30.04.2017

Mit der Lizenz zum Lernen: Was die Krise Rapid kostet

Mehr Ausgaben, weniger Einnahmen - Präsident Michael Krammer klärt auf.

Rapid hat die Lizenz zum Weiterspielen 2017/’18 erhalten. In erster Instanz und ohne Auflagen. Eh klar. Oder doch nicht? "Wir haben mit anderen Umsätzen geplant und höhere Ausgaben als veranschlagt", erklärt Michael Krammer im KURIER-Gespräch.

Zweieinhalb Jahre lang lief die Präsidentschaft des Edlinger-Nachfolgers auffallend gut: Alles im grünen Bereich! Doch seit knapp einem Jahr reiht sich ein Patzer an den nächsten. Die vielen (im Nachhinein falschen) Entscheidungen – teils wurden sie Krammer nahegelegt, teils hat er sie selbst angestrebt – wirken sich aus, sportlich wie finanziell. So ein kostenintensiver Kaderumbau wie im Sommer 2016 wird aber nicht mehr möglich sein. Krammer setzt bei den Transfers (wie auch bei der Trainerfrage) voll auf die Expertise des Sportdirektors: " Fredy Bickel hat uns exakte Pläne zur Kaderplanung vorgestellt, denen werden wir folgen."

Bei den Finanzen gesteht der Präsident eine zu optimistische Annahme ein: "Das Sportliche wirkt sich auf das Merchandising und das Ticketing aus. Wir haben optimistisch mit einem Platz in den Top 3 geplant." Auch beim Mobilfunk-Tarif "Rapid mobil" sind die (für den Nachwuchs eingeplanten) Zusatzeinnahmen geringer als erhofft: "Wir spüren auch da den Misserfolg. Es wäre in unserer sportlichen Situation aber auch absurd, ,Rapid mobil‘ jetzt groß zu bewerben."

Zu hoch sind hingegen die Kaderkosten und Extraausgaben. Der Mehraufwand für Ex-Mitarbeiter soll insgesamt rund 1,5 Millionen Euro betragen. Zumindest gibt es ein Ende mit Schrecken statt Schrecken ohne Ende: "Es finden alle finanziellen Zusatzbelastungen in dieser Saison statt, wir müssen dieses Joch nicht über den Sommer weitertragen."

Überhaupt versucht Krammer, im Negativen Positives zu finden: "Die Prozesse in einer Krise sind sehr spannend, da können wir viel lernen." Ob seine zweite Amtsperiode als Präsident auch die letzte ist, lässt der Mobilfunk-Manager noch offen: "Das wird 2018 entschieden. Falls ich 2019 nicht mehr antrete, sehe ich es als Verpflichtung, rechtzeitig für eine geordnete Nachfolge zu sorgen."

Admira als Chance

Ruhe wird in Hütteldorf jedenfalls nur einkehren, wenn auch der Erfolg zurückkehrt. Diese Lektion hat Krammer gelernt. Die nächste Chance gibt es bei der Admira (Sonntag, 16.30 Uhr), die das 0:5-Debakel gegen Salzburg im Cup zu verdauen hat. Rapid benötigt noch ein, zwei Siege, um den Klassenerhalt zu fixieren. Mit einem Auftritt wie in der ersten Hälfte gegen den LASK wird das schwer, Interimscoach Djuricin ist aber überzeugt, dass künftig öfters das Gesicht aus Hälfte zwei zu sehen sein wird: "Das späte 2:1 sollte uns Selbstvertrauen bringen, das wirklich hilft."

In der kommenden Saison können auch Ivan Mocinic und Philipp Schobesberger nach den Knorpelschäden wieder helfen. Während der Kroate bereits auf dem Rasen üben darf, hatte der Flügelflitzer immer wieder Schmerzen. Bis zu einer Arthroskopie – seither geht es bei Schobesberger steil bergauf.

"Die beiden werden wieder wichtig sein", hofft Krammer. Osarenren Okungbowa bleibt hingegen das Pech treu: Der ewige Hoffnungsträger hat sich das Kreuzband gerissen.