ATP Finals

© Action Images via Reuters / TONY O'BRIEN

Sport
11/13/2019

ATP-Finals: Thiem jubelt über "größten Sieg meiner Karriere"

Mit einem dramatischen Drei-Satz-Sieg gegen Top-Favorit Djokovic zieht der Tennisstar erstmals ins Halbfinale ein.

von Philipp Albrechtsberger

London hat schon viele gute und denkwürdige Tennisspiele gesehen. Vor allem im Sommer, wenn der Rasen von Wimbledon die besten Spieler in den Westen der britischen Hauptstadt lockt. In der östlich am Themseufer liegenden O2-Arena, in der bereits seit 2009 die besten acht Profis der Saison ihren inoffiziellen Weltmeister ermitteln, gab es noch nicht viel Hochklassigeres, Packenderes und Emotionaleres, was Dominic Thiem und Novak Djokovic Dienstagnacht den 17.500 Fans vor Ort boten.

In der ersten Dreisatzpartie des Turniers entschieden am Ende Winzigkeiten über den Sieg. Den sicherte sich Thiem mit 6:7, 6:3, 7:6. "Ich glaube, das war der größte Sieg meiner Karriere", sagte der 26-Jährige im Anschluss.

Damit stand nach zwei von drei Spieltagen in der Vorrunde fest: Der Niederösterreicher steht bei seiner vierten ATP-Finals-Teilnahme als Gruppensieger erstmals im Halbfinale (Samstag). Im letzten Vorrundenspiel am Donnerstag gegen Matteo Berrettini geht es nur noch um 200 Weltranglistenpunkte.

ATP Finals

Schon der Auftakt hatte die Zuseher mitgerissen und ihnen Sitzfleisch abverlangt. Weit über eine Stunde dauerte der erste Durchgang, indem Thiem immer wieder viel Risiko nehmen musste, um den Weltranglisten-Zweiten aus dem Gleichgewicht zu bringen. Am Ende machte die höhere Anzahl an unerzwungenen Fehlern (Thiem 17, Djokovic 2) den Unterschied aus – 6:7.

Schnell war die geballte Faust beim Serben zu sehen, er wusste wohl um die Wichtigkeit des Moments. Üblicherweise kommt der 32-Jährige nach Erfolgserlebnissen wie diesen erst so richtig ins Rollen. Für die Gegner geht es dann oft sehr schnell.

Doch Thiem hat sich mittlerweile die nötige Wettkampfhärte auf der großen Bühne angeeignet. Bereits im Frühsommer im Halbfinale der French Open hatte der Niederösterreicher den mittlerweile 16-fachen Sieger von Grand-Slam-Turnieren in einer Fünf-Satz-Partie mit vielen Höhen und Tiefen niedergerungen. „Dieses Spiel wird mir sicher helfen“, hatte er im Vorfeld in London bereits geahnt.

Der Weltranglisten-Fünfte blieb seiner mutigen Linie treu, gleichzeitig senkte er die Fehlerquote auf sieben. Ein Break zu Beginn genügte Thiem zum Satzausgleich.

Dominic Thiem - die Eckdaten einer beeindruckenden Karriere 

Mit seinem Einzug ins Finale der Australian Open - auch wenn es nicht für den Titel reichte - hat Dominic Thiem Tennis-Geschichte geschrieben. Er war der erste Österreicher überhaupt, der in Melbourne um den Einzel-Titel kämpfte.

Preisgeld: Dominic Thiem hat in seiner Karriere bislang 23.825.893 Dollar verdient (21,57 Mio. Euro). Mit seiner Finalteilnahme bei den Australian Open kamen alleine 1,27 Millionen Euro zusammen.

Stärken: Der Aufschlag und die Vorhand sind die Schläge, mit denen er die Matches gewinnt. Thiem ist zudem extrem  ausdauerstark.

Stärken: Der Aufschlag und die Vorhand sind die Schläge, mit denen er die Matches gewinnt. Thiem ist zudem extrem  ausdauerstark.  

Schwächen: Mittlerweile ist Thiem vielseitiger, auch der Return ist verbessert. Anfällig war er in den letzten Jahrem immer wieder für Erkrankungen.

Zauber: Dominic Thiems sehenswertester Schlag ist die Rückhand. Sein Ex-Trainer Günter Bresnik ließ ihn diese auf eine einhändige umstellen, als er zwölf war. 

Verletzungen: Dominic Thiem blieb von schweren Verletzungen verschont. 2018 pausierte er mehrere Wochen wegen eines Knochenmarksödems im Knöchel.  

Team Thiem: Der Chilene Nicolas Massu (39) folgte auf Günter Bresnik als Trainer, dazu kommt Physio Alex Stober und Fitnesscoach Duglas Cordero. Manager ist Herwig  Straka. 

National-Thiem: Thiem war sechs Mal im Daviscup-Team, im Einzel gewann er acht von elf Partien.

Allrounder: Thiem gewann als einziger Österreicher ATP-Turniere im Einzel auf allen Belägen (Sand, Hartplatz, Rasen).  

Junioren: Thiem war die Nummer 2 der Welt im Jugend-Ranking, gewann 2011 die Orange Bowl und stand im French-Open-Finale 2011.  

Ausbildung: Thiem ging in Lichtenwörth in die Volksschule, danach vier Jahre ins Gymnasium Katzelsdorf und zwei Jahre Jahre ins Gymnasium Liese Prokopp in der Südstadt.

Grand-Slam-Bilanz: Sein Top-Turnier sind die French Open. Dort stand er 2016 und 2017 im Semifinale, 2018 und 2019 unterlag er im Finale jeweils Rafael Nadal. Mit seiner Final-Teilnahme bei den Australien Open 2020 konnte er seine dritte Finalteilnahme verbuchen. Jedoch verlor er auch dieses Endspiel knapp.

Titel: Der größte seiner 16 Turniersiege gelang letztes Jahr in Indian Wells. Es war sein erster Triumph bei einem ATP-1000-Event. Der emotionalste Sieg war jener in Kitz’ 2019, wo er den „Heimsieg“ holte.   

Lieblingsorte: Thiem liebt New York und privat die deutsche Insel Sylt.   

Lieblingsspeise und Getränk: Curry-Wok und Spaghetti von den Omas, sowie Red-Bull-Cola.

Sponsoren: Thiem setzt auf Bank Austria, Adidas, Kia, Babolat, Rolex und Red Bull. Was den Brutto-Medienwert betrifft, war im Februar 2019 Thiem mit 3,8 Millionen Euro hinter Ski-Star Marcel Hirscher (10,4 Mio.) Nummer zwei. 

Fußball: Seine große Leidenschaft neben dem Tennis. Thiem ist Fan des englischen Topklubs Chelsea und hat selbst ein Team, den TFC Matzendorf. 

Familie: Vater Wolfgang und Mutter Karin sind Tennislehrer. Wolfgang Thiem leitet mit Günter Bresnik das Leistungszentrum in der Südstadt. Bruder Moritz spielt ebenso.    

Die Entscheidung

Das Auf und Ab ging in Satz drei munter weiter: Djokovic drehte ein 1:3 in ein 4:3, bei 6:5 verabsäumte es der Österreicher, das Match auszuservieren. Wieder musste ein Tiebreak entscheiden. Diesmal aber mit dem besseren Ende für Thiem. Der Rest ist Jubel.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.