Reise
22.02.2018

Portugals Bilderbuch-Landschaft im Douro-Tal

Der Norden Portugals ist noch wenig entdeckt, verwöhnt aber mit großartigen Weinen, einer schönen Flusslandschaft und dem Luxushotel Six Senses Douro Valley.

Was wäre Portugal ohne seine herrlichen Azulejos? Landauf, landab erzählen die kunstvollen blau-weißen Wandfliesen an Bahnhöfen, Palästen und Kirchen von der Geschichte und Kultur des Landes im äußersten Südwesten Europas. Dieser tief verwurzelten Tradition können Interessierte in der Tile-Painting-Class (Fliesen-Mal-Kurs) des edlen Luxus-Hideaways Six Senses Douro Valley nachgehen. Trotz herrlichem Sommerwetter lassen elf erwachsene Gäste den Pool links liegen und greifen zum Malpinsel.

Keramikmalerin Helena Ferreira zeigt uns, wie traditionell die Motive auf den Fliesen vorab mit Kohlestaub von einer Vorlage übertragen wurden. Diese Technik legt sie auch uns nahe – doch ein Blick auf die langweiligen Blümchen-Vorlagen genügt: Ausmalen wie im Kindergarten ist mir definitiv zu langweilig, ich werde mit Blätterdruck experimentieren. Motiviert greife ich zu einem Weinblatt und einer strahlend weißen Fliese: Ihre Oberfläche ist überraschend rau, fast samtig. Helena erklärt, dass die hier aufgebrachten Farben erst nach dem Brennvorgang bei 1200 Grad ihren Glanz und ihre volle Farbintensität entfalten. Zunächst präsentieren sich die Inhalte der Farbtiegel in matten Pastelltönen.

Die Unterseite meines Weinblattes hat zwar ein wunderschönes Rippenmuster, nimmt aber die darauf getupften Pastelltöne überhaupt nicht auf. Die Farben rinnen ineinander, über meine Finger, tropfen auf den Tisch. Im kühnen Schwung klatsche ich das Blatt auf die Fliese und presse fest. Doch als ich es vorsichtig abziehe, ist auf der stark saugenden Kachelfläche fast nichts zu sehen. "Mehr Farbe" rät Elena.

Nun passiert etwas Unerwartetes: Was mir gerade noch langweilig erschien, nimmt mich gefangen. Ich erlebe einen regelrechten Farbenrausch, gustiere Blau- und Grüntöne, dazwischen Türkis. Ich kleckse, presse, drücke – staune. Um mich herum versinkt alles in Farbe. Übermütig spritze ich zum Abschluss leuchtendes dottergelb über die blau-schwangere Fliese. Helena sieht mein gewagtes Werk und ruft begeistert: "Großartig!" Bevor ich weiter kleckse, wage ich einen Blick in die Runde: Alle geben sich fasziniert ihren Kunstwerken hin und wirken glücklich wie Kinder. Sehe ich da gar die eine oder andere Zunge zwischen den Lippen?

Authentische Erlebnisse

Angebote wie die Tile-Painting-Klasse sind typisch für die Philosophie des Six Senses Douro Valley: Das High-End-Hotel möchte seinen Gästen mit authentischen Erlebnissen Region und deren Traditionen vermitteln. Six Senses Resorts befinden sich stets an den allerschönsten Flecken dieser Erde. Hier im bildschönen Douro-Tal im Norden Portugals eröffnete im Juli 2015 das erste (und bisher einzige) Resort Europas. Die Flusslandschaft des "Alto Douro" (oberer Douro) strahlt eine tiefe Harmonie aus – und trägt seit 2001 das Prädikat UNESCO-Weltkulturerbe.

Der Rio Douro ist für Portugals Norden eine wichtige Lebensader, die Hügel und Berge entlang der mäandrierenden Fluss-Schlingen bescheren beste Weine und Reichtum. Es ist die menschliche Schöpfungskraft, die mit steilen Terrassenlagen, Trockensteinmauern und gepflegten Weinbergen diese großartige Kulturlandschaft seit Jahrhunderten prägt. Saftig grün ziehen sich die Rebstöcke mal in vertikalen, mal in horizontalen Linien dahin. Das verleiht der Landschaft Geometrie und Ordnung. Dazwischen bereichern Olivenhaine, kleine Wälder und Macchia, mal karg-steinige Berge, dann wieder Zypressen oder nahezu subtropische Vegetation das Bild. In kleinen Dörfern leuchten die ziegelroten Dächer herrschaftlicher Quintas (Herrenhäuser), sie sind strahlend weiß, haben granitgrau gerahmte Fenster. Sorry Wachau – aber da kann der niederösterreichische Donauabschnitt in Sachen malerischer Schönheit nicht mithalten, die sich hier am Douro noch dazu über mehrere Hundert Kilometer zieht.

Heimat des Portweins

Ein Viertel des 972 km langen Flusstales gehört seit über 2000 Jahren dem Weinbau. 1756 wurden die Rebflächen des Alto Douro urkundlich definiert – als älteste geschützte Weinbauregion der Welt. Die 45.000 Hektar Rebenfläche des Alto Douro entspricht exakt jener von ganz Österreich.

Der Alto Douro ist auch die Heimat des Portweines, der dereinst als "Notlösung" der Engländer entstand: Als die Insulaner im 17. Jahrhundert wieder einmal mit den Franzosen im Krieg lagen, mussten sie eine Alternative zu den französischen Weinen suchen. Und fanden sie im Dourotal. Doch die empfindlichen Tafelweine überstanden den Seetransport nicht. So wurde ein Verfahren ausprobiert, das sich bis heute bewährt: Die erste Gärung wird mit hochprozentigem Weinbrand gestoppt. Mit doppeltem Erfolg: Der Zucker der Trauben bleibt so erhalten – und der höhere Alkoholgehalt (21 bis 22 Prozent) macht den Wein haltbarer. Seinen Namen erhielt der Süßwein von der Hafenstadt Porto, von der aus er seine Reise nach England antrat. Der Besuch einer der insgesamt 27 Portweinkellereien ist Pflichtprogramm im Dourotal.

Hinter den Bergen

Kehrt man dem unmittelbaren Flusslauf den Rücken, steht man buchstäblich "hinter den Bergen". Die Region "Trás-os-Montes" ist eine der rückständigsten Portugals. Das Land ist dünn besiedelt, das letzte Dorf erhielt erst 1996 elektrischen Strom. Monumentale Sehenswürdigkeiten sucht man hier vergeblich, dafür gilt es viel zu entdecken: tiefe Schluchten, dachsteile Weinterrassen, die mit Trockenmauern den Bergen abgerungen wurden, ausgeklügelte Bewässerungssysteme, tollkühne Straßenführungen und verschlafene Dörfer.

Hauptsehenswürdigkeit der Region "Trás-os-Montes" ist der Palácio Mateus mit seiner herrlichen Gartenanlage. Das Barockschloss ist weltweit bekannt, denn es ziert das Etikett des meistverkauften portugiesischen Weins: des Mateus Rosé. Das Städtchen Lamego gefällt mit seiner romanischen Kathedrale und provinziellem Charme im Stadtzentrum. Von hier aus gelangt man über eine üppig mit Azulejos-geschmückte Treppenanlage über 650 Stufen zur barocken Wallfahrtskirche Nossa Senhora dos Remédios.

Einzigartige Azulejos-Kunst zeigt auch Pinhão. In diesem Zentrum der Portweinregion laufen die Wege aus allen Nebentälern und dem oberen Douro zusammen, mit der Ankunft der Eisenbahn 1880 wurde Pinhão zum Verkehrsknotenpunkt. Am verträumten Provinzbahnhof erzählen 24 Azulejos-Bilder Szenen aus dem Alltagsleben und Weinbau. Inspiration für die nächste Tile-Painting-Klasse gibt es hier in Hülle und Fülle.

Six Senses Resorts

Die Hotelkette gilt weltweit als Flaggschiff in Sachen Luxus, sie verbindet Natürlichkeit und Wellness mit höchsten Servicestandards und authentisch-regionalen Erlebnissen. Das Six Senses Douro Valley ist das erste in Europa, 2018 (voraussichtlich Mai) folgt Bodrum in der Türkei (Six Senses Kaplankaya), wahrscheinlich 2020 je ein Resort in Österreich und der Schweiz. Nachhaltigkeit ist ein großes Thema: 95 Prozent der Mitarbeiter des Six Senses Douro Valley kommen aus Portugal, die meisten aus der Region. Es gibt einen Nachhaltigkeits-Fonds und auch -Manager, regionale Umwelt- und Sozialprojekte, sowie einen bio-dynamischen Gemüsegarten. Hauptthema der Aktivitäten ist der Wein– er wird auf hochkarätige Art erlebbar gemacht. Auf der Weinkarte findet sich das größte Douro-Wein-Angebot der Welt – mit 750 bis 1000 Positionen.

Info

Anreise Flug nach Porto mit jeweils einem Zwischenstopp: Lufthansa (Frankfurt), Swiss (Zürich), Brussels (Brüssel), Eurowings (Düsseldorf), ab ca. 230 Euro. Das Six Senses Douro Valley liegt 120 km vom Flughafen Porto (Aeroporto Francisco Sá Carneiro) entfernt.

Reisezeit Temperaturen im Winter untertags zwischen 10 und 18 Grad; im Hochsommer bis 40 Grad.

Six Senses Douro Valley Das Luxus-Urlaubs- Hideaway ist eine harmonische Kombination eines Herrenhauses aus dem 19. Jahrhundert mit modernen Zubauten. Das acht Hektar große Areal liegt eingebettet in die Jahrhunderte alte Wein-Kulturlandschaft des Douro-Tals und verbindet ein hochkarätiges Wellness-Angebot mit dem intensiven Erleben der Region und seiner Bewohner. 120 Betten in 51 Zimmern, neun Suiten, sieben Vineyard-Villas, ganzjährig geöffnet. Infinity-Pool, Innenpool, Saunalandschaft, drei Restaurants. www.sixsenses.com/dourovalley – Wellness: Therapeutischer Spa mit hochkarätigen Medical-Wellness-Angeboten, die Therapeuten werden regelmäßig von Spezialisten des übergeordneten „Six-Senses-Wellness-Board“ und Ärzten trainiert. – Sport: Yoga, Lauf-Treffs, Personal Training, Kajak, Stand-up-Paddling, Rafting, Canyoning, Quad Biking, Mountainbiking, Tree Climbing, Wandern usw. – Dourotal erleben (Ausflüge): z. B.„Port Knox“ führt in einen 100 Jahr alten Weinkeller (mit Weinverkostungen); „Eat like a local“ in eine kleine Tasco (Tapa-Bar), Kochklassen in eine Quinta (historisches Herrenhaus). Sehr empfehlenswert: Schiffsausflüge mit einem traditionellen Rabelo (Portwein-Schiff). Weitere Aktivitäten: Tile-Painting (Fliesen bemalen), Besuche von und Aktivitäten auf Weingütern, Weinverkostungen und -seminare, Helikopterausflüge, Picknicks am Fluss, Kochkurse, Gardening usw. – Zimmerpreise: Doppelzimmer ab 270 Euro (für zwei Personen); Frühstück 25 €, Halbpension 60 €/p. P.

Auskunft www.visitportugal.com/de