Sport
17.06.2017

35. America’s Cup: Abflug in eine neue Dimension

Vor den Bermudas segeln ab Samstag Neuseeland und USA um den ältesten Sportpokal.

Türkisblaues Wasser, weißer Sand, konstanter Wind – nur das Pfeifen der Carbon-Boliden stört die subtropische Idylle vor den Bermudas. Das Pfeifen kommt von den schnellsten Segel-Booten, die je in einem Rennen gegeneinander fahren dürfen.

Der Begriff Boote ist für die Hightech-Katamarane fast schon eine Beleidigung. Die 15 Meter langen und 8,5 Meter breiten Konstruktionen erreichen die dreifache Windgeschwindigkeit. Möglich macht dies ein aufgestellter 24 Meter hoher Flügel statt eines Segels. Erzeugt ein Flugzeugflügel Auftrieb, so sorgt der Segelflügel für Vortrieb. Bis zu 90 km/h sind die Katamarane schnell. Experten erwarten sogar, dass im Finale zwischen dem Oracle Team USA und dem Emirates Team New Zealand der 100er geknackt werden könnte.

Das am Samstag beginnende Finale (ab 19 Uhr, Sky Sport News) um den 35. America’s Cup wird wieder zu einer Werbeveranstaltung für den Segelsport.

Das Millionen-Duell

Titelverteidiger USA wird von Neuseeland herausgefordert. Es handelt sich um jene Segel-Nationen, die den America’s Cup traditionell dominieren. Software-Tycoon Larry Ellison ermöglicht dem Team USA ein Budget von rund 100 Millionen Dollar (89 Millionen Euro), bei den Neuseeländern sind es auch noch um die 80 Millionen Dollar (72 Millionen Euro).

Die Neuseeländer mussten sich über den Louis Vuitton Cup für das große Finale gegen den Titelverteidiger qualifizieren. Frankreich, Großbritannien, Japan und zuletzt Schweden waren keine großen Gegner für das Team von Neuseelands Steuermann-Hoffnung Peter Burling. Der erst 26-Jährige wird als das Wunderkind im Segel-Sport bezeichnet. Mit 21 Jahren holte er bei den Olympischen Spielen in London in der 49er-Klasse Silber, 2016 in Rio war es schon Gold. 2017 will er zum jüngsten America’s-Cup-Sieger in der 166-jährigen Geschichte des ältesten Sportbewerbes werden.

Diesen Titel hält noch James Spithill. Der jetzt 37-jährige Australier gewann 2010 als bislang jüngster den Cup, 2013 wiederholte er den Coup mit einer der größten Aufholjagden in der Sportgeschichte. 8:1 hatte Neuseeland vor San Francisco geführt, doch der entscheidende Punkt sollte nicht mehr gelingen. Das Team USA hatte aussichtslos zurückliegend voll riskiert, Spithill führte das Team zu einem 9:8-Triumph.

Die Formel 1

Der 34. America’s Cup 2013 ging auch deshalb in die Sportgeschichtsbücher ein, weil die Boote erstmals foilten. Das bedeutet, sie surfen auf den schmalen Rudern (Foils), wodurch sie weniger Wasserwiderstand haben. Die Boliden werden heuer wieder so schnell, dass die Crews darauf achten muss, die Nase nach unten zu halten, damit die Boote bei einer Böe nicht tatsächlich abheben. Gesteuert werden die Foils mit einem Hydrauliksystem. Um den Öldruck hochzuhalten, wurde bei fast allen Teams in dieser Saison an Kurbeln per Hand gedreht. Nur die Neuseeländer haben Ergometer im Boot und Fahrradspezialisten engagiert. Dieses System soll bis zu 30 Prozent bessere Ergebnisse liefern. Sollten sich die Neuseeländer tatsächlich durchsetzen, dann werden in Zukunft in allen Booten Radfahrer sitzen.

Für den Triumph werden sieben Wettfahrtsiege benötigt. Neuseeland startet mit -1, weil die USA die erste Qualirunde gewannen. Die Entscheidung fällt bis 27. Juni.