Schauspielerin Franziska Weisz: Im Film kann sie sehr spröde sein

Franziska Weisz
Foto: Kurier/Juerg Christandl Franziska Weisz: "Die Taten folgen der Sprache"

Franziska Weisz im Interview über Verleumdung, Vertrauen, die Band Jawoi!, den "Tatort" und ihren neuen "Heimatfilm".

Die Breitenfurterin  Franziska  Weisz (36) ist u.a. für den 2. Teil der   „Neue Heimatfilm“-Reihe „Ein Geheimnis im Dorf“ für die KURIER ROMY nominiert. In deren dritter Folge,  „Treibjagd im Dorf“, ist sie am Mittwoch in ORF2 (20.15) mit u. a. Max von Thun als ihren Mann Franz zu sehen.

KURIER: Sie haben in jüngster Zeit sehr viel gearbeitet. „Tatort“, „Die vierte Gewalt“ , „Ich will (k)ein Kind von Dir“ und jetzt „Treibjagd im Dorf“. Wie wählen Sie Ihre Projekte aus?

Franziska Weisz: Es ist das ganz einfach: nach dem Drehbuch. Die Geschichte muss eine sein, die ich in der Form noch nicht woanders gelesen oder gesehen habe. Wenn ein Schicksal erzählt wird, das mich interessiert und ich das Gefühl habe, dass ich diejenige bin, die diesen Stoff den Menschen näher bringen kann und ich die Qualitäten mitbringe, die diesen Stoff zu einem guten Film machen können, dann sage ich mit Begeisterung ja.

Hat Ihre „Tatort“-Rolle etwas verändert, was zum Beispiel weitere Rollen betrifft?

Ich bin ja noch nicht so lange die Tatort-Kommissarin Julia Grosz. Es wurde erst einer ausgestrahlt, ein weiterer wurde zwischenzeitlich abgedreht. Die Arbeiten für den dritten Fall finden im April und Mai statt – aber zur ROMY werde ich natürlich trotzdem kommen! Jedenfalls bringt man mich noch nicht so sehr mit dem Tatort in Verbindung, wie das bei anderen Kollegen der Fall ist.

Beim nächsten Tatort-Fall „Böser Boden“, der im Herbst zu sehen sein wird, hat der österreichische ROMY-Preisträger Marvin Kren das Drehbuch gemacht. Worum geht es?

Es wird das ein ganz spezieller „Tatort“ sein. Es ist ein Öko-Stoff, es geht dabei um Kriminalität im Umweltbereich. Der Fall schrammt an einigen politisch relevanten Themen entlang wie etwa die Immigration. Das wird alles mit einer ziemlich gruseligen Komponente erzählt. Und es passiert ein Mord, ob wir den wirklich klären, kann ich jetzt nicht sagen.

Treibjagd im Dorf.jpg Foto: ORF/Film 27/Andrea Mayer-Rinner Kommissarin, Jungpolitikerin und Bürgermeisterin, wie jetzt in „Treibjagd im Dorf“: Die Figuren, die Sie spielen, sind oft recht spröde Typen.

Ich finde das wirklich lustig. Eine ähnliche Frage wurde mir in einem Interview zu „Vierte Gewalt“ auch schon gestellt. Ich kann nicht sagen, ob ich gerne oder lieber spröde Typen spiele. Was dabei einfach reizvoll ist, ist, dass man sich als Schauspielerin diese Figuren selbst erst zugänglich machen muss. Schließlich will ich den Menschen, den ich spiele, mögen oder zu mindest wissen, wieso er sich selbst manchmal nicht mag. Ein etwas anderer Zugang als gefälligere Rollen, mit denen man beim Publikum offene Türen einrennt. Das macht aber sperrige Rollen auch so spannend. Im Privatleben kennt man mich so nicht. Vielleicht kommt davon auch diese Lust an Rollen, die nicht nah an mir dran sind. Bei „Ich will (k)ein Kind von Dir“ meinte eine Kritik, dass ich da endlich mal nicht so spröde sei. Für mich ist das wirklich amüsant, weil ich mich selbst mit dieser Eigenschaft gar nicht in Verbindung bringe.

Zuletzt hat man Sie in Wien auf der Bühne gesehen - mit der Band Jawoi!.

Diese Band gibt es seit 15 Jahren, besteht aus Filmschaffenden, und hat sich damals auch bei einem Dreh formiert. Erst ein Gig beim Abschlussfest, dann ein Auftritt kurz vor Weihnachten im kleinen Kreis und mit jeden jahr wuchs die Fangemeinde. Als großer Fan dieser Band, habe ich mich vor einigen Jahren als Sängerin quasi aufgedrängt. Damals für ein Lied - und seitdem darf ich mitmachen und mittlerweile für mehr als einen Song. Es ist das ein großer, großer Spaß mit wundervollen Menschen.

Apropos Musik: Beim der kommenden Folge der „Neue Heimatfilm“-Reihe mit dem Titel „Treibjagd im Dorf“ wäre sich auch eine Band ausgegangen.

Das stimmt, mit Edita Malovčić, Manuel Rubey und Max von Thun hätten wir eine tolle Besetzung.

Max von Thun, Franzsika Weisz Foto: Kurier/Juerg Christandl Sie spielen darin die Bürgermeisterin Irene Wolf, die in diesem Dorf mit seinen alten Strukturen einen schweren Stand hat.

Wir haben die Irene als Kämpferin für die Gerechtigkeit und zunächst als Single kennengelernt. Dann kam der Mann dazu...

… der gerät unter Mordverdacht.

Natürlich steht sie zunächst zu ihrem Mann. Aber wie geht man mit solch einem schlimmen Verdacht um, der einen der nächsten Menschen betrifft. Und schließlich ist das Opfer ihr Schwiegervater. Irene hat sehr viel Verantwortung zu tragen in dieser Situation: als Bürgermeisterin für das Dorf, für diese Gesellschaft, die von diesem Fall erschüttert wird, sie hat ihren Stiefsohn und das ist eben auch noch ihr Mann, der auf sie setzt.

Bei dem sie sich aber nicht klar ist, wieweit sie ihm glauben kann.

...das ist der Konflikt, in dem sich Irene in dem Film befindet und die Geschichte für mich spannend macht. Es ist ein innerer wie äußerer Konflikt. Auch Irene will die Wahrheit wissen und ihr Mann kann sie nicht wirklich überzeugen. Er widerspricht sich in den Aussagen, er lügt, er kann sie nicht überzeugen und er erwartet trotzdem, dass wenigstens seine Frau zu ihm steht. Aber Irene ist nicht naiv, sie zweifelt – aus gutem Grund. Und dabei haben wir Irene davor als Frau kennengelernt, die, wenn sie von etwas überzeugt, dafür absolut einsteht.

Franziska Weisz Foto: Kurier/Juerg Christandl Ist ihr das Dorf näher als der Mann?

Nein, Wahrheit und Gerechtigkeit sind ihr näher als alles andere.

Hat „Eine Treibjagd im Dorf“ für Sie ein Über-Thema?

Das Thema für mich ist Rufmord, Verleumdung. Rufmord ist ja ein Verbrechen, das sanktioniert wird. Und, damit sind wir in der Realität, mit Rufmord und Verleumdung werden heute Wahlen geschlagen. Es werden Behauptungen über einzelne Menschen oder Gruppen in die Welt gesetzt, ohne Grundlage, ohne Beweis. Eine solche Person wieder von den Vorwürfen reinzuwaschen, ist faktisch unmöglich, zumal in Zeiten von Internet und Social Media. Daran ändern auch Dementis, Belege oder im positivsten Fall Entschuldigungen nichts. Und vor diesem Problem steht auch Irenes Mann Franz in diesem Film.

Auf Franz zielen sogar die Gewehre von Dorfbewohnern.

Brutalität gegen Minderheiten wurzelt in Sprache. Erst wenn man es mit Sprache geschafft hat, jemanden so zu degradieren, dass man diesen nicht mehr als gleichwertig ansieht, dann ist der Schritt, jemanden auch als geringwertig zu behandeln, nur noch ein kleiner. Die Taten folgen der Sprache – in der Realität wie in diesem Film.

Es heißt immer, Sie wollten  schon als Kind Schauspielerin werden?

Mein Plan als Kind war ein Beruf, der mich so glücklich macht, dass ich  keinen Urlaub brauche. Der zweite Gedanke war, dass ich viel unterwegs sein möchte. Als Schauspielerin habe ich meine Kindheitspläne erfüllt bekommen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Franziska Weisz Foto: Kurier/Juerg Christandl

(kurier.at) Erstellt am
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