Steiner Alpen

© Grabner Martin

Wanderlust-Serie
08/16/2013

Steiner Alpen: Wandern nach Vaters Zeichnung

Über einen luftigen Klettersteig auf den Ledinski Vrh – weit und breit keine Menschenseele

von Martin Grabner

Wenn man von Völkermarkt Richtung Seebergsattel fährt, sieht man schon von weitem die schroffen Nordwände der Steiner Alpen gewaltig in den Himmel ragen.

Genau so wie auf einer Zeichnung meines Vaters, die er Mitte der 50er-Jahre von einem Aussichtsplatz nahe des Klopeiner Sees angefertigt und mir vor Kurzem einmal gezeigt hat. Dieses Bild ist auch der Auslöser für meine erste Entdeckungsreise zu diesem slowenischen Gebirgszug. Das muss ich „in natura“ sehen.

Beeindruckend, einem riesigen Amphitheater gleich, präsentieren sich die bizarren Kalkfelsen während der Fahrt von der Passhöhe hinunter ins Jesersko-Tal (Zgornje Jezersko). Das Auto wird am Talschluss bei den Materialseilbahnen zur Tschechischen Hütte (Češka koča) und zur Krainerhütte (Krajnska koča) geparkt. Ich mache mich auf den Weg hinauf. Die Entscheidung zu Gunsten der Krajnska koča fällt dann wenig später, nachdem der Anstieg durch ein begrüntes Kar bis zu einer hohen Felsstufe nach links geführt hat. Im Führer ist der weitere Weg über einen leichten Klettersteig, dem Slovensjka pot, besonders empfohlen, die entscheidenden Passagen sind mit Trittstufen, Eisenstiften und Drahtseilen gut versichert. Ich steige konzentriert durch die Felsstufe, die Wand liegt an diesem heißen Sommermorgen zum Glück noch im Schatten, die Felsen fühlen sich herrlich kühl an und ein zarter Windhauch kühlt auch mein Gemüt, wenn ich hinunter in die gähnende Tiefe blicke.

Einsamkeit pur

Oben angelangt führt der Weg zur Hütte über einen blumenreichen Grashang. Nach dem konzentrierten Klettern wird mir erst jetzt bewusst: hier ist niemand, absolute Stille, ich bin völlig alleine. Wenigstens die Hütte ist geöffnet, der Wirt freut sich, einen Wandergast zu haben und bewirtet mich mit köstlichem Ričet, dem für die Gegend typischen Gemüseeintopf mit Selchfleisch. Meine Frage, wohin ich weitergehen soll, beantwortet er mit „Jesersko sedlo“ – Seeländer Sattel. Oben soll es ein besonders tolles Panorama geben.

Ich steige also weiter hinauf, quere immer wieder Schneefelder und nach einer Stunde ist der Sattel auf 2034 Metern Seehöhe erreicht. Er ist gleichzeitig auch die Staatsgrenze zu Österreich. Von hier sieht man schön zu den Karawanken im Norden und in südlicher Richtung bauen sich die großen Gipfel der Steiner Alpen auf, die Skuta und dahinter der Grintovec, der Höchste mit 2558 Metern.

Ich will an diesem Tag auch noch auf einen Gipfel, zumindest auf einen kleinen und da bietet sich der nahe Ledinski Vrh ideal an. Eine halbe Stunde braucht es vom Seeländer Sattel auf einem schmalen felsigen Pfad zu dem hübschen Aussichtsberg. Oben auf 2108 Metern sitze ich dann in der Sonne, schreibe meinen Namen ins Gipfelbuch und wieder ist dieses Gefühl da: hier ist keine Menschenseele, absolute Stille – nur ich und die Steiner Alpen.

Beim Abstieg füge ich den bisher erlebten Glücksmomenten noch ein weiteres Kapitel hinzu und fahre über ein relativ flaches Firnschneefeld ab –mit den Stöcken und den Bergschuhen funktioniert das gut, spart außerdem Zeit und schont die Kniegelenke.

Wieder unten im Tal am Parkplatz angelangt, schaue ich zurück auf die gewaltigen Nordwände, die jetzt in der späten Nachmittagssonne leuchten und denke mir: Genau so muss es mein Vater vor fast 60 Jahren von Weitem von seinem Aussichtsplatz auch gesehen haben. Seine Zeichnung hängt jetzt übrigens in Holz gerahmt bei mir zu Hause an der Wand.

Karte und Infos

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