Reise | Wandern
11.05.2017

Der "Seelentröster" im Auwald

Der Kabarettist Pepi Hopf auf natürlichem Weg von Schloss Orth zum Schloss Eckartsau.

Das Gute ist oft so nah. Keine fünf Minuten fährt der Kabarettist und Biobauer Pepi Hopf mit dem Wagen von seinem Haus in Haringsee zur Schlossinsel in Orth an der Donau. Dort lernt der Marchfeld-Lokalmatador absolutes Neuland kennen. Trotz der geografischen Nähe: Au, das kannte Hopf bisher nur vom Fußballspielen in der bodenständigen Marchfeld-Liga.

Doch keine Angst, unser "Biobomber" wird auf seiner Jungfernwanderung durch den Donau-Dschungel von einer "Frau Ranger" der Nationalpark-Gesellschaft begleitet. Für die geborene Südtirolerin Christl Mair ist der Nationalpark nicht nur als Arbeitgeber eine echte Freude.

Bio-Viagra vom Biber

Nur einen Steinwurf von der Pharmaproduktion am Rande von Orth entfernt führt die Nationalpark-Mitarbeiterin (frei nach Ernst Moldens Donauauen-Hymne: da Ränscha, des is’ sie) auf einem gut beschilderten Pfad hinein in die Naturlandschaft.

"Biber-Soletti, so nennen wir dieses Gehölz", deutet Mair mit einem Lächeln auf angeknabbertes Holz in einem Altarm der Donau. Sie erzählt auch, dass der Biber bis heute nicht nur Freunde unter den Menschen hat.

Der "Seelentröster" (aktuelles Programm) lernt auf dieser Bildungswanderung auch über das "Bibergeil", ein Sekret, das vor hundert Jahren von unwilden Männern wie wild vor dem Verkehr geschluckt wurde. Was fast das Aussterben des größten Nagers Europas bedeutet hätte.

Bio-Viagra, Hopf lächelt. Ein Thema für sein nächstes Solo? Weiter geht es jetzt über den von Menschenhand aufgeschütteten Schutzdamm. Der bildet eine Grenze zwischen der Harten Au mit ihren Eichen, Eschen und Ulmen und der Weichen Au, in der Pappeln und Weiden aus dem bis zu 200 Tage im Jahr unter Wasser stehenden Boden schießen.

Überall in der Au bildet das Totholz atemberaubende Skulpturen. Vor allem bei der älteren Generation sorgt es jedoch für Unmut, erzählt Mair. "Dabei ist es ein idealer Lebensraum. Hier finden bis zu 1400 Tierarten Unterschlupf. Der Hirschkäfer kann sich – gut geschützt im Holz – bis zu acht Jahre als Larve entwickeln."

Und dann erreichen Mair und Hopf das Donauufer. Dem Laien kann so etwas leicht entgehen, seine Begleiterin zeigt indes euphorisch auf einen knapp übers Wasser gleitenden kleinen Vogel, in dem sie einen Flussregenpfeifer erkennen kann. "Es wird versucht, ihn vor dem Aussterben zu retten."

Just in diesem Moment kündigt das Dröhnen von Motoren einen Twin City Liner an. Er ist heute der übermächtige Feind des Flussregenpfeifers. Nur wenig später schwappen die Wellen des Schnellboots über das Ufer, und die Brut des Vogels gerät unweigerlich in Gefahr.

Nebenbei ist bei einer Wanderung durch die Au auch etwas über österreichische Politik zu lernen: Die Idee, dass das Nationalparkboot von der Wiener Salztorbrücke bis zum Uferhaus nach Orth fahren und somit eine bequeme Anreise ohne Auto ermöglichen könnte, sieht im üblichen Denken zwischen der roten Stadt Wien und dem schwarzen Niederösterreich kein Land.

Mehr Freude bereiten die Ausführungen der Ränscharin, wenn sie eine Schnirkelschnecke, einen Wasserfrosch oder einen Ölkäfer in die Hand nimmt. "Der ist das gefährlichste Lebewesen in der Au", jubiliert sie. "Allerdings müsste man schon ein Stamperl von seinem Sekret trinken, um an der giftigen Substanz zu sterben."

Kurz vor Eckartsau fliegt ein Kaiseradler majestätisch über die Au. Als standesgemäßer Vorbote auf eines der weniger bekannten Marchfeldschlösser. Von den Habsburgern wurde es vor allem für Jagdgesellschaften und als Zufluchtsort genützt.

Wildschwein-Wurst

Das meist nachtaktive Wildschwein bekam Pepi Hopf auf seiner vierstündigen Wanderung nicht zu Gesicht, als kleinen Trost darf er es im Schlosscafé als gut gewürzte Wurst verspeisen.

Würzig ist auch die abschließende Führung durch das renovierte Schloss. Hier hat Thronfolger Franz Ferdinand seine erschossenen Tiere zur Schau gestellt. "Ehe er selbst erschossen wurde", wie Hopf süffisant anmerkt. Hier hat auch Karl, der letzte österreichische Kaiser im Winter 1918/19 residiert, ehe er mit seiner Frau Zita ins Exil in die Schweiz abreisen musste. Schade für die beiden. So musste ihnen auch verwehrt bleiben, wie der Haringseer Biobomber auf dem benachbarten Fußballplatz unzählige Bälle in die Au geschossen hat.

Essen & Staunen

Gastronomie

Das Uferhaus bietet sich für eine Stärkung unterwegs an. Imbisse gibt es im Schlosscafé Eckartsau. Wer richtig Hunger hat, geht zum Heurigen "Zum Rosengartl" in der Oberen Hauptstraße 20.

Sehenswert

In Schloss Orth informiert der Nationalpark Donauauen über Flora, Fauna und Geschichte. Im Schloss Eckartsau wird wiederum die wenig bekannte Geschichte des Marchfeldschlosses erzählt.

Infos: www.donauauen.at