Reise
26.06.2018

Die besten Insider-Tipps für Frauen, die solo reisen

Single-Reisen boomen. Drei „Solo-Travellerinnen“ erzählen, wie es ist, unterwegs zu sein und was man beachten sollte.

Zeit, nur für mich“, „Mich selbst entdecken“, „Echte Freiheit erleben“.

Es gibt sehr unterschiedliche Gründe, warum Frauen alleine reisen. Meist steht die Sehnsucht nach Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und neuen Erfahrungen im Mittelpunkt. Manche tun es einfach, weil sie keinen Partner haben.

„Der Markt für Alleinreisende wächst“, weiß man etwa beim Reiseveranstalter Ruefa. Viele Reiseanbieter verzeichnen verstärkte Nachfrage – bei einer Umfrage der Internetplattform TripAdvisor gaben 74 Prozent der Teilnehmerinnen an, schon einmal solo verreist zu sein oder einen Single-Trip zu planen. Die Branche expandiert und reagiert – immer öfter wird auf Einzelzimmerzuschläge verzichtet. Besonders beliebt sind etwa Studienreisen oder Kreativurlaube, Einsteiger probieren es zunächst mit Trips innerhalb Europas. Und dann gibt es Frauen, die sich eigenständig ihre Reiseroute zusammenstellen und nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ aufbrechen. Mutig, aber sehr lohnend.

Wie es ist, alleine zu reisen und worauf man dabei achten muss, erzählen drei erfahrene Solo-Traveller-Frauen.

Erst große Zweifel – dann die ganz große  Reise-Lust

Raus aus der Komfortzone, die Welt sehen – danach sehnte sich Katharina Schwaiger nach der Matura. „Ich wollte endlich einmal nichts tun, neue Leute treffen.“ Sie nahm sich ein Jahr Auszeit, wollte Arbeit und Reisen verbinden. Auch, „um herauszufinden, was ich in meinem Leben machen möchte, mit dem Ergebnis, dass ich es immer noch nicht weiß.“  Jetzt ist sie im 10. Reisemonat und hat viel erlebt:  Road-Trips genauso wie Campen im Nirgendwo.  Stets darauf bedacht, dass es sich  mit dem Geld ausgeht. „Daher verbringe ich viel Zeit in Hostels. Sie sind eine  gute Möglichkeit, günstig zu reisen und   neue Menschen kennenzulernen.“   Schwaiger hat die gesamte Westküste Amerikas gesehen, „neben Kanada konnte ich mir durch meinen Job im Skigebiet  eine Reise nach Alaska und Hawaii finanzieren.“ Die Rocky Mountains, der Grand Canyon sind Orte, in die sie sich verliebt hat.  Zweifel gab es  vor allem zu Beginn. „Die größte Herausforderung bei einer Reise alleine ist man selbst. Speziell bei den Vorbereitungen schaltet sich immer wieder der Kopf ein,  man zweifelt an sich. Die Vorstellung, alleine ein Jahr  weg zu sein, kann  schon Angst machen. Erst einmal unterwegs, merkt man, wie schön es ist, eine gewisse Zeit alleine zu sein.  Jetzt ist sie stolz, was sie alles alleine geschafft hat. Tiefpunkte sind normal, doch wichtig ist, sich am Positiven zu orientieren: „Ich habe Tage erlebt, an denen ich mein eigenes Glück nicht fassen konnte.“

Katharinas Tipps

1. Trau dich. Es ist eine so tolle Erfahrung.

2. Dem Start steht nichts im Wege, so lange man Reisepass und Kreditkarte hat.

3. Nicht auf wichtige Kleinigkeiten vergessen, wie etwa Schloss fürs Hostel, um Wertsachen wegsperren zu können, Plastiksackerl für Schuhe und nasse Klamotten oder Adapter.

 

Gelebte Leichtigkeit: Mit dem Vertrauen in das  Gute losziehen.

Sie war nie Abenteurerin, Reisen hatte einen geringen Stellenwert in ihrem Leben. Aber dann:  „Als ich 32 war, hat es Klick gemacht. Ich habe mich entschieden, alleine zu reisen, weil ich Single bin.“ Drei Jahre später sagt sie: „Geht raus. Geht los. Man weiß nie, wo man am Ende ankommt und das ist das Spannende.“  Birgit Wagner, selbstständig im Bereich „Werbung & Kommunikation“ (www. schoenschreiben.com),  ist meist mit ihrem Skoda Roomster unterwegs: „Dadurch bin ich flexibel und kann entscheiden, wohin es geht. Ich wohne dann  in meinem Auto.“ Komfort auf rund drei Quadratmetern.  Die Solo-Travellerin reist aber auch mit dem Flugzeug – „speziell, wenn ich echten Urlaub mache und nebenbei nicht  noch arbeite oder entfernte Destinationen bereise.“  Gesehen hat sie einiges: einsame Inseln in der südlichen Ägäis genauso wie Sri Lanka, wo sie einen Monat unterwegs war und einen Sonnenaufgang am Adam’s Peak erlebte. Oder Begegnungen mit Menschen irgendwo in einem Bus. Sie ist zum Rauschen des Atlantik aufgewacht und eingeschlafen: „Ein großartiges Gefühl.“  Derzeit reist Wagner als Digitalnomadin durch Südwesteuropa, schreibt von der Algarve. Viele stellen ihr die Frage, ob sie keine Angst hätte, wenn sie mit dem Auto unterwegs ist und darin schläft – ihre Antwort: „Ich ziehe mit dem Vertrauen ins Gute los und wurde bisher nicht enttäuscht.“ Die Zeit „on the road“ hat Birgit Wagner erlaubt, viel zu reflektieren. Das Solo-Reisen hat ihr Leichtigkeit verschafft. Reichtum definiert sie  nicht mehr am Materiellen: „Es sind die Erinnerungen, die Momente, die Erlebnisse.“ Ihr Fazit: „Die besten Dinge im Leben sind jene, die passieren, wenn man loslässt, sich öffnet und zulässt.“

 

Birgits Tipps

1. Ein gutes, realistisches Mindset. Man sollte nicht blauäugig losziehen. Eine solide Grundvorbereitung ist wichtig.

2. Essenziell: Reiseapotheke, Notfallnummern, gutes Equipment.

So cool ist es, ganz alleine durch die Welt zu reisen

Sie reist leidenschaftlich gerne, doch nicht immer sind Freunde oder Familie zur gleichen Zeit verfügbar. „Da habe ich mir gedacht, dass ich das auch alleine machen kann.“
Rasch entdeckte sie den Coolness-Faktor des Solo-Reisens für sich. „Am Anfang war der Gedanke, völlig auf mich alleine gestellt zu sein, etwas einschüchternd. Hat man aber ein bisschen Erfahrung, wird klar, worauf zu achten ist.“ Bisher war sie vor allem in Europa unterwegs. Um an ihre Ziele zu gelangen, nimmt sie den Flieger, vor Ort liebt sie Öffis. Sicherheit ist ein wichtiges Thema für sie: „Vorab lese ich mich daher gründlich ein, informiere mich genau über das Land, die Leute, die kulturellen Gegebenheiten. Es empfiehlt sich auch immer zentrale Hotels/Hostels zu buchen, etwa in der Nähe des Bahnhofs.“ Eine Hürde war für sie, alleine in Restaurants essen zu gehen, heute weiß sie: „Es gibt einem die Gelegenheit, aufmerksam und achtsam mit anderen zu sein. Dabei ist mir aufgefallen, dass die meisten Menschen sehr mit sich selbst beschäftigt sind und kaum darauf achten, was ringsherum passiert.“ Das Beste steht Maram Zyadeh aber noch bevor: „Da ich mein Studium abgeschlossen habe, werde ich im Sommer zwei längere Reisen machen. Die erste führt mich  mit  der  Transsibirischen Eisenbahn von Russland über die Mongolei nach Peking. Die zweite führt mich zunächst an die Ost- und dann an die Westküste der USA.“

 

Marams Tipps

1. Mit sich selbst im Reinen sein, heißt: Man sollte damit umgehen können, einige Zeit mit sich selbst zu verbringen.

2. Immer den gesunden Menschenverstand einsetzen.

3. Sich den kulturellen Gegebenheiten anpassen, etwa bei der Kleidung.