Reise
28.05.2018

New Orleans: Alligatoren, Blues und Hexerei

New Orleans. 300 Jahre ist die Stadt alt – Zeit, sie abseits der Promille-Parade auf der Bourbon Street zu entdecken.

Mit ein bisschen Abschauen beim Nachbartisch muss das doch funktionieren. Kann doch nicht so schwer sein, diese Krabben zu essen; vor allem wenn man sieht, in welchem Tempo die Profis nebenan sich durch Spinnenbeine und Scheren durcharbeiten und das Ganze mit Bier hinunterspülen. Bei Randol’s im Städtchen Lafayette in den Sümpfen von Louisiana werden die Krebse in Körben serviert, dazu spielt eine Cajun-Band zum Tanzen auf.

Wenn man dann erstens herausgefunden hat, wie man sich zum Krabbenfleisch durcharbeitet und zweitens, dass man zu dieser Musik mit ein paar Polka-Schritten ziemlich gut über die Runden kommt, dann ist man so tief unten im einst französischen US-Süden, wie man nur sein kann.

Es klingt vielleicht ein bisschen verhaltensauffällig, eine Tour nach New Orleans in einer Art kreolischem Musikantenstadt tief im ländlichen Louisiana zu beginnen, aber es hilft ungemein, die Stadt und ihre Eigenarten besser zu verstehen und zu erleben. New Orleans, das vor 300 Jahren in diese stickige, schwüle Sumpflandschaft gepflanzt wurde, ist ein Gemisch aus französischer und spanischer Kolonialkultur und all den Traditionen und Ritualen, die die Sklaven aus Westafrika mitgebracht hatten. Draußen in der subtropischen Ebene machten die Plantagenbesitzer mit Baumwolle und Zuckerrohr ihr Vermögen, inszenierten sich als Adelige. In der Hafenstadt aber drängte sich das Leben, das dort keinen Platz hatte: Händler, Matrosen, freigelassene Sklaven, die sich als Taglöhner Musiker und Magier durchschlugen.

Woodoo auf der Partymeile

Das Erbe dieser Zeit prägt Stimmung und Lebensgefühl dieser Stadt bis heute, von Blues und Dixie-Jazz bis zu Hexerei, Geisterbeschwörungen, Handlesen und allen anderen Spielarten der Woodoo-Magie. Wer will, kann das alles in der grellen Jahrmarkt-Version der Bourbon-Street im Eiltempo konsumieren. New Orleans’ berüchtigte Promille-Partymeile füllt ihre Besucher mit Alkohol und schneller Unterhaltung verlässlich ab. Der Blues, der dort aus jeder Bar quietscht, ist eigentlich gar nicht so schlecht, zumindest besser als die im Großformat angebotenen Mischgetränke. Die düster geschminkten Damen in den Magie-Läden haben ein Übersinnliches zum Mitnehmen für jedermann.

Wer aber statt ein paar Stunden ein paar Tage in diese Stadt und ihr Umland investiert, kann das alles langsamer, intensiver und authentischer erleben. In der Frenchman Street und den umliegenden Gassen kann man mühelos eine ganze Nacht lang von Club zu Club schlendern, quer durch alle Spielarten der Musik. Eine schlechte Kapelle wird man dort nicht finden.

Klassischen Jazz, und zwar von den alten würdigen Meistern des Fachs hört man in der Preservation Hall. Wer dort einmal seine Erinnerung an die Standards des Dixie aufgefrischt hat, merkt erst, wie schlecht und schlapp manche der Kapellen auf den eher heißen als spannenden Mississippi-Kreuzfahrten vor sich hin dudeln.

Statt auf ein Schiff, setzt man sich in New Orleans lieber in die Straßenbahn und fährt für ein paar Dollar durch die grün überwucherten alten Villenviertel der einstigen vornehmen Gesellschaft dieser Stadt. Auch zu den Friedhöfen bringt einen die Straßenbahn – und die sind eine Entdeckungsreise.

Friedhofstour

Hier kann man durch die Geschichte von Generationen an Siedlern, die hierher aus allen Ländern Europas kamen, spazieren. Oder aber man macht sich – am besten mit einer der einschlägigen Touren – auf die Suche nach den Gräbern berühmter Woodoo-Hexerinnen und Zauberer. Die kommen bis heute nicht zur Ruhe, werden von Anhängern besucht, die sich von ein paar magischen Mitbringseln ein bisschen Zauber in eigener Sache erhoffen.

Wer sich mit diesem Hokuspokus ernsthaft befassen will, findet in den abgelegenen Gassen des French Quarter reichlich Türschilder, wo übersinnliche Dienste aller Art angeboten werden. Übrigens sind auch die lokalen Zeitungen voll von einschlägigen Inseraten.

Wer lieber Natur und Alltagsleben sucht als Hexerei, macht sich am besten per Auto in die Sumpflandschaften Louisianas auf. Man fährt durch armselige Dörfer, in denen sich die Verwüstungen der Katharina-Flutkatastrophe bis heute festgefressen haben, vorbei an Wohnwagen-Siedlungen und Ölbohrtürmen.

Am Ende irgendeiner Sandstraße macht man sich per Bootstour in die Sümpfe auf. Zwar muss man die Alligatoren oft lange suchen. Aber allein die Geschichten, die die Bootsführer, die mit diesem Wasserdschungel ein Leben lang verwachsen sind, erzählen, bringt einem Louisiana und New Orleans so nahe, wie es die Bourbon-Street auch mit viel Lärm und Bier nie könnte.

Anreise  Mit Austrian Airlines über Washington, oder mit British Airways über London. British fliegt auch nach Nashville, von dort   kann man mit Mietwagen entlang des Blues Highway nach New Orleans fahren und den US-Süden wirklich erleben. austrian.com, britishairways.com

Unterkunft Das Maison Dupuy ist eines der stilvollsten Hotels mitten im French Quarter von New Orleans. Zimmer gibt es ab etwa 120 €. maisondupuy.com

Ausflug Zwischen New Orleans und Lafayette gibt es viele Möglichkeiten eine Bootstour durch die Sümpfe zu machen und dabei  Alligatoren und anderen Tieren zu begegnen.champagnesswamptours.com

Kochkurse Die kreolische oder Cajun-Küche der Region sind  Mischungen aus französischer, westafrikanischer und mexikanischer Küche. In einem Kochkurs lernt man die wichtigsten Handgriffe, bekommt viel zu kosten und  vom Chefkoch  obendrein witzige Einblicke in die Lebensart der Kreolen serviert.www.neworleansschoolofcooking.com

Restaurant Das „Antoine’s“ ist seit 175 Jahren der Treffpunkt der vornehmen Gesellschaft von New Orleans. Hier ist  Essen nicht nur ein kulinarisches Erlebnis. antoines.com

Musikalischer Klassiker Der Tempel des klassischen Jazz und Dixie  ist die Preservation Hall.  Alte Standards auf höchstem Niveau. www.preservationhall.com

Auskunft Tel. (+49) 69 - 255 38 - 270, www.louisianatravel.de, www.visit-usa.at