epa03836254 Emirates Team New Zealand races on the course against The Luna Rossa Challenge Team Italy during race seven of the Louis Vuitton Cup Finals on the San Francisco Bay in San Francisco, California, USA, 24 August 2013. The Louis Vuitton Cup is the Challenger Series for the America's Cup. The winner of the Louis Vuitton Cup Finals will face Oracle Team USA in the America's Cup Finals in September. EPA/MONICA M. DAVEY

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34. America’s Cup
09/01/2013

Das Formel-1-Rennen vor der Golden Gate Bridge

Am Samstag beginnt die traditionsreichste Sportveranstaltung der Welt. Hans Peter Steinacher im Interview.

von Peter Karlik

2000 und 2004 wurden Roman Hagara und Hans Peter Steinacher Olympiasieger in der Tornado-Klasse. Der gute Ruf führte sie bis zum America’s Cup, wo sie als Sportdirektoren des Red-Bull- Youth-Cups fungieren. Eine Woche vor Beginn der ältesten Sportveranstaltungen der Welt spricht Hans Peter Steinacher (im Bild unten rechts mit Roman Hagara) über die Bedeutung, die Gefahren und die Zukunft des America’s Cup.

KURIER: Was ist das Besondere an den Booten der AC72-Klasse?
Hans Peter Steinacher:
Unsere Katamarane, die wir gesegelt sind, wurden über die Längsachse balanciert. Die AC72 balanciert man auch noch über die Querachse. Es wird auf den Foils (siehe Grafik) gefahren, wodurch man in beide Richtungen das Boot balancieren muss. Das macht es so schwierig.

Kritisch wird es, wenn der Wind von hinten kommt, weil dann die Nase eintaucht!
Nein, das kann bei jedem Manöver passieren. Wenn das Boot geradeaus ausfährt, ist es relativ leicht. Aber wenn es sich dreht, kann sich der Auftrieb in kurzer Zeit dramatisch ändern. Problematisch wird es, wenn du in letzter Sekunde ein Manöver machen musst, zum Beispiel wenn du ausweichen musst.

Im Mai hat es auf der schwedischen Artemis einen tödlichen Unfall gegeben. Braucht der Segelsport diese Gefahr wie einst die Formel 1?
Das Ertrinken ist ein ständiger Begleiter im Segelsport. Wenn man sich verhängt und unter Wasser kommt, wird es hart. Versuchen Sie einmal mit 160 Puls ins Wasser zu springen und die Luft anzuhalten. Du hast genau vier bis fünf Sekunden Zeit und dann ist es aus. Aber man sollte den Vorfall im Mai nicht dramatisieren. Es hat in unserer Klasse, dem Tornado, auch schon Todesfälle gegeben, genauso bei anderen olympischen Booten. Deshalb sollte man den America’s Cup überhaupt nicht infrage stellen.

Die Kritik, dass die Boote zu gefährlich sind, ist also übertrieben?
Ja. Der tragische Vorfall ist aber zu einem Zeitpunkt passiert, an dem alle Medien auf dieses Thema aufgesprungen sind.

Ein schlechtes Image würde auch dem am Sonntag beginnenden Youth America’s Cup, bei dem und Roman Hagara und Sie Sportdirektoren sind, nicht gut tun.
Richtig. Dabei segeln in der AC45er-Klasse Segler zwischen 19 und 25 Jahren. Wir sind ja keine extrem risikobereiten Leute. Die Nachwuchssegler haben ein Monat lang trainiert und die Boote komplett im Griff.

Kann man schon eine Vorhersage treffen, ob Oracle oder das Emirates Team die Nase voran haben wird?
Ich glaube, es wird extrem knapp. Man wird jetzt zum ersten Mal sehen, wie diese Boote bis ans Limit gepusht werden. Die Vorstart-Phase wird extrem aggressiv von den Booten geführt werden. Denn beide werden fast gleich schnell sein, das heißt, es wird viel vom Start abhängen. So wie auch früher schon beim America’s Cup.

Das Team Oracle hat 200 Millionen Dollar Budget, das Emirates Team 84 Millionen. Wie kommt es zu solchen Unterschieden?
Das kann jedes Team handhaben wie es will. Oracle gibt für manche Dinge eben mehr Geld aus. Oracle ist viel breiter gestreut. Da gehören viele Aktivitäten dazu, die mit dem America’s Cup direkt gar nicht so viel zu tun haben. Die müssen das Projekt einfach weltweit marketingtechnisch pushen.

Sie sind seit einigen Tagen schon in San Francisco. Wie ist die Stimmung und die Bedeutung des Rennens in den USA?
Es ist großartig. Der Name America’s Cup ist der interessanteste in der gesamten Segel-Geschichte. Das ist die älteste Sport-Trophäe überhaupt. Und mit dem Beginn des Red-Bull-Youth-Cups geht es jetzt richtig los. Es sind alle sehr gespannt.

Wie stehen die Chancen, dass man Roman Hagara und Hans Peter Steinacher einmal auf einem Boot beim America’s Cup sehen wird?
Die Chance besteht immer. Wir sind jetzt als Sportdirektoren des Red-Bull-Youth-Cups direkt involviert. Wir kennen jeden, der in den Cup involviert ist. Und so wird es weiter gehen.

Das heißt, der Youth-Cup ist ein guter Einstieg?
Ganz genau. Er ist das Um und Auf für uns.

Milliardär gegen die Segelnation

1200 Pferdestärken haben die Motoren der Begleitboote, um von den Segel-Boliden beim America’s Cup nicht abgehängt zu werden. 87 Kilometer pro Stunde erreichte das Emirates Team im Finale des Louis-Vuitton-Cups, in dem der Herausforderer des Titelverteidigers im America’s Cup ermittelt wurde.

Die Neuseeländer setzten sich in der Best-of-13-Serie mit 7:1-Siegen gegen das italienische Syndikat Luna Rossa durch und treten ab kommenden Sonntag gegen das scheinbar übermächtige Oracle Team USA an. Die Neuseeländer gelten als Segelnation. Die Bedeutung des Projekts zeigt auch die Tatsache, dass die Regierung das Team mit umgerechnet 21 Millionen Euro Steuergeld unterstützt.

„Aotearoa“ heißt das Boot der Neuseeländer, was auf Maori so viel wie „Land der langen weißen Wolke“ heißt und die Verbundenheit zur Heimat betonen soll. Gesteuert wird die Aotearoa von Dean Barker, der viel von Russell Coutts gelernt hat. Die neuseeländische Legende arbeitet jetzt als Geschäftsführer des Oracle Teams. Die Amerikaner werden vom Software-Konzern Oracle und dessen Besitzer Larry Ellison unterstützt. Der Mann mit einem Privatvermögen von 36 Milliarden Dollar antwortet auf die Frage, warum er das mache: „Nachdem ich den Cup zwei Mal nicht gewinnen konnte, habe ich realisiert, dass meine Persönlichkeit es mir nicht erlaubt, aufzuhören, wenn ich verliere. Aber genauso geht es mir nach Siegen. Ich bin ein Gefangener.“ Die Wahl der Amerikaner, AC72er-Boote einzusetzen, verteidigte der 69-Jährige auch nach dem tödlichen Unfall von Olympiasieger Andrew Simpson auf der Artemis im Mai: „Wir wollten sicher nicht, dass jemand verletzt wird. Da ist ein Fehler passiert. Es war aber die richtige Entscheidung, schnelle und spektakuläre Boote zu nehmen.“

Für den Erfolg hat Ellison viel investiert. Mit dem Australier James Spithill (34) und dem britischen Vierfach-Olympiasieger Ben Ainslie (36) sind zwei der derzeit besten Segler für das Team Oracle im Einsatz.

TV-TIPP: ServusTV überträgt Höhepunkte des Red-Bull-Youth-America’s-Cup in der Nacht auf Montag (0.15 Uhr) und alle Rennen des America’s Cup ab kommendem Samstag (22.15 Uhr) live.

Verteidiger und Herausforderer auf einen Blick finden Sie hier.

Wie die Boliden übers Wasser gleiten

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