Romy
31.03.2018

Die überdrehte Schachtel und der alte Mann

ROMY-Platin-Preisträgerin Iris Berben glänzt in „Alt, aber Polt“ als glanzlose Mimin (20.15 Uhr).

Im Wiesbachtal lebt es sich sehr ruhig und sehr beständig. Auch deshalb ist Simon Polt (Erwin Steinhauer) ein bisserl irritiert, als ihm am Abend des Dorffestes Shakespeare entgegenschallt. „Sein oder Nichtsein“ rezitiert da eine Frauenstimme – zu laut, zu schrill, zu beduselt versucht Schauspielerin Mira Martell just im Weinviertel ewig herbeigesehnte Bühnenerfolge wahr werden zu lassen. Und gerät in „Alt, aber Polt“ (20.15, ORF2 ) in einen Todesfall und dem pensionierten Gendarmen nahe.

Eine überdrehte Schachtel, eine Schauspielerin 3. Klasse, wie die Martell sich bezeichnet, zu spielen, ist eine Gratwanderung. Auch für die Schauspielerin 1. Klasse, Iris Berben. „Darüber haben Regisseur Julian Pölsler und ich sehr viel gesprochen. Es sollte keine Figur werden, die so schräg ist, dass sie einen verlässt und dann nicht mehr interessiert. Das waren meine Bedenken.“

Ungeschminkt

Doch die Platin-Preisträgerin der KURIER ROMY hat eine Figur geschaffen, die Komödiantik und Tragik gleichermaßen verströmt. Höhepunkt dessen ist eine „Bettszene“, wofür sich Berben ungeschminkt filmen ließ – nicht zum ersten Mal, wie sie anmerkt. „Das Gutgeschminkte, das Gutausgeleuchtete, da wissen wir doch alle, wie das geht. Die Herausforderung ist eine Figur, die sich in diesem Moment so reduziert und total nackt gibt, dass sich deren Verletzlichkeit und Verletzungen zeigen.“

Dass Journalisten wegen des Verzichts auf Schminke von Mut reden, irritiert Berben sehr. „Es brauchte keinen Mut, mein wahres Gesicht zu zeigen. Man weiß, wie alt ich bin, ich habe auch nie ein Geheimnis daraus gemacht“, sagt die 67-Jährige.

Für viel bemerkenswerter hält sie da die anspruchsvollen Rolle. „Es gab auch andere Zeiten, in denen es für eine Frau über 40 schwierig wurde, in denen man in Film und Fernsehen ins Muttchen-Dasein verbannt wurde. Da haben wir uns etwas erarbeitet, das sehr wichtig ist.“

Abschied

Eine wichtige Rolle spielt auch in diesem Polt das Weinviertel, das die Kamera Walter Kindlers und Pölslers eingefangen hat. „Das sind Kinobilder“, schwärmt Berben.

Davon heißt es Abschied nehmen. „Alt, aber Polt“ war der letzte Film. Steinhauer: „,Steinalt, aber Polt‘ muss nicht sein.“ Wobei Steinhauer den neuen Film erst mit zeitlichem Abstand und allein sehen wird. „Das mache ich immer so.“ Dann wird er sich aber mit Freuden an diese Zusammenarbeit mit Berben erinnern. „Ein Tag mit ihr ist ein gewonnener Tag.“

2014 hatte Alfred Komarek bei der ROMY-Verleihung alle mit der Idee zu „Alt, aber Polt“ überrascht. Das passiert nun definitiv nicht mehr. „Der Polt will nicht mehr – ich will auch nicht mehr.“ Was sich auch aus der letzten Geschichte ergibt, in der sich aus der Gleichgültigkeit im Dorf der Todesfall ergibt. „Das hat mir schon beim Schreiben so wehgetan, dass ich froh war, wie es vorbei war.“

Ganz abgefunden hat sich ORF-Programm-Direktorin Kathrin Zechner noch nicht damit. „Ich werde alles versuchen, dass es in der Konstellation – Komarek, Steinhauer, Pölsler – noch etwas gibt.“ Zechner will weiter die Lokalität des Polt, die der Internationalität Berbens, die ihre Idee war, gegenübersteht, weiter im Programm haben. Wie, das sollen Gespräche ergeben. Einstweilen werken Pölsler und Komarek am Ausseer Landkrimi. Komarek: „Ideen habe ich viele, schreiben muss es aber der Pölsler.“