Inle See, Myanmar

© /Thomas Trenkler

Asien
10/26/2016

Inle-See: Höhepunkt von Myanmar

Ein Höhepunkt jeder Myanmar-Rundreise ist eine Fahrt durch die schwimmenden Gärten zu Pagodenfeldern und fünf Barbapapa-Buddhas.

von Thomas Trenkler

Bagan bei Sonnenaufgang ist mit Sicherheit der Höhepunkt jeder Rundreise durch Myanmar. Doch auch am Inle-See sollte man gewesen sein. Dort gibt es zwar keine schwimmenden Märkte, wie etwa in Vietnam, aber schwimmende Gärten. Sie bestehen aus bis zu 100 Meter langen, nur ein Meter breiten Streifen dicht ineinander verwobener Wasserhyazinthen, in denen sich eine fruchtbare Erdschicht angesammelt hat. Sie werden vom Seeufer losgeschnitten, ins seichte Wasser geschleppt und dort parallel zueinander verankert. Vom Kanu aus können diese äußerst fruchtbaren, nie zu gießenden Beete bestellt werden – relativ bequem in sitzender Position.

Das System dieses Nutzgartens hat man schon bald kapiert, und so spannend sind Tomatenstauden sonder Zahl auch wieder nicht. Aber der Bootsführer steuert noch etliche andere Attraktionen an, darunter das Nga Phe Chaung-Kloster, das als "Kloster der springenden Katzen" bekannt ist. Es liegt, im 19. Jahrhundert errichtet, mitten im See. Es gibt zwar noch immer viele Katzen, des Springens aber sind sie müde geworden. Oder gibt es etwa den sie dressierenden Mönch nicht mehr?

Kloster Shwe Yan Bye

Das schönste Kloster befindet sich etwas nördlich der alten Fürstenstadt Nyangshwe. Man kommt an ihm vorbei, wenn man vom Flughafen in Heho zum Inle-See fährt. In der Pagode des Shwe Yan Bye-Klosters stößt man unvermutet auf wunderschöne alte Kacheln; in den Nischen des gemauerten Umgangs hocken viele kleine Buddha-Figuren – auch aus der Jetztzeit. Das angrenzende Klostergebäude, ein Pfahlbau, ist aus Teakholz. Leider achtet man nicht darauf, dieses Kleinod mit seinen mittlerweile halb blinden Spiegeln und den Zierleisten, von denen das Gold längst abgeblattelt ist, zu konservieren. Ein beliebtes Fotomotiv sind die Mönche, die hinter den ovalen Öffnungen sitzen und dem Treiben auf der Straße zuschauen.

Sehr wohl mit dem Boot zu erreichen ist aber Indein, auch wenn das Dorf mit dem bekannten Markt sieben Kilometer entfernt vom See liegt, dem permanent droht, von den Pflanzen überwuchert zu werden. Allein schon die Fahrt ist spannend – zunächst durch Wasserstraßen, die man in den Schilfgürtel geschnitten hat. Und dann rasen die Boote durch den kanalartigen Zufluss, bei Gegenverkehr schaukelt sich das Wasser ordentlich auf. Man wird vielleicht nass gespritzt. Und merkt, dass die Bandscheiben nicht mehr so geschmeidig dämpfen .

Von der Anlegestelle führt ein etwa ein Kilometer langer überdachter Weg, gesäumt von Händlern, die Nippes aller Art feilbieten, zu einem romantischen Pagodenfeld. Es soll aus dem 17. Jahrhundert stammen, als Indein noch Sitz eines Shan-Fürsten war, und ist dem Verfall preisgegeben. Auf den abbröckelnden Stupas wachsen Bäumchen, man stößt auf prächtige Spinnen, die kunstvolle Netze gebaut haben, und arg verwahrloste Hunde.

Ein noch beeindruckenderes Pagodenfeld gibt es in Kakku, einen Tagesausflug östlich des Inle-Sees. Das Gebiet mit seiner malerischen Gebirgslandschaft und der rötlichen Erde war bis vor ein paar Jahren aufgrund aufständischer Ethnien – die Männer binden sich bunte Frotteehandtücher zum Turban – militärisches Sperrgebiet. Und so verirren sich auch heutzutage nur wenige Touristen hierher.

Der Legende nach haben die ersten buddhistischen Missionare aus Indien die etwa einen Quadratkilometer große Anlage mit rund 2500 Tempeln und Stupas im 3. Jh. vor Christus gegründet. Einer anderen These zufolge wurde sie im 12. Jh. angelegt. Wie auch immer: Man sollte sich Kakku rasch anschauen. Erst vor wenigen Jahren wurde das Pagodenfeld um kitschige chinesische Bauwerke mit Drachen und Klimbim erweitert. Und man sollte auch rasch zum 22 Kilometer langen, bis zu elf Kilometer breiten Inle-See fahren. Denn bei der Bootsfahrt sieht man, dass am Ufer und die Hügel hinauf weitere riesige Resorts errichtet werden: Zweispurige Straßen durchpflügen und zerstören die Landschaft.

Langhalsfrauen

Der geschäftstüchtige Bootsführer wird Sie selbstredend zu Seidenwebereien bringen, zu Silberschmieden und den Frauen mit den lang gezogenen Hälsen. Und dann kommen Sie noch zum Kloster Phaung Daw U. Es gilt als das wichtigste Heiligtum des südlichen Shan-Staates. Schon von Weitem sieht man eine riesige, güldene Barke.
Gold übt auf die Myanmare ja eine besondere Faszination aus. Das Angebot reicht von der "Gold Finger Massage" bis zu Reis mit Blattgold als Topping. In der Hoffnung auf ein besseres Leben in der nächsten Inkarnation kaufen selbst die ärmsten Gläubigen jede Menge Goldblättchen, um sie auf Buddha-Figuren anzubringen. Die "Goldleave"-Industrie ist daher prosperierend. Von Zeit zu Zeit kratzt man das Gold von den Buddhas ab – und finanziert damit neue Pagoden mit weiteren Buddhas. Angetrieben wird man dabei von der Sucht nach Superlativen. In der Nähe von Monywa ruht ein 90 Meter langer Buddha auf einer Couch, unmittelbar dahinter erhebt sich ein 31-stöckiger, begehbarer Buddha-Wolkenkratzer.

Den friedlichen Monstern vorgelagert ist ein Feld mit 1000 lebensgroßen Buddhafiguren samt ebenso vielen Bodhi-Bäumen. In der Nähe gibt es auch eine Art Disneyland-Pagode namens Thanboddhay. Sie hat 471 Stupas, also kegelartige Spitzen, beherbergt mehr als eine halbe Million kleiner Buddhas.

Was aber passiert, wenn das Gold nicht abgekratzt wird? Dann werden die Buddhas mit der Zeit zu unförmigen Klumpen. Fünf an der Zahl gibt es am Ufer des Inle-Sees zu bestaunen – in jenem Kloster.

Einbeinruderer

In den drei Wochen vor dem Oktober-Vollmond findet das Phaung-Daw-U-Fest statt: Boote ziehen die Barke mit einem Karaweik-Vogel als Bug von einem Ort am See zum nächsten. An Bord befinden sich vier der fünf niedlichen Barbapapa-Buddhas. Nur die kleinste der abstrakten Plastiken muss im Kloster bleiben. Denn sie fiel einmal beim Kentern der Barke ins schlammige Wasser und konnte, im Gegensatz zu den anderen, nicht geborgen werden. Aber wie durch ein Wunder tauchte sie, so wird erzählt, über Nacht an ihrem angestammten Platz auf. Höhepunkt der Wasserprozession ist die Rückkehr der Buddhas in ihre Pagode. Und vor dem Kloster findet ein Bootsrennen der "Einbeinruderer" statt.

Entwickelt wurde die Technik, stehend mit einem Bein zu rudern, von den Inthas, den "Menschen vom See". Sie haben daher die Arme zum Fangen des Inle-Fisches frei. Er schmeckt übrigens, gefüllt mit Gemüse, ausgezeichnet.

Info

Anreise & AngebotFür die Myanmar-Einreise benötigt man ein Visum, Preis 50 Dollar. Der nächste Airport befindet sich in Heho, eine Autostunde nördlich des Inle-Sees. Er wird von allen wichtigen Airlines des Landes angeflogen. Michael Pfeiffer empfiehlt KBZ Air. Der Deutsche, der in Yangon das Büro "Fascinating Land Travels & Tours" aufgebaut hat, organisiert Individualreisen nach den Wünschen und Preisvorstellungen seiner Kunden. Das macht er perfekt: Man erhält ein Handout mit allen Infos, muss sich um nichts mehr kümmern. Alle Hotels entsprachen den Erwartungen, die Fahrer waren – nur eine Ausnahme – äußerst freundlich.www.fascinating-land-travels.com, www.urlaub-in-myanmar.de

Beste Reisezeit Hochsaison ist der myanmarische Winter von Oktober bis Februar mit angenehm warmen Tagen. Am Inle-See auf 900 Meter Seehöhe kann es nachts auch frisch sein: Warme Kleidung mitnehmen!

Gesundheit Malaria ist in Myanmar weitverbreitet. Man sollte sich vor Mückenstichen schützen – auch wegen des Dengue-Fiebers. Den Magen kann man sich natürlich allerorts verderben. Eine Impfung gegen Hepatitis erscheint ratsam.

Währung/Preisniveau Die Landeswährung ist der Kyat. In der Regel ist nur Bares Wahres: Begehrt sind Euro- und Dollarscheine, sie dürfen aber nicht geknickt oder beschädigt sein. Man sollte daher nur druckfrische Noten mit kleinem Wert dabei haben. Mit ihnen kann man eigentlich allerorts, auch auf den Märkten, zahlen.

Einkehrtipp Die Bootsleute steuern von sich aus ein auf Touristen ausgerichtetes Restaurant an. Vom Red Mountain Weingut hat man einen schönen Blick auf den Inle-See.

Logistipp Am Ufer des Inle-Sees gibt es mehrere Resorts. Das weitläufige Inle Resort mit geschmackvoll eingerichteten Bungalows rund um ein Haupthaus mit dem Restaurant ist durchaus empfehlenswert. www.inleresort.com

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