Entlang Küste lässt es sich wunderbar entspannt stundenlang spazieren

© Image © Wales Tourist Board

Roadtrip
10/07/2016

Wales: Zwischen Schafen und Schlössern

Croeso i Gymru! Welcome to Wales! Endlose Sandstrände, grüne Hügel, unzählige Burgruinen und noch mehr Schafe – in Wales heißt es, einen Gang runterschalten und genießen.

von Tina Deschu

"Don’t panic!" - diesen Satz bekam Elisabeth Razumovsky schon oft zu hören, seit sie vor drei Jahren von Wien ins walisische Städtchen Barmouth gezogen ist. In dem beschaulichen 2000-Seelen-Örtchen an der Westküste hat sie eine Bed&Breakfast-Pension mit Café eröffnet. "Ich dachte, Kuchen backen kann ich auch in Wales", so die Wienerin, die früher im Hotel Daniel Köstlichkeiten zauberte. Doch an das Tempo musste sie sich erst gewöhnen. "Man muss warten können, nichts wird sofort erledigt und alles in der letzten Minute", erzählt Razumovsky.

Verschlafen ist es in dem kleinen Küstenörtchen an diesem warmen Sommertag nicht. Touristen und Einheimische drängen auf den engen Gehsteigen zu einer kleinen Bühne am Hauptplatz, auf dem kurioserweise vor der US-Südstaatenfahne Squaredance getanzt wird. Dazu gibt es gegrillte Würstel und Zuckerwatte. Die Luft steht.

Auch auf der Terrasse von Razumovskys "Aber House" herrscht Hochbetrieb. Die üppigen Torten schmecken uns nach einer Dreistundenwanderung rund um die Mawddach-Flussmündung besonders gut. Der "Panorama Walk" führt durch schattige Aulandschaften und über saftige Weiden auf Grashügel, die einen weiten Blick auf das Flussdelta eröffnen. Begegnungen beschränken sich hier hauptsächlich auf Schafe, die uns Freizeitwanderern gelassen entgegenblöken. So entspannt wären wir auch gern.

Einsame Landstraßen

Lässt man Barmouth hinter sich, wird es tatsächlich noch idyllischer. Mit etwas Glück erspäht man sogar geschützte Wildtiere wie Fischadler und Wanderfalken. Hier in Snowdonia, dem drittgrößten Nationalpark Großbritanniens, führen nur enge verwinkelte Straßen von einer Ortschaft zur nächsten, in der es oft nicht einmal einmal einen Supermarkt gibt. Dafür alte traditionelle Steinhäuser und Ruinen. Wer dem ungewohnten Linksverkehr auf den kurvigen Straßen entgehen will, kann Snowdonia auch per Dampflok erkunden. Die Welsh Highland Railway ist ein Relikt der viktorianischen Tourismusindustrie und verbindet Porthmadog mit Caernafon.

Surfen

Statt mit dem Zug in den Norden lassen wir eine der nassesten Regionen des Königreichs hinter uns und schlängeln uns weiter südlich nach St. David’s, auf Walisisch: Tyddewi. Die Ortsnamen auf den Straßenschildern gleichen Zungenbrechern, die wir gar nicht erst versuchen zu meistern. Viel Gelegenheit, bei Einheimischen zu lauschen, gibt es in St. David’s nicht.

Am Whitesands Bay, der seinen Namen zu Recht trägt, verlieren sich die wenigen Menschen am weitläufigen Strand. Ein paar Surfer wagen sich im Neopren-Anzug in die Fluten, entlang des Küstenwegs weht ein strenger Wind. Nur ein Abschnitt des Wales Coastal Path, der 1400 Kilometer entlang der Westküste um das Land führt.

Kichernde Gräfinnen

Am Weg liegt auch das geschäftige frühere Seebad Tenby. Auf hohen Klippen stehen die bunten Häuschen in Reih und Glied als wären sie Wächter über die tosende Flut zu ihren Füßen. In den Fels gehauene Steinstufen führen auf privaten Treppelwegchen hinauf zu prächtigen Anwesen. Vor dem geistigen Auge sieht man kichernde Herzoginnen auf Sommerfrische zum Fünf-Uhr-Tee eilen.

Vom einstigen Glamour zeugt die großteils erhaltene Stadtmauer, doch in den Gässchen tummeln sich heutzutage rastlose Touristen. Eile ist geboten, wenn man es rechtzeitig vor der Flut von St. Catherine’s Island zurück ans Festland schaffen will. Die kleine Insel vor der Küste, die eine Festung beherbergt, ist nur bei Ebbe zu Fuß zu erreichen.

Drachen

Ganz von einem tiefen Burggraben umgeben ist auch Caerphilly Castle. Etwas weniger als eine Autostunde von Cardiff entfernt, kann die um 1270 erbaute Burg sogar mit einem Drachen aufwarten. Die gut erhaltenen Keller und Gewölbe entpuppen sich dabei als ein furchterregender als das Plastikungetüm vor der Schloßmauer. Für ein Selfie reicht es aber, bevor es zurück in die Hauptstadt geht.

Frittiertes und Alkohol

Drachen sucht man in Cardiff vergebens, gruseln kann man sich aber in der sogenannten "Chippy Lane": einer Fress- und Fortgehmeile, wo man sich nach kalorienreichem "Pub Grub" (deftiges aus dem Pub, meist frittiert oder Burger) unter die grölenden Stadtjugend mischen kann, die solariengebräunt und durchgestylt von einem Lokal zum nächsten stöckelt oder torkelt.

Wer gediegenere Unterhaltung vorzieht, kann im Millennium Center im Hafenviertel klassische Konzerte oder Theatervorstellungen besuchen. Fans der TV-Serie können Stunden in der "Dr. Who Experience" zubringen.

Zum Ausklang noch ein Gläschen Gin im "Potted Pig" in der Altstadt - und die einsamen Tage an der Westküste Revue passieren lassen. Denn eigentlich möchte man lieber wieder zu den Schafen.

Info

Schlafen Aber House, B&B und Café, Barmouth www.aber-house.co.uk
- Broadmead Boutique B&B, Tenby http://broadmeadtenby.wales

Essen Dylan’s Restaurant, Pizzeria und Seafood, Criccieth www.dylansrestaurant.co.uk
- Lord Nelson, Hotel und Pub, Milford Haven www.lordnelsonmilford.com
- The Mooring, Restaurant, Tenby http://themooringtenby.com
- The Potted Pig, Restaurant, Cardiff www.thepottedpig.com

Auskunft www.visitwales.com/de

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