Rynek Glówny mit Tuchhallen und Rathausturm

© Wolfgang Godai

Krakau - ein touristisches Gustostückerl
05/25/2012

Krakau - ein touristisches Gustostückerl

Polens Kulturmetropole begeistert mit architektonischen und kulinarischen Highlights sowie mit schönen Ausblicken.

In Warschau wird gearbeitet, in Krakau gelebt – Sprüche wie diese hört man sehr oft von den selbstbewussten Bürgern der Kulturmetropole Polens. Und tatsächlich ist es kaum möglich, während eines Stadtbummels nicht ein paar Feierlichkeiten, Spontan-Events oder musikalische Showeinlagen zu erleben.

Eigentlich muss man sich dafür gar nicht unbedingt bewegen. Man setze sich einfach in eines der Gartenlokale am Rynek Glówny, dem Marktplatz und Herz des von der UNESCO geschützten Stadtzentrums. Und beobachte. Artisten zeigen Tricks bis zu höchster Akrobatik, ein Glatzkopf mit abgewetzter Kleidung schmettert Opernarien in bestechendem Sopran, vier gestylte Jungs wirbeln als Breakdancer durch die Luft. Öfters erlebt man auch Umzüge mit prächtigen, historischen Kostümen.

Rynek Glówny

Der wahre Star ist allerdings der Rynek Glówny selbst – als größter mittelalterlicher Platz Europas. Die prächtigen Fassaden der Bürgerhäuser stammen aus mehreren Epochen, zwischen Rathausturm und der Marienkirche dominieren die riesigen Tuchhallen aus dem 14. Jahrhundert dieses architektonische Gesamtkunstwerk. Heute befinden sich dort Galerien und zig Souvenir­läden mit Schwerpunkt auf Bernsteinschmuck.

Die Marienkirche ist wohl die meistbesuchte Sehenswürdigkeit, nicht nur wegen des berühmten Altars des Bildhauers Veit Stoß. Vom Turm der Kirche gibt es auch den schönsten Blick über das Zentrum, den man sich aber erst nach mehr als 200 steilen Wendeltreppenstufen verdient hat. Zusätzliche Belohnung: Ein Trompetenspiel zu jeder vollen Stunde auf dem höheren Turm. Dass es abrupt endet, soll an einen der zahlreichen Tatarenangriffe aus dem 13. Jh. erinnern – da wurde der Trompeter von einem Pfeil getroffen. Tipp: Mittags oder nach Sonnenuntergang raufgehen, da ist das Licht am besten.

Ein weiterer Top-Aussichtspunkt liegt südlich davon. Das Wahrzeichen Krakaus, das Königsschloss mit der Kathedrale, thront auf dem Wawel-Hügel über den Schlingen der Weichsel.

Altstadt

Die Gassen der Krakauer Altstadt haben kleine Überraschungen parat. In idyllischen Innenhöfen verstecken sich architektonische Gustostückerln. Und natürlich findet man in der früheren Heimatstadt Karol Wojtylas, Papst Johannes Paul II., mehr prunkvolle Kirchen als sonst wo, hervorzuheben etwa die Franziskaner- oder die Peter-und-Paul-Kirche mit den abendlich beleuchteten Skulpturen der zwölf Apostel. Auf der Florianska oder der Grodzka wechseln alte Handwerksläden, Antiquitätenshops und moderne Marken-Boutiquen einander ab. Die Preise verleiten zu haltlosem Shoppen.

Süchtig macht die Krakauer Küche, und darum sollte man, wie eingangs erwähnt, hier nicht zum Abnehmen herkommen. Das typische Essen ist rustikal, herzhaft und schwer. "Chlospeskie Jadlo", zu Deutsch "Bauernfraß", heißt etwa eines der einschlägigen Gasthäuser, aus denen es schon von Weitem nach gegrillten Stelzen und Krautfleisch duftet. Suppenlokale sind eine weitere Spezialität, in den riesigen Tellern findet man Rote-Rüben-Suppe, saure Suppe mit Wurst oder Ei, Steinpilz- oder Spinatsuppe. Das Nationalgericht sind aber die "Pierogi", frisch gegarte Teigtaschen mit Fleisch, Gemüse, Pilzen, Kartoffeln, Topfen und anderen Füllungen.

Während Touristen diese Köstlichkeiten vor allem im Zentrum genießen, gehen die meisten Einheimischen und Feinspitze zunehmend ins benachbarte altjüdische Stadtviertel Kazimierz. Hier treffen sich auch die Künstler und Intellektuellen der Stadt. Tagsüber wirkt das Viertel wegen der grauen Fassaden zwar etwas trist, aber abends ist hier der Bär los.

Ausflug

Apropos Tristesse: Ein skurriles, aber durchaus spannendes Erlebnis ist ein Ausflug in die einst kommunistische Vorzeigestadt Nowa Huta im Osten von Krakau. Ein uriger roter Kleinbus mit Ventilator statt Lüftung und mit Lenin-Leiberl gestyltem Guide kurvt durch die reißbrettförmig angelegten Chausseen des "Paradieses für Werktätige", das zusammen mit einem der größten Stahlwerke Europas nach dem 2. Weltkrieg als realsozialistische Alternative zum bourgeoisen Krakau errichtet wurde.

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