Titelchance verpasst – Benjamin Karl disqualifiziert sich selbst
Benjamin Karl macht gern den Mund auf. Das weiß er selbst, dass das manchmal ein bisschen mutig ist. So mancher Manager hätte seinem Schützling schon nahegelegt, bei Interviews vorsichtiger zu sein, aber das ist nichts für Benjamin Karl.
Im Alpin-Snowboarden hat er sich nicht nur einen Namen gemacht, weil er alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt, sondern auch durch seine Persönlichkeit. Denn im (Rand)Sport zählen nicht nur Gold und Kristall, sondern es zählt, ob du eine vermarktbare Person bist oder nicht. Benjamin Karl ist so eine.
Das sieht offenbar auch sein Kopfsponsor so, der ihm seit Jahren durch dick und dünn die Treue hält, oder sein Mobilitätspartner, der auch kein Problem damit zu haben scheint, mit einem verurteilten Unfallfahrer zu werben. Fair enough! Am Ende zählt der Werbewert. Und es dürfte sich lohnen.
Und auch wer als Journalist dem 40-jährigen Niederösterreicher ein Mikro unter die Nase hält, wird dafür belohnt. Aus Karl sprudeln oft Ansagen, für die es anderen Sportlern an Selbstvertrauen fehlt. „Ich will noch einmal Olympiagold holen“, hat er vor den Spielen in Mailand und Cortina gesagt, ohne Rücksicht auf Verluste. Und: Er hat abgeliefert! Das muss man ihm lassen.
Ausgeblendet
Solche Errungenschaften von einem Spitzensportler werden in der breiten Öffentlichkeit oft als „Phänomen“ wahrgenommen, die Athleten und Athletinnen stehen als „Superstar“ oder „Jahrhunderttalent“ da. Viel zu kurz kommt der Fokus auf der Arbeit, die dahinter steckt. Aufopferndes Training, regelmäßige Grenzgänge, mentale Tiefen und akribische Vorbereitung – und Ego. Von all dem ist hinter der Medaille nur wenig zu sehen. Es ist aber die Realität eines jeden Spitzensportlers.
Wer das sehr wohl weiß, sind die Familien dieser Personen. In diesem Fall Nina Karl, die seit 2011 mit Benjamin verheiratet ist. Oder seine Mutter, über die er erzählt, sie habe als Alleinerzieherin zwei Jobs machen müssen, „damit ich meinen Traum leben kann“.
Während man dem Publikum vorwirft, es blende aus, welche Arbeit hinter dem Erfolg steckt, kritisieren jetzt Menschen Benjamin Karl dafür, dass er ausblendet, wie groß der Beitrag dieser Frauen an seinem eigenen Erfolg ist.
Denn er sagte in dem Podcast Mindgames von Lukas Riegler, er sei es gewesen, der seiner Frau Haus und Pool ermöglicht habe, er habe das Geld erwirtschaftet, von dem die Familie lebt. Wieviel unbezahlte Arbeit im Hintergrund verrichtet wurde, und wieviel Halt ihm diese Sicherheit gegeben hat, während er den Kopf für seinen Sport freihalten musste, bleibt im Verborgenen. Vielmehr erwarte er sich, dass es auch nach der Karriere so weitergeht.
Ausgeschieden
Mit seiner Sicht auf Partnerschaft verstört Benjamin Karl nicht nur auf Social Media, er disqualifiziert sich damit auch für den Titel „Sportler des Jahres“. Denn bei dieser Wahl geht es auch um die Vorbildwirkung. Und ein derart veraltetes Rollenbild hat 2026 als Ideal wirklich nichts mehr verloren.
Kommentare