Sport | Bundesliga
28.02.2018

Feuerwehrmann Letsch als letzte Rettung

Die Austria präsentierte Thomas Letsch als Coach – vorerst bis Sommer. Unter ihm soll sich vieles ändern.

Noch nie hatte ein Austria-Trainer einen so eisigen Empfang wie Thomas Letsch am Dienstag. Minus elf Grad, dazu das berühmt-berüchtigte Steinbrunner Lüfterl, das über die Ebene pfiff und die Gesichtszüge einfrieren ließ. Nicht so bei Letsch, der immer noch zu einem breiten Grinsen imstande war bei seiner Präsentation als Austria-Interimstrainer. "Ich sehe das als Chance, das ist 0,0 Risiko. Ich denke positiv und freue mich auf die Aufgabe. Zwölf Spiele sind immerhin ein Drittel Saison."

Den laufenden Vertrag bei Aue hatte er am Montag mit Nachdruck aufgelöst, am Dienstag früh lernte er schon seine neuen Schützlinge bei einer athletischen Einheit in der Halle kennen, am Nachmittag arbeitete er mit der Mannschaft auf dem Platz bei besagter Eiseskälte. In kurzer Zeit will er den Spielern seine Philosophie vom Fußball vermitteln – hohes Tempo, viel Intensität, ballorientiertes Pressing, flottes Umschalten und Mitdenken. "Das werden wir in jedem Training üben."

Umschalten & pressen

Dennoch möchte er nicht alles über den Haufen werfen, obgleich sich sein Zugang zum Fußball vom System seines Vorgängers Thorsten Fink unterscheidet. "Ja, wir haben verschiedene Ansätze. Unsere Schwerpunkte werden Gegenpressing und das Umschaltspiel sein." Neuer Assistent wird Roman Stary, einst selbst ein feiner Kicker und zuletzt in der Akademie als U-16-Trainer tätig. Gestern Mittag besprach man sich ausführlich in einer Teamsitzung im Landesport-Zentrum.

Letsch wird als Feuerwehrmann daran gemessen, wie gut er den Brand löschen kann, sprich, ob die Austria den Europacup noch erreicht oder nicht. Darüber hinaus möchte die Austria-Spitze auch ein verändertes Auftreten erkennen können. Sportdirektor Franz Wohlfahrt erneuerte gestern seine jüngst geäußerte Kritik am Lebenswandel mancher Spieler. "Es geht nicht nur um den Trainerwechsel. Auch die Spieler müssen etwas verändern, sonst wird es nicht besser werden."

Ein attraktiv vorgetragener Fußball könnte am Ende auch ein gutes Argument für Letsch sein. "Primär wollen wir aber Spiele gewinnen, weil es jetzt darum geht. Aber grundsätzlich stehe ich schon für einen Fußball, der offensiv ausgerichtet ist. Ich bin überzeugt, dass man eher Tore schießt, wenn man Bälle weiter vorne gewinnt."

In einer internen Rechnung möchte man bis zur Länderspiel-Pause in den kommenden drei Matches sieben Punkte holen, drei davon am Samstag daheim gegen Wolfsberg.

Die Suche geht weiter

Im Hintergrund werden die obersten Veilchen weiter Gespräche mit möglichen anderen Kandidaten auf das Traineramt ab Sommer führen. Wohlfahrt: "Wir haben das auch Thomas Letsch gesagt. Aber natürlich ist auch er ein Ansprechpartner." Der wiederum hat kein Problem damit, womöglich nur ein Platzhalter zu sein. "es ist eine Ehre für mich, hier arbeiten zu dürfen. Jeder Wechsel ist eine Chance. Im Leben wie im Fußball." Jedenfalls wird Letsch in die Kaderplanung für die kommende Saison eingebunden, unabhängig, ob er ein Veilchen bleibt oder nicht.

Im Aufsichtsrat wurde auch der Name Marcel Koller genannt, wenngleich der Ex-Teamchef eine teure Variante wäre. Kontaktiert hat man den Schweizer noch nicht. Die Suche geht für die Austria weiter.