Reise
10.07.2018

Gastlich & köstlich: Im Salzkammergut des Dietrich Mateschitz

Vom Grundlsee zum Wolfgangsee setzt der Red-Bull-Boss auf Natur, Gastfreundschaft und Kulinarik.

Strahlend sitzt Hermann Rastl in der „Gössl“ und steuert das neun Meter lange Motorboot über den Grundlsee. Dann fängt er zu schwärmen an, vom „edelsten Stück, an das ich mich aus meiner Kindheit erinnern kann“ und vom „Juwel vom Grundlsee“. Das glänzend schöne Boot aus Eichenholz zieht tatsächlich alle in den Bann, vor allem wegen seiner Geschichte.

Die erzählt der pensionierte Tourismusdirektor liebend gern: Als Dietrich Mateschitz hörte, dass die Schifffahrt am Grundlsee im Argen lag, wollte er „Schönes erhalten und Sinnvolles tun“ und kaufte das Unternehmen kurzerhand. 2016 gab er den Auftrag für die Generalsanierung der „MS Rudolf“ (Baujahr 1903) und der „MS Traun“ (Baujahr 1973) bei einer Firma in der Schweiz und fragte an, was mit der „Gössl“ zu tun sei. Die wurde 1931 gebaut und „vergammelte“ seit 1969 in einem Bootshaus im Trockenen bis man durch einen Zufall darauf stieß. Die Schweizer Restauratoren waren begeistert von diesem Schatz und nützen es als Lehrstück. Viele Stunden Arbeit wurden investiert und die „Gössl“ wieder auf Vordermann gebracht. Heute wird sie für Sonderfahrten am Grundlsee eingesetzt.

 

Hermann macht sich nicht nur auf der „Gössl“ gut, auch auf der Plätten, einem kiellosen Holzschiff, rudert er mit seinen 70 Jahren wie ein Weltmeister. Während wir ein traumhaftes Frühstück mitten am Grundlsee genießen, erzählt er uns allerhand über die Gegend im Ausseerland. Kein Haus und kein Wirtshaus, über das Hermann nicht eine Geschichten kennt.

Genuss und Gastlichkeit

Das Plättenfrühstück richtet das Seehotel am Grundlsee aus, auch ein Mateschitz Betrieb. 2014 hat der Red-Bull-Boss einige Immobilien aus der Stiftung des verstorbenen Industriellen Helmut Zoidl erworben, darunter auch das Haus am See und die angrenzende „Villa Anna“. Das 4*-Hotel ist ein Schmuckstück. Von 17 Zimmern blickt man in 16 auf das „steirische Meer“, die umliegenden Berge und die fantastische See-Sauna am Badesteg. Das Hotel wird nach einem Re-Design nach dem gleichen Konzept geführt, wie andere Hospitality-Group-Betriebe: Mit einem Gastgeber und einem Küchenchef, die echte Originale sind.

 

Am Grundlsee sind das Michaela Reiter und Matthias Schütz. Seine Kochkünste im „Seeplatzl“ wurden von Gault & Millau mit einer Haube belohnt. Wie Michaela ist er nie um einen Spruch verlegen.

Am Nachbarsteg legen die „MS Rudolf“ oder die „MS Traun“ vier bis sechsmal täglich an, um Passagiere quer über den See nach Gößl zu schippern.

 

Von dort erreichen wir nach einer kleinen, aber sehr feinen Wanderung den Toplitzsee inmitten einer beeindruckenden Bergkulisse und besteigen eine Doppelplätte. Alle hören gespannt zu, wenn der Bootsführer die Legende vom Schatz erzählt, den die Nazis im 103 Meter tiefen Sees versenkten und der bis heute nicht gefunden wurde. Am anderen Ende des Sees steigen wir aus, um nach einem kleinen Spaziergang, vorbei an einem spektakulären Durchbruch am Kammersee zu landen. Oberhalb des Sees liegt der Traun-Urspung und vor uns eine Idylle, die man mit eigene Augen sehen muss, um sie zu begreifen.

Tanzboden und Steirerkas

Noch so ein Kraftplatz im steirischen Salzkammergut ist der Altausseer See. Auch hier hat Dietrich Mateschitz seine Finger im Spiel. Das Grundstück „Seewiese“ am Fuße der Trisselwand mit Sicht auf Loser und Dachstein war schon länger in seinem Besitz, die Genehmigungen, auf dem Grundstück wieder eine Jausenstation bauen zu dürfen, haben lange auf sich warten lassen. Das Warten hat sich aber gelohnt: Die neue Seewiese, wurde nach dem Vorbild der „alten“ Jausenstation gebaut, sogar ein Tanzboden mit Seeblick wartet seit Mai wieder auf beschwingte Gäste.

 

Um deren Wohl kümmern sich Gastgeberin Angela Fuchs und Küchenchef Stephan Wieland, der „koan Schnickschnack, afoch a guade Jause“ kredenzt. Eine kleine Untertreibung, denn der Koch versteht es, seine Speisen mit regionalen Produkten und Wildkräutern, die ums Haus wachsen, in Szene zu setzen. Auf der Karte steht neben Steirerkasbrot (8,20 €) und Beef Tatar (15,90 €) auch Ausseer Seesaibling im Ganzen (19,90 €). Der Fisch kommt, wie könnte es anders sein, aus dem Hause Mateschitz. Der hat nicht nur die Schifffahrt Grundlsee gekauft, sondern auch die Fischerei Ausseerland von den Bundesforsten gepachtet und beliefert viele Betriebe der Region. Dabei wird auf Nachhaltigkeit, Natürlichkeit und Qualität geachtet. Nur heimische Fische werden gezüchtet, im Mittelpunkt steht der Seesaibling. Bis der Fisch am Teller landet, dauert es etwa drei Jahre. Ziel sei es, so Betriebsleiter Alexander Scheck, 100 Tonnen Speisefisch im Jahr zu züchten, um dort hin zu gelangen, wird es noch dauern.

Dudelsack und Strandbar

Doch hier ist das Reich von Dietrich Mateschitz noch nicht zu Ende. Im Landhaus zu Appesbach in St. Wolfgang empfängt uns wieder ein Duo: Gastgeber Edwin Heider und Küchenchef Christian Buhl. Das Refugium erzeugt Gänsehaut. Umgeben von einer Parkanlage, von Efeu und wildem Wein umrankt, steht das eindrucksvolle Herrenhaus am Ufer des Wolfgangsees. Die Strandbar direkt am See können auch Gäste von auswärts genießen, und am Abend holt Edwin Heider manchmal seinen Dudelsack hervor, um den Gästen vorzuspielen.

 

Auch innen ist es spektakulär: Von der Zeit als der abgedankte König Edward VIII. fünf Wochen auf seine große Liebe Wallis Simpson wartete (der KURIER berichtete), zeugen alte Fotografien, die neben Kunstwerken der Privatsammlung von Mateschitz die Wände zieren. Wir sind uns einig: Fünf Wochen hält man es hier locker aus, uns bleiben leider nur wenige Stunden.

Info

Anreise von Wien z. B. mit der Bahn auf der Weststrecke nach Attnang-Puchheim, ab da vorbeiziehende Landschaft im Salzkammergut Regionalzug bis Bad Aussee genießen. Mit dem Auto über die  Südautobahn in ca. 3 Stunden  nach Grundlsee.  

Übernachten Seehotel Grundlsee:  2 ÜN/F im DZ (Anreise So bis Mi),  inkl.  Fünf-Gang Überraschungsmenü mit Weinbegleitung,  Drei-Seen-Tour um 320 €/P. Angebot von 10.9. bis 24.10.18 , Tel. 03622/ 86044. www.seehotelgrundlsee.at
– Landhaus zu Appesbach: 2 ÜN/F im DZ, inkl. 4-Gang- Abend-Menü, geführte Wanderung, Jausenrucksack /DZ,  4h-Karte Wellnessalm /P. So bis Fr 275 €/P., Fr bis So 329 €/P. Angebot von 27. 8. bis 21. 10. 18, Tel. 06138/ 2209, appesbach.com

Essen und Trinken Seehotel Grundlsee: Das Haubenrestaurant See-Platzl bietet am Abend  à la carte und Überraschungsmenüs an,  z. B. 4 Gänge um  59,80 €, 3-Gang-Mittagsmenü um 27,80 €. Plättnfrühstück: für 2 P.: Hotelgäste 100 €,  für externe Gäste 120 €,   Gourmetplättn für 2 P.:160 €
 – Seewiese  Altaussee: Edle Jausenstation,  seewiesealtaussee.at
– Refugium:  hippe Café-Greisslerei in Altaussee, refugium-altaussee.at

Buchtipps „Zeitlos in Bewegung. Im Ausseerland.“ zeigt 30  waschechte Ausseerlandler. Lesenswerte Portraits, fantastische Bilder.  Benevento Verlag, 199 €.
– Die Gasperlmaier-Altaussee-Krimis von Herbert Dutzler sind  wunderbar atmosphärisch mit viel Lokalkolorit. 12,95€ / Band Haymon Verlag

Auskunft Salzkammergut Tourismus, Tel. 06132 / 26909, salzkammergut.at