Romy 09.03.2018

Hilde Dalik: "Vorstadtweib" und Rock 'n' Rollerin

Hobbyrockstars: Max (Michael Ostrowski) und Gretchen (Hilde Dalik). © Bild: ORF/Toni Muhr

Das ROMY-nominierte "Vorstadtweib" checkt heute, Freitag, ins "Hotel Rock ’n’ Roll" ein (ORFeins/20.15).

Was wäre Sex und Drogen ohne Rock ’n’ Roll? Nur der halbe Mythos, das halbe Klischee. Damit räumt zwar auch der Film " Hotel Rock ’n’ Roll" nicht auf, aber immerhin bekommt er eine humorvolle Schlagseite verpasst. Zu sehen ist die Komödie heute Abend um 20.15 Uhr auf ORFeins. Damit feiert der dritte Teil der Trilogie, der 2016 ins Kino kam, auch seine TV-Premiere. Es ist das Finale einer herrlich absurden Reise, die mit "Nacktschnecken" (2004) begann und mit "Contact High" (2009) fortgesetzt wurde. Die Idee zu diesen Losern aus Graz, die sich von einem Abenteuer ins nächste kiffen, hatten Michael Ostrowski und Michael Glawogger. Nach dem überraschenden Tod Glawoggers (2014) brachte Ostrowski als Hauptdarsteller und Regisseur den Film zu einem Ende, bei dem die bereits bekannten Protagonisten eiskalt ins Geschehen geworfen werden: Mao (Pia Hierzegger) erbt von ihrem Onkel ein heruntergekommenes Hotel irgendwo in der steirischen Provinz. Mithilfe ihrer "schwindlichen Freind" Max (Michael Ostrowski) und Jerry (Gerald Votava) will Mao das Haus auf Vordermann bringen und mit dem Spirit des Rock 'n' Roll erfüllen, wobei die Drei selbst die Hotelband bilden. Ein "All inclusive Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll"-Paket wird erdacht, um Gäste in die steirische Pampa zu locken.

Pointen

Interview mit der österreichischen Schauspielerin Hilde Dalik am 19.02.2016 in Wien. © Bild: KURIER/Jeff Mangione

Mittendrin statt nur dabei ist Hilde Dalik. Die österreichische Schauspielerin spielt darin eine Kellnerin namens Gretchen, die in Affären und Drogentrips verwickelt wird. "Es ist ein verrückter, durchgeknallter Film, der extrem viele Pointen und politisch unkorrekte Witze liefert", sagt Hilde Dalik im KURIER-Interview. Die heuer zum zweiten Mal für eine ROMY nominierte Schauspielerin mag diese Art von Humor. Mit Schenkelklopfern wie sie beim Villacher Fasching frei Haus geliefert werden, kann sie hingegen nichts anfangen. "Ich mag unfreiwillige Komik, die aus einem Unvermögen heraus passiert. Daher liegen Tragik und Komödie ja auch eng beieinander", sagt Dalik. Dieser schmale Grat der Emotionen spielt auch bei den "Vorstadtweibern" eine Rolle. Seit der zweiten Staffel ist die 39-jährige Wahl-Wienerin Teil dieser erfrischend komischen Geschichte über verlogene Frauen aus der Wiener Vorstadt. In der soeben erfolgreich zu Ende gegangenen dritten Staffel ist Hilde Dalik als Vanessa in die A-Liga "der Weiber" aufgestiegen. Dafür musste sie eine Scheinwelt aufbauen, die auf einem sehr dünnen Fundament gebaut ist. Sie ist eine verzweifelte Hochstaplerin. Sie geht putzen, damit sie sich eine Putzfrau leisten kann. "Dabei will sie eigentlich nur so geliebt werden, wie sie ist: Nämlich keine reiche Frau aus der Vorstadt", sagt Dalik über Vanessa. Sie erachte es als künstlerischen Glücksfall, bei dieser ORF-Serie dabei zu sein und hofft, auch in der vierten Staffel eine Rolle zu spielen.

Hilde Dalik. Foto von Jan Frankl © Bild: Jan Frankl/privat

Gibt es irgendetwas, das sie mit Vanessa gemeinsam hat? "Bestimmt gibt es da etwas. Aber zuerst fallen mir Charaktereigenschaften ein, die mich von ihr trennen. Sie kann etwa keine Fehler eingestehen, belügt sich sowie alle anderen und glaubt, damit durchzukommen. Sie geht zum Beispiel beim Diskonter einkaufen und trägt dann den Einkauf im Sackerl eines noblen Delikatessengeschäfts nach Hause", sagt Dalik, die zurzeit mit Caroline Peters und Simon Schwarz vor der Kamera steht – für einen Film von Eva Spreitzhofer.

Dalik beschreibt sich selbst als eine sehr wandlungsfähige und vielseitige Schauspielerin, die gerne einmal in Filmen mitwirken würde, die in anderen Zeiten spielen. "Nicht nur in der Vergangenheit, sondern gerne auch in der Zukunft, in anderen Galaxien", sagt sie.

Verantwortungskultur

Für ihre Arbeit mit Flüchtlingen wurde Hilde Dalik in den vergangenen Jahren von vielen Seiten mit Applaus bedacht. Sie gründete 2015 die Theatergruppe "Chong", die aus unbegleiteten Flüchtlingen besteht und brachte mit ihnen "Romeo und Julia - freestyle" auf die Bühne. Was die Schauspielerin, die jahrelang ein Ensemblemitglied im Theater in der Josefstadt war, davon hat? "Es ist ein schönes Gefühl, Teil einer solchen Gemeinschaft zu sein. Ich warte auch nicht auf ein Dankeschön, sondern ich mache es, weil ich es für richtig erachte."

Im Rahmen ihres Engagements stoßt sie aber auch an Grenzen: "Es ist zum Beispiel fast unmöglich, für Menschen, die aus Afghanistan kommen, eine Wohnung zu finden, obwohl sie einen positiven Asylbescheid haben. Ich ägere mich aber nicht darüber, sondern versuche einfach weiterhin zu helfen. Wobei helfen ja das falsche Wort ist: Ich übernehme einfach nur Verantwortung. Man sollte auch nicht von einer Willkommenskultur reden, sondern von einer Verantwortungskultur."

Bei all dieser gesellschaftlichen wie sozialen Verantwortung, die sie übernimmt, gilt es, sich nicht verrückt machen zu lassen. Wichtig sei: Hin und wieder abschalten, sich oberflächlichen Dingen widmen. "Das kann nämlich sehr wohltuend, sehr heilsam sein. Ich brauche einfach Tage, an denen ich mir keine Sorgen mache, mich um nichts kümmern muss", sagt Dalik. In ihrer sehr spärlichen Freizeit setzt sie sich gerne hin und schreibt an neuen Ideen, arbeitet an Dialogen und an einer Geschichte. Vielleicht wird aus der Schauspielerin Hilde Dalik ja bald eine Drehbuchautorin, eine Regisseurin.

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( kurier.at ) Erstellt am 09.03.2018