Reise 12.02.2018

Comeback eines Kultur- und Urlaubslandes

Amphitheater in El Jem. © Bild: Maria Gurmann

Weltberühmte Kulturstätte, gepflegte Golfplätze, Strandhotels und freundliche Tunesier, die sich auf das Comeback des Tourismus freuen.

Was waren das für Zeiten. Als Mahmoud Hunderte Touristen empfing, die die riesigen Kreuzfahrtschiffe Tag für Tag ausspuckten. Sie drängten die Stiegenaufgänge seines Hauses in einem der Souks der Altstadt von Tunis hinauf. An den Wänden die herrlichen Teppiche und Kelims, auf den Terrassen Mosaike und Keramikvasen.

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© Bild: Maria Gurmann

Stolz zeigt Mahmoud die verblassten Fotos von Königen und Präsidenten, die er vor vielen Jahren in seinem "Dar" – wie die traditionellen Häuser mit Innenhöfen, mehreren Stockwerken und Terrassen genannt werden – begrüßt hatte. Mit dem " Arabischen Frühling", der zum Sturz der Regierung führte, blieben die Touristen und Kreuzfahrtschiffe schlagartig aus. Der vollbärtige Händler mit dem grauen Haar ist trotz der Wirtschaftskrise 2011 optimistisch. "Jetzt habe ich einige Räume und Terrassen in ein Kaffeehaus und eine Bar umfunktioniert, das Geschäft läuft, so kann ich überleben."

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Schön langsam entdecken Reisende wieder die einzigartigen Kulturschätze, die herrlichen Strände und die abwechslungsreichen Angebote: von Golfen, Trekking und Vogelbeobachtungstouren bis zu verschiedenen Wassersportmöglichkeiten. Die Tunesier sind freundlich und fröhlich, "obwohl die Demokratie uns nicht das erhoffte Paradies gebracht hat", wie es Slim, unser Chauffeur, ausdrückt. Die Textilindustrie ist eingebrochen, die Arbeitslosigkeit gestiegen.

Weltgeschichte

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© Bild: Maria Gurmann

In der Medina von Tunis bahnen wir uns durch die engen Gassen. Reizvoll ist der Kontrast von orientalischem Weltkulturerbe, Art Déco und Modernismus. In den verschiedenen Teilen des Souks konzentrieren sich die Gewerbe: hier die Töpfer mit ihren bunt bemalten Keramiken, da die Kunstschmiede-Handwerker, die vertieft auf ihre Kupfergefäße klopfen und in der nächsten Gasse die Gewürzhändler mit den appetitlich zur Schau gestellten bunten Kardamom-, Paprika-, Zimt- oder Anisberge.

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© Bild: Maria Gurmann

Es zieht uns in die Innenhöfe der schmalen Häuser, hinauf zu den verschiedenen Ebenen. Dort eröffnen sich kleine Oasen. Meist sind es gemütliche Restaurants und Cafés mit Terrassen, wie das El Ali (www.el-ali.com). Der Blick von den Dächern über die Medina, dieses Labyrinth, das die Geschichte aus Jahrhunderten speichert. Mittendrin die Ez-Zitouna-Moschee aus dem 9. Jh., eine der wichtigsten in der islamischen Welt.

Paul-Klee-Feeling

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© Bild: Maria Gurmann

Ein Tipp von Freunden führt uns zu zwei besonderen architektonischen Leckerbissen: die kleinen 2*-Art-Deco-Hotels DarEl Medinaund Grand Hotel de France (Rue Mustapha M'Barek). Letzteres ist nicht so groß und luxuriös wie der Name, dafür umso berühmter. Paul Klee war hier Gast und man hat den Eindruck, es sei alles noch wie vor 100 Jahren. Auf ihrer legendären Tunesien-Fahrt gerieten die Maler Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet in einen Schaffensrausch. Das intensive Licht, die orientalische Architektur und der arabische Alltag regten die Künstler an.

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© Bild: Maria Gurmann

Welche Kunstschätze das Land hat, sehen wir in geballter Form im Bardo-Museum, das im gleichnamigen Stadtteil von Tunis liegt. Gewaltig und atemberaubend, die größte und älteste Sammlung römischer Mosaiken ganz nahe zu sehen. Die Decken der Ausstellungssäle sind mit kunstvollen Intarsien aus Zedernholz verziert, das Kuppeldach über dem Harem des ehemaligen Beys besteht aus feinstem Marmorstuck.

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In dem 20 Kilometer nordöstlich von Tunis gelegenen Sidi Bou Said geht es uns wie den drei Künstlern. Paul Klee vermerkte damals, als er das Küstenstädtchen vom Schiff aus sah: "Die Leibhaftigkeit des Märchens …". Zu Recht: Im Laufe der Zeit avancierte das Dorf zum Besuchermagneten. Die gepflasterten Gassen und die weiß gekalkten Häuser, deren Türen, Fensterläden und Balkone in Blautönen erstrahlen, gefallen uns Touristen immer noch.

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© Bild: Maria Gurmann

Im malerischen Hafen von Sidi Bou Said treffen wir den Schriftsteller und Journalisten Abdelaziz Belkhodja. Grandios die authentischen Speisen im Restaurant "Le Pirate". Während wir uns Brik (Teigtaschen gefüllt mit Thunfisch, Huhn, Eiern, Käse), Crevetten mit Knoblauch und Petersilie und frische Meeresfische schmecken lassen, erstaunt uns Abdelaziz mit seinen Geschichten über Karthago, den Punischen Kriegen und Hannibal. Schon als Kind spielte er in den Ruinen der Stadt, die wir später besichtigen werden. Seine Leidenschaft für Karthago, die in der Antike eine der bedeutendsten Großstädte und eine nordafrikanische See- und Handelsmacht war, ist ansteckend. Um tunesischen Schülern, aber auch Touristen die Geschichte spannend zu vermitteln, schrieb Abdelaziz ein Comic-Buch über Hannibal und die Punischen Kriege, das sogar auf Deutsch übersetzt wurde.

Kollosales Kolosseum

Vor dem römischen Amphitheater in El Jem im Zentrum von Tunesien – das drittgrößte der Welt und das größte Monument Afrikas – warten Tunesier auf Touristen, um ein paar Dinar für ein Foto mit ihren Kamelen vor der kolossalen Kulisse zu bekommen. Mit einem gewaltigen Fassungsvermögen von 35.000 Sitzplätzen wird das Unesco Weltkulturerbe nur vom Kolosseum in Rom und dem Amphitheater in Capua geschlagen.

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© Bild: Maria Gurmann

Weiter geht’s zur Großen Moschee in Kairouna. Paul Klee schreibt über die wichtigste Stadt nach Mekka, Medina und Jerusalem: "Tausend und eine Nacht." Wer sieben Mal die Moschee in Kairouan besucht, kann sich die Fahrt nach Mekka sparen. Schön ist der Gebetsraum, der von einem mehrfarbigen Säulenwald aus römischer, byzantinischer und arabischer Zeit getragen wird.

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© Bild: Maria Gurmann

Bevor wir uns in Hammamet auf dem Strand des herrlich gelegenen Hotels The Sindbad entspannen und ein paar Runden auf der 45-Loch-Anlage von Golf Citrus drehen, verlieben wir uns noch in die Altstadt von Sousse, sanft aufsteigend an einem Hügel gelegen.

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© Bild: Maria Gurmann

Am Ende dieser abwechslungsreichen Kulturreise ist uns klar: Demonstrationen in Tunis gegen die Sparmaßnahmen der Regierung sind friedlich. Und auch nicht anders als die Demos gegen Türkis/Blau in Wien.

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© Bild: Maria Gurmann

Neben den sensationellen Kulturschätzen, dem perfekten Golfwetter rund ums Jahr und den schönen Badestränden, ist vor allem die Anreisezeit ein Atout – ein Direktflug in zwei Stunden von Wien nach Tunis.

Info

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Grafik © Bild: Grafik

Anreise Direktflüge WienTunisWien mit Tunis Air, www.tunisair.com

Währung 1 € = 3 TND (Tunesische Dinar)

Beste Reisezeit April bis November, für Golfer auch in den Wintermonaten

Rundreise Eine elftägige Kulturreise von Columbus Reisen ab 1290 €/P. im DZ an. Inkludiert sind Linienflug, Übernachtungen in 4*-Hotels, HP, 9x Mittagessen, Reiseleitung ab/bis Wien, örtliche Reiseleitung, 8 Eintritte, Geländewagenfahrt zu den Bergoasen, Kutschenfahrt in Nefta, Kamelritt in der Wüste. Termine: 26. 4. bis 6. 5. 2018 und 25. 10. bis 4. 11. 2018 Buchung: Tel. 01 53411 800, Sascha.hasiner@columbus-reisen.at, www.columbus-reisen.at

Hotels Mövenpick Resort Marine Spa 5* in Sousse, großes modernes Hotel mit verschiedenen Restaurants direkt am Strand, Preis ca. 120 €/ Zimmer/Nacht inkl. Frühstück. https://www.movenpick.com/de/africa/tunisia/sousse – Das neue Mövenpick Hotel du Lac Tunis wird in diesem Frühjahr eröffnet, es liegt direkt am Ufer der Lagune von Tunis. – The Sindbad 5 * in Hammamet direkt am Strand, mit Shuttle zum Golfclub Citrus, wunderbare Bar am Infinity-Pool, gemütliche Suiten am Meer, 3 verschiedene Restaurants, Pub mit Billard. Preis ca. 78 €/DZ pro Nacht, www.sindbadhotel.com – Four Seasons Hotel Tunsis wurde gerade in Tunis neu eröffnet. 5 Restaurnats und Bars, Luxus-Spa, Pools, ab 330 €/DZ. www.fourseasons.com/tunis

Golf Golf Citrus in Hammamet, der erste 45 Loch Golf-Komplex in Tunesien, für alle Spielstärken geeignet, wunderbare Ausblicke, Tages-Greenfee 87 €, www.golfcitrus.com

Auskunft www.discovertunisia.at, www.tunesien-info.at

( kurier.at ) Erstellt am 12.02.2018