Mykonos im Frühherbst: Eine Insel atmet aus

Grecotel, Mykonos Blu, Psarou Bucht…
Foto: /Heinz Troll Grecotel, Mykonos Blu, Psarou Bucht.

Das Partyvolk zieht sich ermattet zurück, das Wummern der Musik wird leiser. Die Kykladeninsel entschlummert sanft. Und das ist ganz gut so.

Dieses Blau, dieses Weiß, diese Kombination aus Kitsch und Kunst. Auf den ersten Blick wirkt Mykonos wie ein Farbmix aus zartem Aquarell und knalligem Acryl. Als hätten ein paar Menschen mit Gespür für Angesagtes ein Gesamtbild erschaffen – hier ein kleines Detail, da ein Duft, eine Pflanze, etwas Stoff. Die Vorhänge müssen wehen, eine windige Geschichte erzählen können. Es sollte nach Thymian und Basilikum duften, dazu schenkt jemand in leichtem Leinen Roséwein ein. Das ist, was der Mykonosbesucher so an Mykonosmythen nach Hause bringt – eine Art Hedonismus-Code. Für immer ein bisschen Sommer.

Mykonos Scorpios… Foto: /Design Hotels Mykonos ist eine Erzählung zwischen grellem Boulevard, Fun-Park und Schöner-Wohnen-Postille. Selbst dort, wo sich die Epizentren des Feierns befinden, hat die Ägäis-Insel nichts Ballermannartiges, auch im Hoch-Hochsommer nicht. Und trotzdem wird sie besonders anziehend, wenn sie nachglüht, endlich ausatmen darf. Wenn die Kreuzfahrtschiffe nicht mehr all die Oh, Ah, Wow, How-amazing!-Pilger ausspucken, die sich durch die schmalen Gassen der Chora schieben, um "a visit to this pretty greek island" abzuhaken auf der Insel-To-do-Liste. Wenn die Party-Klientel, ermattet vom Durchfeiern, in den Herbst ihrer Herkunftsländer zurückkehrt und all die Place-to-be-Locations sanft entschlummern.

Leuchtturm im Norden von Mykonos… Foto: /www.visitegreece.gr Nur ein letztes Aufbäumen noch, ein paar Wummer-Klänge noch zu angesagten Drinks und teuren Liegen. Nein, auch Mitte September ist es nicht ganz still hier, zur Blue Hour dröhnt nach wie vor die Musik aus den Boxen, schöne Menschen trinken teure Getränke und posten ihre Selfies auf Instagram. Weil man hier gewesen sein, gefeiert, durchgetanzt und Liebe gemacht haben muss.

VIP-Watching im Club

Manche kommen von irgendwelchen Mega-Jachten, wie sie rund um Mykonos im Türkisblau zahlreich parken. Zum Beispiel in der atemberaubend schönen Psarou-Bucht, wo die schicksten Hotels der Insel zu finden sind. Etwa das Mykonos Blu, mit Privatpools und eigenem Strand. Dort lädt auch der legendäre Nammos-Beach-Club, zum VIP-Watching ein, hier lassen sich die Betuchten gerne mal mit Helikopter einfliegen, um ein paar Happen vom Caesars Salad zu naschen. Man tanzt mit Cocktail-Glas im durchsichtigen Wasser und denkt vermutlich, dass dieses Leben kein Ablaufdatum hat. "When in Nammos, think of --- Champagne", heißt es auf der Homepage des Clubs. Lokale wie diese gibt es wie Sand am Meer auf der Insel, einige sind besonders besonders. Ja: Wäre Mykonos ein Mensch, dann wäre er wahrscheinlich eine XXL-Celebrity.

Es wird allmählich still

Mykonos… Foto: KURIER/Reinhard Vogel Mykonos ist eine Insel mit hohem Energielevel, ein Ort, der niemals schläft. Irgendwann muss aber jeder einmal schlafen. Im Spätsommer und Frühherbst döst sie, wacht langsam auf, im späten Herbst und Winter entschlummert sie. Davon erzählt der junge Grigoris, der täglich Hotelgäste nach Mykonos Stadt chauffiert. Er beschreibt eine herbstliche Kykladeninsel, die sehr still geworden ist, und auf der der Wind noch stärker als sonst weht. Dann sind die Tage oft grau, und der Himmel lässt sein sattes Blau vermissen. Das exaltierte Mykonos zieht sich vollends zurück, geht auf Schweige-Retreat, um für die nächste Saison Kraft zu tanken.

Jeder Kiesel ist geschützt

Die Zeit davor ist speziell schön. Wenn die Sonne tiefer steht, kommt die Essenz der Insel, ihre introvertierte Seite zum Vorschein. Um sie vollends zu entdecken, braucht es ein Auto und die Lust, sich auf verschlungene Pfade zu begeben – bergauf, bergab. Dann gerät man in Gegenden ohne Trubel, karg und einsam – mit umwerfendem Blick auf die Weite der Ägäis und auf in Steilhänge gebaute mondäne Villen mit Infinity-Pools und Garten. Schließlich staunt man im Schatten des Leuchtturms Faros Armenistis im Norden der Insel über den Blick auf die Nachbarinseln Tinos, Andros, Syros. Ein paar Möwen schauen zu, die Zeit steht still. Irgendwann aber wieder: ab zum Strand.

Mykonos, Klein Venedig, Taverne… Foto: KURIER/Reinhard Vogel Beach-Hopping ist nicht nur im Hochsommer ein Muss auf Mykonos, um die Gegenentwürfe zu quirligen Hotspot-Stränden wie Super-Paradise oder Paradise zu erleben. Ein Naturerlebnis ist etwa der Kieselstrand Houlaki, vier Kilometer nördlich der Stadt Mykonos. Keinen der perfekt geformten Kieselsteine darf man hier als Souvenir mitgehen lassen, sie gelten als geschützt. Wer dort der Sonne adieu winkt und dem Lärm der rollenden Steine lauscht, wird der Kraft des Meeres gewahr. Der Strand Kapari bei der Kapelle Agios Ioannis wiederum ist nur zu Fuß erreichbar, was sich lohnt: Stille, und ein Solo-Bad im kristallklar-türkisfarbenen Wasser. Schließlich Fokos Beach, mit seiner authentischen Taverne, abseits der Massen.

Apropos Taverne: Wer einmal in einer Höhle mit Blick aufs Meer essen möchte, sollte zum Strand von Agia Anna, Kalafatis und dort ein Glas Weißwein auf den Moment trinken. Das ist zwar teuer, aber irgendwie perfekt.

Insel der Windmühlen

Windmils and little Venice on Mykonos island Foto: Getty Images/iStockphoto/Aetherial/IStockphoto.com Auf Mykonos regiert Aiolos, der Windgott. Der Wind ist auf der griechischen Insel omnipräsent – einst diente er den Bewohnern dazu, Getreide zu mahlen. Zehn Windmühlen gab es, nur mehr fünf davon sind erhalten. Sie thronen hoch über der Chora von Mykonos und gelten als Wahrzeichen, das nie zur Ruhe kommt – vor allem der Touristen wegen, die sich hier immerzu drängeln, um den obligaten "Ich war hier!"-Schnappschuss zu kriegen. Mitte September wird es auch hier stiller.

Und natürlich lohnt es sich gerade jetzt durch die Stadt zu bummeln, denn erst im Spätsommer bzw. Frühherbst ist es wieder möglich, durch die schmalen Gassen zu gehen, ohne geschoben zu werden. Dafür laden zahlreiche Galerien ein – und eine unüberschaubare Anzahl an Restaurants und Bars. Mit ein wenig Glück muss man gar nicht reservieren, sondern bekommt sofort einen Tisch.

Sogar das tägliche Sonnenuntergangs-Kino im Viertel "Little Venice" mit Bier und Cocktails direkt am Wasser, kommt jetzt ohne Massenansturm aus. Das ist fast wie meditieren. Aber nur fast.

Info

Grafik… Foto: /Grafik

Anreise  Bis Ende Sep. Direktflüge mit www.austrian.com, jeden Sa. und So.  Ab Oktober mit Aegean Airlines  via Athen. www.aegeanair.com

Reisezeit Partytiger besuchen Mykonos im Juli oder August. Für jene, die es  ruhiger mögen, ist  Mai, Juni oder September zu empfehlen. Im Oktober bis März können die mittleren Temperaturen bis 12 Grad abnehmen, mit mehr Regen. Davon gibt es reichlich im November, Dezember und Februar. Im April und Mai blüht es auf der Insel, im heißen Sommer verbrennen die Pflanzen. Die Wassertemperatur liegt  ab Mitte Mai bei ca. 20 Grad, ab Mitte Juli bis Ende September bei etwa 24 Grad. Auf Mykonos ist es oft windig.

Hoteltipps Es gibt eine Vielzahl an schicken Hotels, in der  Psarou-Bucht liegt etwa das stylische Grecotel Mykonos Blu, wunderschön auch das Design-Hotel San Giorgio, Luxus für Designliebhaber und Freunde des Fine Dinings ist das Kensho in Mykonos Stadt. Wer  Privatsphäre mag, wohnt in einer Ferienwohnung oder Villa. greekluxuryvillas.com, bluecollection.gr.

Clubs & Restaurants Jackie O., Nammos Beach, Scorpios, Kastro Bar, Buddha-Bar, Skandinavian Bar, Paradise. Gut essen kann man an vielen Orten – hier isst man aber noch urig griechisch:  Taverne Nikos Gallop in Platis Gialos mit unkompliziertem Fisch, Taverne neben der kleinen Kirche in Agios Sostis, wo keine Reservierungen angenommen werden, und man draußen auf einen Platz warten muss. Teuer, aber das Erlebnis wert: Spilia Seaside, direkt bei einer Höhle, am Wasser, Agia Anna Beach.

Strände Psarou betört mit traumhaftem Wasser. Hier ankern viele Jachten.  Richtig ruhig ist es auf Agios Sostis oder Fokos, wo dahinter ein Stausee liegt. Korfos Beach ist ideal für Surfer, Paradise und Super Paradise sind DIE Party-Strände. Viele Strände erreicht man  mit dem Boot von Platis Gialos aus oder aber mit Mietwagen.

Auskunft www.visitgreece.gr

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?