© Lili Radu

Erfolgreiche Entrepreneurin
03/22/2014

Lili Radu hat Apple in der Tasche

Ein Satz veränderte Lili Radus gesamtes Leben: "Ich bin Paul von Apple".

von Andrea Hlinka

Lili Radus Stand war fünf Quadratmeter groß. Bei der Bread & Butter, der berühmten Modemesse in Berlin, tummeln sich Tausende Designer, versuchen aufzufallen und reden sich in Rage, um an einen Auftrag zu kommen – auch Lili Radu. Als alle anderen bereits wegräumten, trat ein Mann mittleren Alters vor ihren Stand. Dem Akzent nach ein Brite, lässig in Sneakers. Er begutachtete die Laptop-Taschen, die Clutches, wendete sie, erkundigte sich über die Produktion. Radu erklärte geduldig. Doch irgendwann fragte sie, wer er denn sei. Die Antwort: "Ich bin Paul von Apple." Als Lili Radu "Paul von Apple" hörte, gingen bei ihr tausend Lichter an: "Jetzt musst du performen und das Richtige machen", dachte sie, "weil diese Chance ist einmalig und du hast maximal drei Minuten."

Lili Radu ist Entrepreneurin. Das heißt auch: Ein Manko zu erkennen und den Mumm aufzubringen, es zu ändern. Bei Radu war es der Mangel an schicken und funktionalen Laptoptaschen – weil sie keine finden konnte, entwarf sie selber eine. Obwohl Design nicht ihre Terra Mater ist. Lili Radu wurde in Frankfurt geboren, studierte in Wien Publizistik und Wirtschaft und arbeitete einige Jahre bei einer Kommunikationsagentur. Nach neun Jahren in Wien zog sie weiter. Ein wenig südlicher, nach Mailand, wo sie ihren MBA in Fashion Management machte.

We want you

Sich und ihre Taschen präsentieren, das kann Lili Radu – drei Minuten reichen dafür aus. Das Junge, das Zarte, das ihr Äußerliches bestimmt, wird von ihrer recht tiefen Stimme auf den Boden geholt. Noch dazu spricht sie fließend buchhalterisch. Die 32-Jährige weiß sehr genau, was sie tut und sie kalkuliert knallhart. "Ich denke, dass viele Entrepreneure zu wenig betriebswirtschaftliches Know-how besitzen." Ein unverzichtbares Asset, wer ein Unternehmen gewinnbringend aufziehen möchte.

Paul und Lili tauschten nach drei Minuten Kontakte aus. Ohne zu zögern, schrieb sie ihm am nächsten Tag und flunkerte: Sie wolle ohnehin in den nächsten Tagen nach London fliegen. Sie würde sich über einen Termin freuen. Fünf Tage später saß sie im Apple-Headquarter in London Paul und Kollegen gegenüber. Sie alleine, als One-Woman-Show. Ohne Bedenkzeit und großen Attitüden sagte Paul nach dem Termin: "Wir wollen mit dir zusammenarbeiten." Lili Radu flog überwältigt zurück nach Berlin und begann wie wild an den Taschen zu arbeiten. Rund zwei Monate später waren sie fertig und Radu damit im Olymp der Laptop-Taschendesigner.

Die Welt als Zuhause

Die Idee zu den Taschen und der Businessplan entstand während des MBA-Studiums. Sie entwarf erste Modelle, testete verschiedene Materialien und fand eine Produktionsstätte in Istanbul – ein Familienbetrieb, bekannt für makelloses feines Leder. Mittlerweile werden Lili Radus gleichnamige Taschen in 45 Läden in elf Ländern weltweit verkauft – von Österreich bis nach Taiwan. Und natürlich in Apple-Shops in ganz Europa.

Neue Märkte, Internationalität, steht ganz oben auf ihrer Liste. "Das bin ich auch persönlich", sagt sie. Radu lebt inzwischen zwar wieder in ihrer Geburtsstadt Frankfurt, doch will die Expansion weiter vorantreiben. Soeben aus Istanbul zurückgekehrt, fliegt sie in den nächsten Wochen in die japanische Hauptstadt Tokio auf eine Messe. Nach wie vor steht Lili Radu immer selbst hinter ihrem Stand. "Du musst dir deine Aufträge immer neu erkämpfen."

Zweifelsfrei, das ist auch Lili Radu nicht. "Man ist kein guter Entrepreneur, wenn man nicht hin und wieder zweifelt. Man macht ständig Fehler und bekommt laufend Feedback. Und genau das führt dich immer ein Stück weiter und macht dich besser."

1. Erfahrung sammeln
Es gibt nicht den einen perfekten Zeitpunkt zum Gründen. Bei mir war es während des MBAs ideal: Mit reichlich Arbeitserfahrung zurück im Studentenleben waren vorgeschriebene Arbeitszeiten und festes Einkommen schnell vergessen. Dieser Wechsel aus dem Arbeitsleben war für mich die beste Grundlage für einen Neubeginn und währenddessen entstand schließlich auch die Idee.

2. Love it or leave it
Es ist unglaublich wichtig, selbst 100 Prozent überzeugt zu sein und komplett hinter dem Produkt oder der Idee zu stehen. Denn man ist immer auch Verkäufer und muss andere von seiner Idee überzeugen können. Nur wenn man selbst für das, was man tut, brennt, kann man auch andere Menschen mitreißen und begeistern.

3. Dranbleiben
Selten wird ein Unternehmer über Nacht zum Millionär, sondern durch viel Arbeit und kontinuierliches Am-Ball-Bleiben. Natürlich gehört auch immer ein Fünkchen Glück dazu und am Anfang sollte ein tolles Produkt stehen. Aber gerade wenn man organisch wachsen möchte, braucht man einfach einen sehr langen Atem.

4. Hol dir die Besten
Da man selbst als Gründer einen 360-°C-Blick hat und viele Sachen gleichzeitig managen muss, sollte man ab einem gewissen Punkt Verantwortung abgeben an Leute, die in einem speziellen Feld besser sind als man selbst. Man beherrscht schließlich nicht alle Gebiete perfekt und ohne diese Expertise ist sonst kein Wachstum möglich.

5. Niemanls aufgeben
Den wichtigsten Tipp hat mir mein Vater mitgegeben, der ebenfalls selbstständig ist: Niemals aufgeben und immer den Wind in den Segeln behalten! Es gibt ständig Aufs und Abs, aber dieses Motto hilft mir durch alle schwierigen Phasen, denn es geht immer weiter. Immer.

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