Reise
15.02.2018

Safari für Kreuzfahrer

Kreuzfahrt und Safari, passt das zusammen? Ja! Wer auf der Zambezi Queen den Chobe-Fluss entlangfährt, erlebt Afrika wie aus dem Bilderbuch.

An Bord bricht ein Tumult los. Kapitän John Merlenamaswe lässt das Schiffshorn tönen und dreht bei. Hotelmanagerin Debbie Duke-Norris rast durch die Lounge und scheucht die Passagiere backbord. Ein Notfall? Nein. Elefanten sind in Sicht. Nicht ein Elefant oder ein Grüppchen. Nein, Hunderte von Elefanten. Immer mehr der grauen Riesen schlittern die Böschung hinab oder brechen durch das dichte Gebüsch, um sich am Ufer des Chobe-Flusses, der hier die Grenze zwischen Namibia und Botswana bildet, zu versammeln. Elefanten-Mamas schubsen ihre Kleinen ins seichte Wasser. Eine jugendliche Bande rast platschend in die Lagune und kickt übermütig mit den Füßen in den Fluss, sodass es spritzt wie im Schwimmbad. Bald kommen auch die Elefantenbullen mit ihren eindrucksvollen Stoßzähnen und nehmen ein vergnügliches Bad im Chobe-Fluss. "Elefanten sind auf dieser Safari garantiert", hatte Debbie gleich zu Beginn dieser ganz besonderen Flusskreuzfahrt erklärt. "Der Grund: Wir fahren den Chobe-Nationalpark entlang. Dort leben rund 130.000 der mächtigen Dickhäuter, die alle gern im Fluss herum planschen."

Bei diesem einen Tiererlebnis bleibt es nicht. Entlang der Ufer tummeln sich Büffel und Giraffen. Krokodile liegen im Schlamm und warten auf Beute, Adler ziehen ihre Kreise, Nilpferde grunzen in Pools und warten auf die Nacht, um zum Grasen an Land zu gehen. Kreuzfahrt und Safari – passt das zusammen? Ja, die Reise auf der Zambezi Queen, einem 42 Meter langen Flussschiff auf 5-Sterne-Niveau, beweist es. Während man sonst im Jeep über holprige Wege rumpelt oder zu Fuß auf Pirsch geht, ist eine Safari auf dem Fluss ein sehr komfortabler und auch erfolgreicher Spaß. Der Grund liegt auf der Hand: Mit dem Schiff oder kleinen Beibooten geht es von der Wasserseite auf Pirsch, sodass kein Gestrüpp die Sicht nimmt und der Blick auf das eindrucksvolle Tiererlebnis perfekt ist.

Nicht nur die Safari-Erlebnisse machen die Reise auf der Zambezi Queen zu einem Vergnügen. Dieses größte Flusskreuzfahrtschiff im südlichen Afrika beherbergt maximal 28 Passagiere und bietet damit eine sehr persönliche Atmosphäre an Bord. Für Komfort ist ebenfalls gesorgt: Die circa 15 Quadratmeter großen Suiten, jeweils mit Klimaanlage, Bad und Balkon, sind stilvoll im afrikanischen Lodge-Design gestaltet. Dreh- und Angelpunkt ist das Oberdeck mit Restaurant, Bar, Lounge und Pool-Bereich. Die bodentiefen Fenster, die meist komplett geöffnet sind, erlauben unverstellte Blicke auf die große Safari-Show am Ufer.

Profi auf der Kommandobrücke

Stolzer Kapitän mit vier Streifen auf den Epauletten ist John Merlenamaswe. Der Namibianer ist seit 2009 der Boss auf der Brücke und kennt alle Tücken des Chobe. Der Fluss ändert nicht nur ständig seinen Lauf, sondern sogar seine Richtung. Sein Wasser kommt aus Angola und fließt gen Osten in den Sambesi. Wenn der Sambesi sehr hoch steht, drückt das Wasser zurück in den Chobe und zwingt ihn zur Umkehr. Dieses Naturphänomen lässt John allerdings kalt. Viel komplizierter ist die besondere politische Lage. Gut zugänglich ist der Chobe nämlich nur von Botswana aus. Die Zambezi Queen fährt allerdings auf der namibischen Seite des Flusses. Deshalb darf John eine gedachte Mittellinie nicht überfahren. Nur für die kleinen Tenderboote, mit denen die Safari-Gäste zu Ausflügen aufbrechen, sind die Regeln nicht ganz so streng. Da wird durchaus einmal ein Abstecher in die Hoheitsgewässer Botswanas unternommen – vor allem, wenn Elefanten gesichtet werden.

Mit Tenderbooten geht es auch ins 80-Seelen-Dörfchen Ijambwe, in dem die Masubia zuhause sind. Joseph Nyambe empfängt die Gäste an der Anlegestelle, einer kleinen, von hohem Schilf eingerahmten, Sandbucht. Hellgelbe Schmetterlinge und zarte Libellen umschwirren das Boot, ein pechschwarzer Storch pickt nach Schnecken. Joseph streckt seine helfende Hand aus, damit die Besucher trockenen Fußes an Land kommen und er ihnen sein weitgehend von der Außenwelt abgeschnittenes Dorf zeigen kann. Auf die bei Touristen so beliebten Elefanten sind die Masubia nicht gut zu sprechen. Die Dickhäuter fressen ihnen nämlich das Gras weg, mit dem sie traditionellerweise ihre Hütten bedecken. Nun müssen sie auf Wellblech zurückgreifen, das weniger gut gegen Hitze und Kälte schützt. Noch weniger lieben sie die Krokodile. Diese verstecken sich gerne im hohen Schilf und lauern auf Beute, sodass es gefährlich ist, am Ufer Wasser zu holen. Was für die Dorfbewohner ein ernstes Problem ist, sorgt bei den Passagieren der Zambezi Queen für angenehmen Nervenkitzel. Ein wohliger Schauer läuft ihnen über den Rücken, als sie wenig später vom sicheren Boot aus eines der riesigen Reptilien im flachen Wasser liegen sehen – perfekt getarnt, starr und bereit zum Zuschnappen.

Brandgefährliche Nilpferde

Der große Showdown der Tiere folgt dann auf der Abendsafari. Wenn die Hitze des Tages weicht, wacht die Tierwelt auf. Das kleine Tenderboot gleitet dann über den Fluss, der in der untergehenden Sonne wie flüssiges Gold schimmert. Die mächtigen Leiber einer Elefantenfamilie heben sich schwarz vor dem leuchtenden Himmel ab. In der Ferne kreischen die Paviane und eine Giraffe schreitet wie ein Schattenriss durch den glutroten Ball der Sonne. Das Boot nähert sich einer Gruppe von Nilpferden, die nur ihre Kugel-Augen und aufgeblähten Nasenlöcher aus dem Wasser stecken und dann prustend abtauchen. "Wir halten besser Abstand", flüstert Guide Felix. "Diese Tiere sind brandgefährlich. Die Bullen mit ihren gigantischen Hauern kämpfen nächtelang um die Vorherrschaft in einer Nilpferdfamilie. Die spielen nicht, die greifen an." Die Safari-Gruppe hält verschreckt den Atem an und freut sich lieber an einer Gruppe eleganter Antilopen, die grazil durch das seichte Wasser springen, sodass die Tropfen wie Perlen durch die Luft tanzen. Dann legt sich das Land schlafen. Die Sonne schiebt sich hinter den Horizont, ein kühler Windhauch streift durchs Schilf und die Wasserlilien, die zu Tausenden auf der Wasseroberfläche schaukeln, schließen ihre Blätter. Genug Abenteuer für heute und Zeit für eine erholsame Nacht auf der Zambezi Queen mitten in der Wildnis Afrikas.

Info

Anreise Die drei- oder viertägigen Fahrten auf der Zambezi Queen werden meist als Baustein in eine Reise nach Botswana und/oder Namibia oder zu den nahegelegenen Victoriafällen eingebunden. Die Einschiffung erfolgt von Kasane/Botswana aus. Die Anreise per Flugzeug zum Startpunkt geht nach Kasane (Botswana), Victoria Falls (Simbabwe) oder Livingstone (Sambia). Viele Touristen kommen auch per Auto aus Namibia.

Einreise Wer eine Reise mit der Zambezi Queen unternehmen möchte, muss zunächst nach Botswana einreisen. Dafür ist ein Reisepass erforderlich, der noch mindestens sechs Monate gültig sein muss. Ein Visum wird gebührenfrei an der Grenzstation ausgestellt. Dort muss auch eine Besuchersteuer von 30 US-Dollar entrichtet werden. Von der Grenzstation in Kasane geht es per Bootstransfer auf die namibische Insel Impalila. Dort erfolgt die Einreise nach Namibia, ebenfalls mit Reisepass. Ein Visum ist nicht nötig.

Währung/Preisniveau Offizielles Zahlungsmittel ist der Namibia Dollar (NAD). Akzeptiert werden häufig auch südafrikanischer Rand oder US-Dollar. In Botswana wird mit Pula bezahlt. Auf der Zambezi Queen werden die gängigen Kreditkarten akzeptiert. Das Preisniveau hinsichtlich der Nebenkosten ist in Namibia niedriger als in Österreich.

Beste Reisezeit Die Region kann ganzjährig besucht werden.

Gesundheit/Sicherheit Impfvorschriften sind nicht zu beachten. Eine Malariaprophylaxe ist zu bestimmten Jahreszeiten empfohlen. Dazu sollte eine medizinische Fachauskunft eingeholt werden. Botswana und Namibia gelten im afrikanischen Vergleich als vergleichsweise sichere Reiseländer.

Angebot Empfehlenswert ist auf jeden Fall die Buchung über einen auf Afrika spezialisierten Veranstalter, zum Beispiel Abendsonne Afrika (www. abendsonneafrika.de). Pro Person inklusive Verpflegung und Ausflügen liegt der Abpreis für eine Übernachtung auf der Zambezi Queen bei circa 750 Euro.

Auskunft Nähere Informationen zur Zambezi Queen und zu ihren kleineren Schwesterschiffen sind unter www.zqcollection.com zu finden. Zur Zambezi Queen Collection zählt auch die Ichingo Chobe River Lodge auf Impalila Island direkt am Chobe. Sie bietet sich für Zwischenübernachtungen oder auch zur Erkundung der Umgebung und zum Fischen an.

Namibia Tourism Board, Tel. +49 (0)69/1337360, info@namibia-tourism.com, www.namibia-tourism.com