Reise
16.02.2018

Sonnen mit Kängurus, schwimmen mit Walhaien

An den sonnenverwöhnten Stränden im Westen Australiens wähnt sich der Besucher oft wie auf Safari. Die fünf tierischsten Küsten von Down Under.

Westaustralien hat 12.500 Kilometer Küste, aberhunderte Buchten, Lagunen und Riffs. Nirgendwo verbaut durch Hochkant-Hoteltresorts oder darmartig ineinander verschlungene Wasserrutschen. Dafür gibt’s fast überall Parkplätze an der Dünenkante, öffentliche Grills, glasklares Wasser und menschenleere Strände, denn Australiens größter Bundesstaat ist touristisch noch erfreulich unentdeckt. Zu einsam, so allein im Sand? Keine Sorge, es wartet tierische Gesellschaft.

Esperance/Lucky Bay

Diese sichelförmige Bucht, knapp 800 Kilometer südöstlich von Perth hat den weißesten Sand Australiens. Amtlich bestätigt vom Landwirtschaftsministerium. Das kam so: Hyams Beach an der Ostküste behauptete, weltweit den weißesten Strand zu haben. Was diverse australische Strand-Orte widersprechen ließ. Also untersuchte das Ministerium Sandproben aus dem ganzen Land und kürte den aus Lucky Bay als weißesten. Möglich, dass "Millie" und "Bent Toe" sich deshalb hier so wohl fühlen. Die beiden Western Grey Kängurus liegen täglich am Lucky-Bay-Strand und dösen in der Sonne – "Millie" immer nahe bei ihrem Nachwuchs-Känguru. "Das Kleine hat noch keinen Namen", sagt Doc Reynolds, der jeden Tag mit seinem hellblauen Snack-Wagen "Lucky Bean Cafe" hier steht und – mit Blick auf die Tiere – den "Kangacino" erfand – ein Cappuccino mit Schokobällchen drin. Ebenso umlagert wie sein Imbiss sind meistens die beiden Kängurus. Denn "Millie" und "Bent Toe" (benannt nach einem einst gebrochenen Fuß) lassen sich geduldig streicheln und stundenlang von im Sand liegenden Besuchern fotografieren.

William Bay/ Elephant Rocks

Eine lange Holztreppe führt hinunter in die Bucht namens Greens Pool, und dieser Name trifft es. Denn ein Pool ist sie, weil reichlich Felsen Richtung Meer liegen und das Wasser wie in einem Bassin beruhigen. Ideal für einen geschützten Strandtag, 430 Kilometer südlich von Perth. Sehenswert die übermannshohen Felsen am Ende der Bucht – von einer Flechte überzogen leuchten sie feurig orange in der Sonne. Auf der anderen Seite der Holztreppe dann eine weitere, von Wind und Wellen geschaffene, einmalige Steinbildhauerei: Riesige Felsen, die dicht an dicht stehen, aussehen wie eine Gruppe Elefanten und der Formation ihren Namen gaben. "Elephant Rocks". Zwei der Dickhäuter scheinen sich sogar anzuschauen.www.rainbowcoast.com.au

Monkey Mia

Morgens, kurz nach sieben treten Urlauber im Resort von Monkey Mia, 850 Kilometer nördlich von Perth, zum Appell an: Kameras, Camcorder und Handys im Anschlag, nehmen sie Aufstellung mit den Füßen im Strandwasser, hinter eine Linie dirigiert von mehreren Rangern mit Trillerpfeifen. "Feeding the dolphins" – Delfinfütterung also, da erwarten viele, dass sie Flippers Urenkeln "Nicky", "Piccolo" und "Piper" einen Fisch ins Schnabel-Maul schieben dürfen. Dieses Glück haben aber nur drei von fast hundert Schaulustigen, ausgewählt durch die Ranger. Die Tiere sollen nicht satt gefüttert werden, heißt es als Begründung. Die zweite Chance und zwar zur viel spannenderen, individuellen Begegnung mit den schnatternden, eleganten Schwimmern kommt am Spätnachmittag: Dann tauchen die Delfine oft in der Bucht wieder auf, kreuzen in Strandnähe eine ganze Weile herum, vielfach begleitet von Pelikanen, die darauf hoffen, dass die Delfine für sie leichte Beute aufscheuchen. Bei einem Strandspaziergang kann man ihnen dabei zuschauen, wie sie sich gegenseitig belauern und ständig umkreisen, ohne sich in die Quere zu kommen.monkeymiadolphins.org

Exmouth/Ningaloo Reef

Glamping – die Kurzform von Glamorous Camping, also Luxus-Zelteln ist ein echtes Erlebnis an der Coral Coast, zum Beispiel im Camp "Sal Salis" am Ningaloo Reef, einem Saumriff, wo man vom Camp-Strand aus mit Taucherbrille und Schnorchel direkt in die farbenfrohe "Unterwassergartenschau" der Korallen paddeln kann. Noch spannender und nur hier möglich: Schwimmen mit Walhaien, dem größten Fisch der Welt. Ist der Meeresgigant auf einer speziellen Bootstour einmal entdeckt, geht’s ruckzuck ins Wasser und dann ist er zum Greifen nahe, nicht mal einen Meter unter der Oberfläche. Wie ein geschmeidiges, graues U-Boot mit Tarnfleck-Haut, vergleichsweise winzigen Augen hinter dem Großmaul und im Verhältnis zum massigen Körper fast stummeligen Flossen zieht der Walhai in Super-Zeitlupe vorbei. Bedächtig wedelt er seine Schwanzflosse von links nach rechts und macht damit doppelt so viel Tempo wie all die hektischen Menschen-Flosser neben ihm. Schiffshalter und andere Groupie-Fische im Walhai-Fanclub haben es einfacher – sie saugen sich einfach an ihm fest, dem unbestrittenen Superstar des Ningaloo Reefs – bis zu 18 Meter lang, mit mehr als 30 Tonnen so schwer wie ein Lkw und dabei ungefährlich. Das Walhai-Maul ist zwar ein 1,5 Meter breiter, schwarzer Schlund und meistens offen, aber nur, damit gut 5000 Liter Meerwasser pro Stunde rein- und gleich wieder rausströmen, sobald darin herumschwimmende Algen sowie auch Plankton in Richtung Magen herausgefiltert sind. Die friedlichen Giganten ziehen vor allem zwischen März und Juli in die Nähe von Exmouth, 1250 Kilometer nördlich von Perth.www.visitningaloo.com.au

Rottnest Island

Die Insel liegt vor Perth im Indischen Ozean, ist elf Kilometer lang und bis zu vier breit, hat zwei Lehrer und drei Polizisten für 200 Einwohner. Durchzogen von Radwegen, vorbei an Ferienhäusern im Cottagestil, einem Leuchtturm, Stränden und einsamen Badebuchten – so schön wie in der Rumwerbung. Wer hier ein Panorama-Erinnerungsfoto macht, muss damit rechnen, dass am Bildrand ein katzengroßes Kurzschwanz-Känguru sehr interessiert ins Bild schaut. Quokkas heißen diese laufenden Fellbüschel. Sie sind zutraulich, nur auf Rottnest zuhause und sehen stets so aus, als lächelten sie die Inselbesucher an. Allein deshalb zählen sie zu den beliebtesten Tieren im Internet. Füttern ist streng verboten. Die meisten Gäste halten sich daran, wollen nur ihr Selfie mit einem der etwa 10.000 Quokkas. Sie sind Namensgeber für Rottnest Island, das in der Aborigines-Sprache "Wadjemup" heißt – Land auf der anderen Seite des Wassers. Von dort kam Willem de Vlamingh, der nächste Europäer nach Dirk Hartog in Australien. Er landete 1696 auf Rottnest, sah die Quokkas, hielt sie für XXL-Ratten und taufte die Insel "Ratten-Nest".rottnestisland.com

Anreise ab Wien z. B. über Dubai nach Perth mit Emirates und Qantas. Flugzeit ca. 19–21 Stunden.

Übernachten Esperance: Esperance Island View Apartments, geräumige, moderne Reihenhäuser mit Küche, Wohnzimmer und Waschmaschine. Ab ca. 160 €/Nacht. esperanceapartments.com.au

William Bay: Chimes Spa Retreat, im Wald gelegenes Lodge-Resort mit kleinen Apartments. Ab ca. 199 €/Nacht, www.chimes.com.au.

– Monkey Mia: Das RAC Monkey Mia Dolphin Resort hat kleine, komfortabel ausgestattete Hütten in Strandnähe mit Cafés und Restaurants drumherum. Ab 89 €, parksandresorts.rac.com.au

– Ningaloo Reef: Das Sal Salis Camp liegt eine gute Autostunde entfernt von Exmouth im Nationalpark. 3 ÜN im Doppelzelt um ca. 1783 € /P. inkl. Mahlzeiten, Getränke, Aktivitäten wie Schnorcheln, geführte sowie ein ganzer Tag Schwimmen mit den Walhaien. www.salsalis.com.au. Preiswertere Alternative: Novotel Ningaloo Resort in Exmouth. Moderne Anlage, große Zimmer und Apartments, Pool und Restaurant. DZ ab ca. 232 €. www.novotelningaloo.com.au

Perth: Hotel Four Points, zentral gelegen, gute Verbindung zu Flughafen und Bahnhof, DZ/F ca. 130 €. www.starwoodhotels.com.

Fraser Suites, schön gelegenes, großes Stadthotel am Swan River und citynah. DZ ab ca. 135 €, perth.frasershospitality.com.

– Das Pensione Hotel: zentral in der Fußgängerzone, sehr kleine Zimmer, ideal für Gäste, die wirklich nur übernachten wollen. DZ ab ca. 72 €. www.pensione.com.au.

Rottnest Island Von Perth aus fährt die Fähre 90 Minuten zur Insel, 30 sind es aus Fremantle. Preise und Fahrpläne unter www.rottnestisland.com.

Mietwagen Kleinwagen für sieben Tage ab ca. 170 Euro bei namhaften Firmen wie Europcar oder Hertz. Die Angebote gelten für Abholung und Rückgabe an derselben Station, sind zumeist ohne Kilometerbegrenzung und mit Vollkasko-Versicherung. Allradfahrzeuge sind meist teurer. Gute Übersicht bei www.mietwagen-check.de. – Wohnmobile sind ab ca. 250 Euro (zwei Schlafplätze, keine Dusche) für sieben Tage zu haben, größere, besser ausgestattete Camper kosten bis ca. 1300 €. Übersicht namhafter Vermieter bei www.camperboerse.de.

Erleben Schwimmausflüge mit Walhaien, z.B. bei "Ocean Eco Adventures". Eine ca. sechsstündige Tour mit komplett gestellter Ausrüstung, Frühstückssnack, Lunch an Bord, sechs Schwimm-Gängen, Foto-DVD vom Trip, Transfer von und zur Unterkunft sowie Geld-zurück-Garantie, sofern keine Walhaie gesehen werden. Ca. 275 € /P. www.oceanecoadventures.com.au

Auskunft www.westernaustralia.com