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Sport

Armstrong: Drohendes Doping-Verfahren ist "Posse"

Eine Doping-Anklage gegen Lance Armstrong steht unmittelbar bevor.

07/01/2012, 01:00 PM

Der Tour-Rekordchampion gibt sich k√§mpferisch, spricht von einer " Posse" und scheut auch pers√∂nliche Diffamierungen nicht mehr. Das Thema wird auch die am Samstag begonnene Tour de France 2012 √ľberschatten, meint UCI-Boss Pat McQuaid.

W√§hrend die Radprofis zur diesj√§hrigen Tour aufgebrochen sind, steht der Rekordsieger der Frankreich-Rundfahrt auf der anderen Atlantik-Seite vor einem spektakul√§ren Dopingverfahren. Armstrong soll nach Willen der US-Anti-Doping-Agentur (USADA) wegen jahrelanger Manipulation und Handels mit Dopingmitteln angeklagt werden. Nach Sichtung der Beweise gab eine Kommission am Freitag der Agentur Gr√ľnes Licht f√ľr eine offizielle Anklage.

Armstrong selbst weist wie immer alle Beschuldigungen von sich. Er denke gar nicht daran, sich von der "USADA-Posse" aus der Ruhe bringen zu lassen, twitterte er am Samstag. Allerdings wird der Ton in der Aff√§re merkbar rauer. Armstrong schreckt vor pers√∂nlichen Diffamierungen nicht mehr zur√ľck. Am Freitag hatte er √ľber Twitter eine heftige Attacke gegen ein Mitglied der Kontrollkommission lanciert, den Jura-Professor Clark Griffith. Gegen diesen l√§uft derzeit ein Verfahren wegen des Verdachts auf Exhibitionismus. "Wow. USADA sucht sich ja Leute aus", schrieb Armstrong dazu.

Im Internet kassierte er daf√ľr laute Kritik. Wom√∂glich antwortete er daraufhin etwas gem√§√üigter. "Wir sind jetzt in 2012, ich werde Livestrong weiter voranbringen, meine f√ľnf Kinder gro√üziehen und fit bleiben!", twitterte er. Livestrong ist eine von Armstrong ins Leben gerufene Initiative zu Unterst√ľtzung von krebskranken Menschen. Der Amerikaner war 1996 selbst an Hodenkrebs erkrankt.

Nach seiner Genesung hatte er die einzigartige Tour-Siegesserie zwischen 1999 und 2005 gestartet - nach Ansicht der USADA aber nicht mit regul√§ren Mitteln. In einem 15-seitigen Schreiben an Armstrong, dessen langj√§hrigen Teamchef Johan Bruyneel sowie Betreuer und √Ąrzte ist von EPO-, Testosteron-, Kortison- und Blutdoping die Rede, das die Beschuldigten in den Teams US Postal, Discovery Channel, Astana und RadioShack viele Jahre betrieben haben sollen.

"Alle Angeschriebenen haben das Recht auf eine √∂ffentliche Verhandlung vor einem Schiedsgericht", teilte die USADA mit. In einem Prozess w√ľrden dann Beweise vorgelegt und Zeugen vernommen. Sollte Armstrong wie erwartet gegen die Vorw√ľrfe vorgehen, wird sich ein Schiedsgericht mit dem Fall befassen. Bei einer Verurteilung k√∂nnte ihm mindestens einer seiner Tour-Siege aberkannt werden.

Die Causa ist auch bei der Tour 2012, die am Wochenende in Belgien begann, eines der Hauptgespr√§chsthemen. Im Fokus steht dabei nicht Armstrong, sondern dessen Vertrauter Bruyneel, heute Teamchef bei RadioShack-Nissan, dem Rennstall des Prolog-Siegers Fabian Cancellara (SUI). Wegen der Vorw√ľrfe verzichtet Bruyneel auf das wichtigste Radrennen der Welt. "Sein Tour-R√ľckzug wird hier drei Wochen lang das Thema sein", sagte McQuaid, beim Tour-Auftakt in L√ľttich.

Der Pr√§sident des Radsport-Weltverbands betonte, √ľber die Ermittlungen sp√§t in Kenntnis gesetzt worden zu sein. "Wir haben erst einen Tag vor Ver√∂ffentlichung von dem Fall erfahren", sagte der Ire. Sollte ein Schiedsgericht die Angeklagten schuldig sprechen, droht Bruyneel eine lange Sperre, auch wenn er Belgier ist. "Die USADA hat das Recht, Bruyneel weltweit zu sanktionieren", erkl√§rte McQuaid.

Damit es nicht so weit kommt, werden Armstrong und Bruyneel alle Hebel in Bewegung setzen. Beide gehen gegen Gegner nicht zimperlich vor. Seinen ehemaligen Teamkollegen Floyd Landis, inzwischen Zeuge der USADA, bezeichnete Armstrong mehrfach √∂ffentlich als L√ľgner. Die USADA kann in einem Prozess nach eigenen Angaben zehn Zeugen aufbieten, darunter wohl auch Armstrongs fr√ľhere Mannschaftskollegen Tyler Hamilton und Frankie Andreu sowie dessen Frau.

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