Das Weiße Haus

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Washington
01/16/2017

Im Machtzentrum von Donald Trump

Am 20. Jänner wird Donald Trump auf den Stufen des US- Kapitol angelobt. Die ganze Welt schaut wieder auf die US-Hauptstadt. Eine gute Gelegenheit, um auch deren weniger staatstragende Seiten zu entdecken.

von Konrad Kramar

Ben’s Chili Bowl sieht ein bisschen aus der Zeit gefallen aus. Knallbunte 1950er-Jahre-Farben von der Fassade bis zu den Uniformen der Angestellten, dazu Hot Dogs, Burger und Shakes: Eine Grußbotschaft eines Amerika, das die meisten Österreicher damals nur aus dem Kino kannten.

Es ist ein Amerika, das dieser legendäre Fast-Food-Imbiss in Washingtons U-Street miterlebt und oft auch dessen dunkelste Seite gesehen hat. Hier, im Nordwesten der Hauptstadt, war einst ein rein schwarzes Viertel, und hier brachen in den Sechzigerjahren die Aufstände und Proteste gegen die Rassentrennung und die brutale Diskriminierung der Afro-Amerikaner aus. Die ganze U-Street brannte, kaum ein Haus blieb unversehrt. Ben’s Chili Bowl aber blieb unversehrt, vielleicht auch, weil man den Laden als Rückzugsort für die Demonstranten brauchte, wo sie dann mit den schon damals legendären Chili-Hot-Dogs versorgt wurden.

So ein Hot Dog, über den ein ordentlicher Löffel scharfes Chili-con-Carne geklatscht wird, ist auch eher ein kulturelles als ein kulinarisches Erlebnis. Doch auf der U-Street und in den umliegenden Gassen ist man nicht auf Hot Dogs und Chili angewiesen. Die Gegend, die noch vor ein paar Jahren als heikles und gefährliches Terrain galt, ist inzwischen eines der lebendigsten Ausgeh-, aber auch Wohnviertel der Stadt. Hier gibt es alles von schicken Cocktail-Bars bis zu Clubs, die entweder Live-Musik oder DJs aller Stilrichtungen bieten. Und wie in den USA üblich, sind die derzeit angesagten Lokale ohnehin an der Schlange vor der Tür erkennbar. Dazwischen gibt’s kleine Geschäfte mit allem, von seltsamen Mehlspeisen bis Antiquitäten oder Vintage-Mode. Mittendrin steht mit dem Lincoln-Theater eine der traditionellsten Kultureinrichtungen der Stadt, fast täglich treten hier Musiker und Bands auf, vom altgedienten Veteranen bis zu unbekannten Newcomern.

Latino-Küche

Von der U-Street aus sind andere Ausgeh-Zonen der Stadt zu Fuß erreichbar. So etwa das Studentenviertel Adam’s Morgan. Das Publikum hier ist etwas jünger, und die vielen Kaffee-Bars machen klar, dass man hier Orte schätzt, wo man lange vor einem dieser amerikanischen Cappuccino-Ungetüme knotzen, Zeitung lesen und manchmal auch für die Uni lernen kann. Auch in Adam’s Morgan stolpert man an jeder Ecke über Clubs mit Live-Musik. Die meisten davon, wie etwa der Club Madam’s Organ, sind entspannt und für Publikum jeden Alters geeignet.

Tacos und Enchiladas

Wer Latino-Flair und die dazugehörige Küche sucht, hat es ebenfalls nicht weit. Das Viertel Mount Pleasant ist in den Achtzigerjahren von Flüchtlingen aus Mittelamerika besiedelt worden. Entsprechend groß ist das Angebot an Tacos, Tamales, Enchiladas und anderen lateinamerikanischen Teigtaschen. Und weil Mount Pleasant auch noch Einwanderern aus Dutzenden anderen Ländern Unterschlupf geboten hat, gibt es hier auch chinesische, indische oder sogar äthiopische Lokale.

In Vierteln wie Mount Pleasant erlebt man, wie rasant sich Washington derzeit verändert. Im Umkreis des Zentrums wird ein Viertel nach dem anderen erneuert, ziehen junge Leute zu, gefolgt von Lokalmeilen, kleinen Geschäften und natürlich höheren Mietpreisen. So entsteht eine Mischung, wo gleich neben dem mexikanischen Imbiss die alternative Buchhandlung samt langbärtigem Verkäufer, oder das auf Vinyl-Schallplatten spezialisierte Musikgeschäft aufsperrt.

Zentrum der Macht

Doch ein Besuch in Washington ist immer noch vorrangig ein Besuch der politischen Welthauptstadt. Man muss zumindest einen Tag für die Museumsmeile auf der Smithsonian Mall, und die rundum liegenden Regierungsgebäude vom Kapitol bis zum Weißen Haus einplanen. Während der Amtssitz des Präsidenten nur mit gewaltigem bürokratischen Aufwand besucht werden kann, ist das beim Kapitol einfach. Auch hier ist vorausplanende Buchung über das Internet empfehlenswert (www.visitthecapitol.gov).

Der wahrscheinlich lohnendste Besuch im Regierungsviertel, abseits der Museen, ist die Kongressbibliothek, immerhin die weltweit größte Sammlung von Schriftstücken. Für die Besuchstouren braucht man keinerlei Voranmeldung, und wer sich das akademische Vergnügen gönnen will, in der Bibliothek auf die Suche nach einem speziellen Werk zu gehen, kommt erstaunlich rasch und unkompliziert zu einem Leserausweis. Und der öffnet nicht nur alle Türen zu den Lese- und Recherchesälen, sondern ist obendrein ein ganz besonderes Souvenir aus der Hauptstadt.

Info

Anreise Die AUA fliegt fünf Mal pro Woche direkt nach Washington. Preis ab etwa 600 Euro.www.austrian.com

Einreise Für die USA wird eine elektronische Reisebewilligung, ESTA, benötigt. www.esta.us/deutsch.html

Währung 1 US-Dollar = 0,96 Euro

Essen und Trinken Busboys and Poets: Eine Kreuzung aus alternativer Buchhandlung und Cocktail-Bar mit ideenreicher Multikulti-Küche. Regelmäßige Veranstaltungen. Fünf Mal in Washington. busboysandpoets.com

Mount Vernon Die Residenz des ersten US-Präsidenten George Washington liegt außerhalb der Stadt am Potomac-Fluss. Die Einrichtung ist im Original erhalten, Sklaven- Quartiere können besichtigt werden. Anreise mit dem Schiff möglich. Eintritt 17$. mountvernon.org

Museum Unbekannter als das "air and space museum" im Stadtzentrum ist seine Dependance neben dem internationalen Dulles-Flughafen, das "Steven F. Utvar-Hazy-Center". Es enthält aber weit mehr Exponate aus Luft- und Raumfahrt. Shuttle vom Flughafen, perfekt für Zwischenstopp. airandspace.si.edu

Auskunft Das Komitee für US-Tourismus bietet auf seiner Homepage einen guten Überblick über Reiseziele in den USA mit vielen praktischen Tipps und Infos: visit-usa.at