Der Kontakt sitzt nebenan

Jeden Dienstag Mittag gibt es im Hub Vienna "Sexy Salad": Jeder Unternehmer bringt eine Zutat mit, das fördert den Austausch © Bild: Daniel Auer

Besser vernetzt per Gemeinschaftsbüro: Co-working Space versus Business Center.

Lena Robinson wollte ja "nur mal kurz vorbeischauen". Damals vor zwei Jahren, als ein Freund sie ins "Hub Vienna" einlud. Beim Verabschieden hatte sie einen Job in der Tasche. Im Hub arbeiten junge soziale Unternehmer in Start-ups oder für sich allein. Sitzen mit ihren Laptops an runden Tischen, in einem Raum, der mehr nach Café aussieht als nach einem Büro. Coworking-Space sagt man neudeutsch dazu.

Seit zwei Jahren also heuert Lena Robinson beim Start-up "Three Coins" als Pressebetreuerin an. "Three Coins" hat sich im Hub formiert. "Das Hub ist gelebte Kollaboration", sagt Lena Robinson. Die Arbeit in einem normalen Büro wäre für Three Coins schwer möglich, "wir brauchen kreative Inputs und Inspiration."

Kurz vor unserem Gespräch hat Lena Robinson ein paar Tische weiter Marketingprofi Moriz Piffl um Feedback zum Werbeplakat von "Three Coins" gebeten. "Wir sind hier die Anlaufstelle für Marketingfragen", sagt Piffl. Mit Michael Lanner schneidert er unter dem Label "Gebrüder Stitch" Jeans nach Maß, für die Büroarbeit kommen sie ins Hub. Auch Piffl nutzt gern Kontakte und Wissen der anderen Jungunternehmer, beispielsweise für den Aufbau der Webseite. Unbürokratisch, gratis, quasi im Vorbeigehen, wo andere Unternehmer sich in ihren eigenen Büros mühsam mit Anboten und teuren Dienstleistungen herumschlagen müssen. "Wir bezahlen in Hosen", lacht Piffl. Vieles ergebe sich. Zum Beispiel dienstags mittags beim "Sexy Salad": Jedes Mitglied bringt eine Salat-Zutat mit, es wird gemeinsam gekocht und gegessen.

Jedes Hub-Mitglied ist ein wandelndes Netzwerk, meint Unternehmensberater Michael Bauer-Leeb. Für seine Nachhaltigkeitsseminare benötigte er Kontakte zur Jugendszene, von "Three Coins" bekam er schließlich eine Liste mit Kontakten zu Jugendarbeitern. Für sein geplantes Franchisesystem "Zero Waste Jam", mit der er die regionale Marmeladenerzeugung ankurbeln will, berät ihn ein Hub-Kollege mit Franchiseerfahrung. Bauer-Leeb meint: "Du kriegst hier von anderen Fragen gestellt, auf die du selber nicht kommst."

Der Kunde ist nebenan

Traditioneller geht es in den Business Centers von Regus zu. Ein Gang, viele Türen, dahinter Büros mit zwei bis sechs Arbeitsplätzen. Hierher kommen Mobilarbeiter und Geschäftsreisende, wenn sie in Ruhe arbeiten, Kunden empfangen wollen. Leopold Kuschny ist seit 2009 mit seiner Personalberatung Strateg-It Mieter im Regus in der Mariahilfer Straße. Für Gespräche mit Bewerbern braucht er aus Diskretionsgründen ein eigenes Büro. Der Austausch unter den Unternehmern ist begrenzter als im Hub – auf die Mittagspause in der Küche, auf die Kaffeepause in der Business Lounge.

Doch man kenne einander mit der Zeit, sagt Kuschny. Er hat hier bereits einige Aufträge ergattert. "Die Mieter sind oft Start-ups, die expandieren", sagt er. "Wenn sie Mitarbeiter suchen, klopfen sie bei mir an." Nicht nur das: "Wenn ich jemanden für meine Webseite, fürs Marketing brauche, schaue ich mich zuerst bei Regus um." Jeder Standort veranstalte alle drei Monate Vernetzungsevents, erzählt Lucia Hudakova, General Manager des Regus Vienna Opera Center. "Hier können sich die Mieter den anderen präsentieren". Doch auch Büroanbieter Regus hat den Bedarf nach offenen Co-working Spaces erkannt – und am neuen Standort am Fleischmarkt in Wien 1 ein Großraumbüro eingerichtet (siehe unten).

Plätze frei für mobile Arbeiter

Mobil arbeiten ja, aber von zuhause aus oder im Café ist es zu uninspirierend? Das soeben eröffnete Regus Business Center am Fleischmarkt im Zentrum Wiens sucht noch Mieter: Das Business Center bietet zusätzlich zu den individuell tage- oder stundenweise mietbaren Einzel- oder Gemeinschaftsbüros auch eine loftartige Co-working-Ebene und Besprechungskojen. Bedingung: Eine Jahresmitgliedschaft in verschiedenen Preiskategorien. www.regus.at

Seit Jänner geöffnet hat der Co-working Space Zur Goldenen Forelle in einem ehemaligen Fabriksgebäude in Wien-Penzing. Einen fixen Arbeitsplatz gibt es um 385 Euro pro Monat, Werkstatt und Leseecke inklusive. Zielgruppe sind "neue Arbeiter" der Creative Industries: Architekten, Ingenieure, Grafiker. 20 Plätze sind noch frei. www.zurgoldenenforelle.at

Klein, fein und bobo ist die Managerie in Graz: Fünf Arbeitsplätze bietet das Gemeinschaftsbüro jungen Kreativen, zur Zeit sind ein Tages- und ein Halbtagesarbeitsplatz frei. 264 Euro zahlt man monatlich für einen Tagesplatz. managerie.at

Die Stadt Graz hat übrigens den Bedarf nach flexiblen Arbeitsplätzen erkannt und will die Errichtung neuer Co-working Spaces mit 150.000 Euro fördern. Bis 31. März können Projekte eingereicht werden. Infos auf www.wirtschaft.graz.at

Erstellt am 13.03.2014