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Sport
06/16/2020

Basketball-Boss kritisiert Kogler: "Kein ehrliches Interesse am Sport"

Sport in Corona-Not. Oberwart-Klubchef Linzer findet kaum lobende Worte für Sportminister Werner Kogler.

von Alexander Strecha

Erstmals hat ein österreichischer Sportfunktionär klare Worte dafür gefunden, wie die Sportvereine mit den Folgen der Corona-Krise allein gelassen werden.

Thomas Linzer, Präsident des Basketball-Bundesligaklubs Oberwart Gunners, sprach im KURIER-Talk Tacheles: „Was seit 15. März passiert ist, lässt sich in sechs Buchstaben und einer Zahl zusammenfassen. Nichts. Null.“

Damit spricht er stellvertretend für die 15.000 Sportvereine in Österreich.

Der Klub hat ein Jahresbudget von 700.000 Euro, musste neun von 15 Angestellten in Kurzarbeit schicken und hat noch keinerlei Perspektive, wann die Saison in den Hallensportarten wieder losgeht. 

„Die Situation ist in der Tat dramatisch. Ohne finanzielle Hilfe überleben wir nur schwer den Sommer. Drei Monatsgehälter sind bezahlt, aus der Kurzarbeit haben wir keine Vergütung erhalten. Man muss kein Prophet sein, dass dem Verein bald die Luft ausgeht.“

Herbe Kritik

Dass die Kultur besser aufschreien kann als der Sport, will er nicht ganz gelten lassen. „Ich bin wie Lukas Resetarits Burgenländer, und wir haben kroatische Wurzeln.“ Die Kritik des Kabarettisten hatte zum Rücktritt von Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek geführt. Linzer sagt in Richtung von Vizekanzler Werner Kogler: „Ich glaube nicht, dass Sie ehrliches Interesse am Sport haben. Und ich bitte Sie, entweder Sie entwickeln dieses oder geben Sie das Ressort jemand anderem.“

Eine Aufforderung zum Rücktritt? „Nein, er soll die Leidenschaft für den Sport entwickeln. Ich fühle mich von Politikern im Stich gelassen, das hat nichts mit Parteipolitik zu tun. Der Sport hat es verdient, dass an der politischen Spitze in diesem Ministerium Menschen sind, die für den Sport brennen.“

Er habe volles Verständnis, dass eine Bundesregierung in der Situation vielseitig gefordert ist. „Aber Menschen in Österreich, die sich ehrenamtlich dem Sport zuwenden, werden hier ignoriert.  Es gibt Ansagen und Lippenbekenntnisse.  Der Unmut in mir ist groß.“  Mittlerweile ist für die Gunners der Schaden von anfangs 75.000 Euro auf 250.000 Euro angestiegen in Hinblick auf die kommende Saison.

Linzer kritisierte generell, wie mit dem Sport umgegangen wird. Der  sei „unterfördert“, schon seit Jahren. „Ich bin ein kulturinteressierter Mensch. Aus dem Budget gibt es rund  140 Millionen für den Sport und 460 Millionen für die Kultur. Das ist ein eklatantes Missverhältnis, das gehört geändert. Aber nicht auf Kosten der Kultur.“

Niessl gegen Kogler

Auch ein bekannter Kritiker meldete sich wieder zu Wort: Hans Niessl, Präsident von Sport Austria, vormals BSO. Der Burgenländer beklagt, dass es noch kein Geld gegeben hat und  auch keine Perspektiven gibt. Noch immer wisse man in den Hallensportarten, aber auch im Amateursport nicht, wann und wie es weitergehen kann. „Eine Missachtung des Sports im Gesamten, er wird im Stich gelassen.“

Grünen-Sportsprecherin Agnes Sirkka Prammer zeigte sich über einige Aussagen erstaunt. "Die Bundes-Sportorganisation und ihr Präsident Hans Niessl sind jederzeit eingebunden gewesen. Sowohl in die Erarbeitung der Richtlinien für den NPO-Hilfsfonds als auch hinsichtlich der Lockerungsmaßnahmen für den Sport. Sie konnten sich jederzeit einbringen und haben das auch getan", wollte Prammer festgehalten wissen.

Niessl wisse, dass der NPO-Hilfsfonds und damit das Hilfspaket für den Sport unmittelbar vor der Umsetzung stehe. "Es ist ihm sicherlich auch bekannt, dass in vergleichbaren anderen Ländern noch kein Geld geflossen ist, weil es rechtsstaatliche Prinzipien gibt, die eingehalten werden müssen, und diese Prozesse Zeit brauchen." Zudem würden in wenigen Tagen weitreichende Lockerungen für den Sport bekannt gegeben werden. "Warum er diese Information den Vereinen vorenthält, so tut, als ob ihm all das unbekannt sei, bleibt sein Geheimnis."