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Romy
03/17/2020

Simon Schwarz: „Keiner weiß, wie es weitergehen soll"

Simon Schwarz über die Schauspielerei in Zeiten der Corona-Krise und die ausbaufähige Filmförderung.

von Marco Weise

Ich erreiche Simon Schwarz am Montag am Telefon. Der österreichische Schauspieler sitzt in seinem Hotelzimmer in München, da er trotz des allgegenwärtigen Corona-Ausnahmezustands einen neuen Film dreht. Am Plan stehen die Dreharbeiten für die ZDF-Komödie „Alle Nadeln an der Tanne“ unter der Regie von Mirjam Unger.

„Es bleibt mir nichts anderes übrig, als weiterzudrehen, weil die Filmfirma es so möchte. Wenn ich jetzt aussteige, wäre es Arbeitsverweigerung. Und das hätte rechtliche und finanzielle Konsequenzen – und die kann ich mir schlichtweg nicht leisten.“

Am Dienstag dann die Planänderung: Bis auf Weiteres werden alle geplanten Dreharbeiten verschoben. „Keiner weiß, wie es weitergehen soll. Ich habe mich bereits mit einigen Schauspielkollegen ausgetauscht. Alle machen sich Sorgen, denn viele kommen gerade aus der Winterpause und wenn einige bis Sommer keine Projekte, keine Aufträge haben, sind sie bald Pleite. Die Krise ist für mich – und für viele Kollgen auch – wirtschaftlich existenzbedrohend. Als freischaffender Schauspieler hat man ja auch keine Absicherung. In einer Krise wie dieser merkt man wieder, wie miserabel die Branche arbeitsrechtlich aufgestellt ist. Daraus gilt es zu lernen und das System zu ändern“, sagt der 49-Jährige nachdenklich.

Rückblende

Vor rund zwei Wochen, im Rahmen der ROMY-Pressekonferenz, sah die Welt noch anders aus. Simon Schwarz saß mir gut gelaunt und ohne den aktuell nötigen Sicherheitsabstand gegenüber und plauderte über seine erste ROMY-Nominierung als Schauspieler, seine Zukunftspläne, seine Rolle in den Eberhofer-Krimis und das österreichische Filmförderungssystem, das ihn nerve.

KURIER: Sie haben gerade die Dreharbeiten zur Salzburger Stadtkomödie „Das Glück ist ein Vogerl“ beendet. Worum geht es?

Simon Schwarz: Die Geschichte spielt kurz vor Weihnachten und dreht sich um Familienprobleme. Erzählt vom Irrsinn des Alltags und den wahnwitzigen Umwegen, die Leben und Liebe so nehmen können. Ich spiele darin den Musiklehrer Franz, für den es nicht sonderlich gut läuft. Es ist meine erste Stadtkomödie. Ich habe auch noch nie einen Landkrimi gedreht.

Warum eigentlich?

Ich wurde einfach nicht gefragt (lacht). Umso schöner ist es, dass ich mein Stadtkrimi-Debüt unter der Regie von Catalina Molina geben kann. Eine wirklich gute Regisseurin und tolle Frau.

Sie haben bereits als Produzent für ihren Film "Zerschlag mein Herz" eine ROMY gewonnen. Arbeiten Sie gerade an einem neuen Film?

Ich entwickle gerade eine neue Geschichte mit einer deutschen Produktionsfirma. An Ideen scheitert es nicht, davon habe ich einen ganzen Katalog, das Problem ist die Zeit und die Finanzierung von solchen Projekten.

Könnten Sie sich vorstellen, eine eigene Produktionsfirma in Österreich zu gründen?

Klar. Durchaus. Man muss dafür aber erst einmal die Leute finden, mit denen man so etwas machen möchte. Die sehe ich bislang noch nicht. Außerdem müsste man auch noch das Filmförderungssystem in Österreich ändern, von dem ich nämlich genervt bin.

Was müsste sich ändern?

Man müsste das ganze System in seine Einzelteile zerlegen und neu zusammensetzen. Das wollen viele Beteiligten und Entscheidungsträger aber nicht, denn sie profitieren ja ganz gut von der aktuellen Lage. Dabei geht es eigentlich darum, den Filmstandort Österreich langfristig zu sichern, Vorbilder für Filmnachwuchs zu schaffen. Nur wenn wir erfolgreiche Regisseurinnen haben, werden junge Mädchen ermutigt. Oder anders gesagt: Wenn man als Mädchen nie eine Automechanikerin sieht, wird man auch nicht auf die Idee kommen, eine werden zu wollen. Weiters müsste man auch beim Bildungssystem ansetzen. Warum gehen Lehrer und Lehrerinnen mit ihren Schülern zwar ins Theater und beschäftigen sich mit Literatur, aber was ist mit dem Besuch von hochwertigen Filmen, einer kritischen Auseinandersetzung mit der Filmgeschichte? So etwas vermisse ich im Lehrplan.

Es gibt eine Vielzahl von jungen talentierten Regisseuren und Regisseurinnen, die ihren ersten Film nie machen oder ewig brauchen.

Vielen angehenden Filmemachern fehlt es einfach an den finanziellen Mitteln, an den Möglichkeiten, sich auszuprobieren. Momentan sieht es so aus, dass sich die meisten angehenden Filmemacher selbst ausbeuten. Das kann ja nicht im Sinne der Sache sein.

Welche Probleme sehen Sie noch?

Es gibt immer noch den Kampf, die Gräben zwischen Komödie und Tragödie. Die einen gelten als künstlerisch wertvoll, die anderen als Unterhalter. Das ist falsch, denn Unterhaltung kann auch Kunst sein und eine Tragödie Schrott. Beide Seiten müssen zusammenarbeiten, und nicht jemanden etwas wegnehmen. Es es braucht Filme, die Leute ins Kino ziehen, Lust auf mehr machen.


„Kaiserschmarrndrama“ nennt sich der bereits siebente Teil der Krimi-Reihe von Rita Falk. Werden Sie der Reihe weiterhin zur Verfügung stehen. Gibt es da einen Vertrag für weitere Teile?

Ja, zwar nicht vertraglich, aber man hat eine Art Verabredung. Ich mache diese Reihe auch von Anfang an sehr gerne, das ganze Team ist super und alle wollen weitermachen. Die Rolle des Rudi Birkenberger ist mir an Herz gewachsen. Die Filme sind wirklich gut gemacht und finden auch stets ein Millionenpublikum. Das freut einen. Dieses Jahr werden wir aber einmal eine Auszeit nehmen und keinen neuen Film drehen. Das hat jetzt nichts mit dem Coronavirus zu tun, sondern weil wir uns einfach nach sieben Jahren in Folge eine Pause gönnen möchten, um auch zu sehen, wie es weitergehen kann.

Simon Schwarz ist seit Jahren Teil der enorm erfolgreichen Heimatkrimi-Filmreihe um den dauergrantigen niederbayerischen Polizisten Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel), nach den Romanen von Rita Falk. Der österreichische Schauspieler und Wahl-Berliner unterhält darin als eher erfolgloser Privatdetektiv Rudi. Für diese Rolle wurde er auch für die ROMY nominiert. „Kaiserschmarrndrama“, der nächst Teil der Eberhofer-Krimi -Reihe soll im August in die Kinos kommen.