Olympiasieger Karl: "Es ist nicht mein Anspruch, allen zu gefallen"

Benjamin Karl zeigt sich nach dem Olympiasieg mit nacktem Oberkörper.
Benjamin Karl wiederholte eindrucksvoll seinen Olympia-Sieg von 2022. Der 40-jährige Niederösterreicher ließ nicht zum ersten Mal großen Worten eine große Tat folgen.

Es war klar, dass Benjamin Karl nicht einfach nur jubeln würde wie ein Ottonormalolympiasieger. Ins Publikum winken mögen andere, der Exzentriker aus Niederösterreich liebt den großen Auftritt auf der großen Bühne. Und so zog Benjamin Karl nach seinem zweiten Olympiasieg im Zielraum blank und entblößte seinen Olympiasiegerkörper.

Benjamin Karl erinnerte dabei an Hermann Maier, mit dem er nun die olympische Medaillenbilanz (2 Mal Gold, 1 Silber, 1 Bronze) gemeinsam hat und der ebenfalls gerne auf der Piste, aber auch verbal, die Muskeln spielen ließ. „Hermann Maier war mein Idol, diese Pose wollte ich nachahmen“, sagte der 40-Jährige nach der Triumphfahrt im Finale gegen den Südkoreaner Kim Sang-kyum.

Historisch

Benjamin Karl hat also wieder das gemacht, was er am besten kann: Erfolge einfahren, Maßstäbe setzen, Grenzen verschieben, Geschichte schreiben. „Als Zehnjähriger habe ich mir das Ziel gesetzt, ich will der Beste sein“, erinnert sich der Niederösterreicher. „Jetzt habe ich das in Stein gemeißelt.“

Spätestens mit seinem zweiten Olympiasieg nach Peking 2022 – beide Triumphe fielen übrigens auf den 8. Februar – hat sich der Superstar des Alpin-Snowboardens einen neuen Titel verdient. Karl der Große ist Schnee von gestern, mittlerweile ist er Karl der Größte.

Eiskalt

Es war dann wieder einmal mehr als beeindruckend, wie souverän, unbeeindruckt und nervenstark sich der Routinier im Parallel-Riesentorlauf in den Duellen Mann gegen Mann präsentierte. Benjamin Karl scheint diese Druck-Situationen richtig zu lieben und ist in der Lage, dort all seine Qualitäten abzurufen. „Es geht dabei nicht darum, wer am schnellsten Snowboarden kann“, erzählt der zweifache Familienvater, der nach diesem Winter die Karriere beendet. „Ich genieße diese Momente total. Es braucht einen Tag, um Olympiasieger zu werden. Aber es braucht das ganze Leben, um sich darauf vorzubereiten.“

Lehrreich

Benjamin Karl hat schon verdammt früh lernen müssen, mit Erfolgsdruck umzugehen und am Tag X sein Leistungsmaximum abzurufen. Als Snowboarder musste er von klein auf liefern, sonst wäre er geliefert gewesen. „Als ich aus Niederösterreich in die Skihandelsschule nach Schladming gegangen bin, hat meine Mama zu mir gesagt: ,Bua, wenn du einmal sitzen bleibst, dann war’s das mit deiner Karriere. Weil wir es uns dann finanziell nicht mehr leisten können.’ Das hat mich sehr geprägt.“

Offensiv

Diese Erfahrungen haben Benjamin Karl gestählt und er hat sich eine Winnermentalität angeeignet, um die ihn wohl viele beneiden. Während die meisten Sportler ihre Ziele betont defensiv formulieren – wer kennt nicht das stupide ’Schau ma mal, was rauskommt’ – ging der Wahl-Osttiroler praktisch immer in die Vollen und sprach Klartext.

Das brachte ihm zwar nicht immer nur Freunde, aber Benjamin Karl ließ den großen Worten halt auch immer große Taten folgen. „Ich bin sicher nicht jedermanns Liebling, das ist aber auch nicht mein Anspruch, allen zu gefallen.“

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