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08.02.2017

"Knecht" Kriechmayr bei Debüt ÖSV-Bester im Super-G

Die Hoffnung von Vincent Kriechmayr, am Ende nicht als Vierter aus dem Zielstadion in St. Moritz gehen zu müssen, hat sich noch während des Gesprächs mit den Journalisten erfüllt. Manuel Osborne-Paradis verdrängte ihn im WM-Super-G auf Platz fünf. "Bei einem Weltcuprennen hättet ihr mir gratulieren können, aber es zählen nur die ersten drei. Fünfter tut nicht so weh", sagte der Oberösterreicher.

Bei einer Passage habe er viel Zeit liegen gelassen, aber mit Startnummer 1 sei es eine gute Fahrt gewesen und er könne mit seiner Leistung durchaus zufrieden sein, resümierte Kriechmayr. Es war die beste eines Österreichers an diesem Tag. Titelverteidiger Hannes Reichelt wurde Zehnter, Max Franz landete auf Rang 13, Marcel Hirscher auf 21, Matthias Mayer schied aus.

Kriechmayr, der in Garmisch noch gemeint hatte, wenn man ihn nicht nach St. Moritz mitnehme, habe er auch zu Hause als "Knecht" in der Landwirtschaft Arbeit, schaffte sein bestes Saisonergebnis. Der 25-jährige WM-Debütant hatte sich vorgenommen, wie am Vortag Nicole Schmidhofer auf ihrer Gold-Fahrt zu attackieren. "Mir ist es phasenweise sehr gut gelungen. Aber die Schmidi ist gestern sensationell gefahren."

Für die Qualifikation um ein Abfahrtsticket war Kriechmayrs Leistung sicher auch nicht hinderlich. "Es war sicher ein guter Start in die WM, aber für morgen zählt das gar nichts. Denn morgen ist eine Quali. Auch wenn die Schweizer hier stark sind, glaube ich, dass wir trotzdem das stärkste Abfahrtsteam haben, mit Max, Mothl und Hannes. Ich muss mich in der Quali mal gegen die Teamkollegen durchsetzen." Fix gesetzt sind nur die Saisonsieger Reichelt und Franz.

Die Sprünge waren in dem herausfordernden Super-G ein Kriterium. "Die Sprünge habe ich sehr gut besichtigt, ich bin immer richtig gut ins Tor reingesprungen, da habe ich nichts hergeschenkt. Ich hoffe, dass es im Fernsehen auch gut ausgeschaut hat und eine Werbung für unseren Sport war. In der Abfahrt werden die Sprünge natürlich noch einmal weiter gehen. Dann wird es eine Challenge."

Titelverteidiger Reichelt hatte eine fehlerhafte Fahrt, machte bei den Sprüngen zu viel Richtung. Beim Abschwingen habe er eine große Enttäuschung verspürt. "Jetzt ist es vorbei. Titel abgegeben. Das mit dem Ältesten, das tut aber nicht weh", sagte der 36-Jährige, der von Guay doppelt beerbt wurde, ist dieser mit nun 35 Jahren doch auch ältester Alpinski-Weltmeister der Geschichte.

Er müsse nun in Hinblick auf die Abfahrt analysieren, was nicht gepasst habe und sich von Training zu Training steigern. "Dann hoffe ich, dass der Servicemann einen schnellen Ski für Samstag hat und der Hannes besser fährt", sagte Reichelt.

Ein Rennen auf Messers Schneide lieferte Franz ab, ein massives Problem bei einer Schlüsselpassage warf ihn fast aus der Bahn. "Der gleiche Topfen wie gestern. Das war eine Wiederholung, weil gestern haben es ja nicht alle gesehen", versuchte es der Kärntner mit Humor.

"Ich habe gut reingefunden, war oben runter schnell. Ich habe das Risiko genommen und mich wieder mal sehr erschreckt. Die restliche Fahrt ins Ziel waren die Knie schon ein bisserl weich, und dann wäre es ein-, zweimal fast noch blöd ausgegangen. Da war ich nicht mehr so locker", gestand Franz. Für die Abfahrt werde er diesen Sprung anders anlegen müssen.

Mayer verpasste ein Tor: "Schade, muss ich ganz ehrlich sagen, ich habe mich ganz gut gefühlt. So ist das im Super-G, es ist oben ein blindes Tor. Man muss riskieren, wenn man schnell sein will, ich bin sicherlich zu gerade reingefahren. Und dann ist vorbei", meinte der Abfahrts-Olympiasieger und Kitzbühel-Super-G-Sieger.

Er sei "ziemlich fest angezipft", das gehöre zum Sport dazu, aber man müsse den Schalter jetzt umlegen. "Ich habe mich auf der Piste schon ziemlich ausgeschrien, habe den Stecken ein paarmal in den Schnee reingedroschen. Aber es sind alle Utensilien heil geblieben, das ist auch schon viel wert."

Auf dem schnell gesetzten Kurs mit den vielen Sprüngen hatte Hirscher keine Chance, bei einem Sprung zauberte es ihn ziemlich. "Ich werde mich bei meiner Mama und wahrscheinlich auch bei Laura entschuldigen. Mein Eindruck war, bist du deppert, riskiere ich heute meine letzte Hose. Aber nichts hat es gebracht. Wenigstens kann ich mir nicht vorwerfen - und ich zittere jetzt noch - dass ich nicht probiert hätte, schnell zu sein."

Der Salzburger habe auch nach dem Wackler beim Sprung nichts rausgenommen, sei voll weitergebrannt und habe versucht, das Maximum rauszuholen. "Angesichts der Möglichkeiten war das heute vielleicht gar keine so schlechte Leistung, die ich da gezeigt habe." Im Vorjahr war Hirscher im Super-G von St. Moritz Fünfter, das sei aber ein anderes Rennen gewesen. Kurssetzung, Schnee und Sprünge waren deutlich anders.