Steckt hinter Gender-Mainstreaming "eine feministische Sekte"?

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Deutscher Biologe
09/04/2015

Gendern "ein Krebsgeschwür"

Gendern ist eine Religion, keine Wissenschaft - sagt ein deutscher Professor.

von Michael Hammerl

Ist Gender-Mainstreaming in Wahrheit gar keine Wissenschaft, sondern eine Religion? Ulrich Kutschera, Professor an der Universität Kassel, vertritt diese Ansicht und erkennt darin eine Gefahr für sein eigenes Fachgebiet: „Wir stehen kurz vor einer Genderisierung der Biologie“, sagte Kutschera im Gespräch mit dem RBB-Inforadio. Er kämpft seit Jahren gegen die Weltanschauung des Kreationismus. Dessen Anhänger machen ein höheres Wesen für die Entstehung des Menschen verantwortlich und lehnen die Evolutionstheorie ab.

Wünschelrutengeher, Homöopathen, aber auch und wissenschaftliche Vertreter des Gender-Mainstreamings zählt Kutschera zur Gruppe der Kreationisten. Hinter dem „Kampfbegriff“ Gender-Mainstreaming vermutet er „eine feministische Sekte“, die „unter der Tarnkappe des Gender Mainstreamings“ Fuß fassen würde - „gleich einem Krebsgeschwür“.

Beschwerde bei Universität

Obwohl das Interview (siehe hier) bereits Anfang Juli gesendet wurde, bekam Kutschera erst in den letzten Tagen öffentlichen Gegenwind. „Asta“, der Kasseler Studierendenausschuss, hatte sich beim Uni-Präsidium über Kutscheras Ausführungen beschwert. Das Präsidium reagierte zurückhaltend. Auch wenn es den Lehrenden freistehe, sich öffentlich zu äußern, werde sie das Gespräch mit dem Professor suchen. Die gegenseitige Anerkennung „aller Mitglieder der Hochschule“, sei wichtig.

Kutscheras Retourkutsche: „Als international ausgewiesener Biowissenschaftler argumentiere ich ausschließlich auf Grundlage der aktuellen Fachliteratur.“ Er gibt zwar zu, dass seine Aussagen zugespitzt waren, zurücknehmen will er sie jedoch nicht. In Zukunft werde er zuerst „die Fakten in Buchform“ darlegen, bevor er mit einer Meinung an die Öffentlichkeit gehe. Sein Buch „Gender-Paradoxon“ ist für Anfang 2016 geplant.

Kutschera, der auch Gastvortragender an der Stanford University ist, sieht für Gender-Mainstreaming keine wissenschaftliche Grundlage. Es „wird in aller Regel vor sich hin theoretisiert“, während sich Naturwissenschaftler um die Erforschung „realer Dinge“ bemühen würden. Zusammengefasst: eine „feministisch, fundamentalistische „Mann gleich Frau“-Ideologie“.

Das „Urviech“ Mann

Kutschera pocht darauf, dass alle seine Argumente wissenschaftlich belegt seien. Auch, wenn es um sein Männerbild geht: „Männer wollen einfach eine nette Frau, mit der man nicht viel diskutieren muss.“ Indikatoren, die Männer bei der Suche nach Partnerinnen anwenden würden: jung, attraktiv, fertil. Und das gelte im Übrigen für alle Kulturen. „Männer sind quasi die Urviecher in uns, die Affen.“

Alleine steht der 60-jährige mit seinen Äußerungen jedenfalls nicht da. „Ich bin angenehm erfreut, dass mich tonnenweise zustimmende Mails von Männern und Frauen aus ganz Deutschland erreichen.„

Das vollständige Interview finden Sie hier.

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