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freizeit Reise
10/27/2019

Der Brexit rückt näher: Das wird uns an Britannien fehlen

Auch wenn es kommende Woche wieder nicht passiert: Der Brexit rückt näher. Zeit für einen Blick auf Plätze, Speisen, Eigen- und Besonderheiten Britanniens, die nicht jeder kennt – letzte (W)orte

von Axel Halbhuber

Zwar reagieren schon alle genervt. Der sehr, sehr langsame Abschied des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union sollte uns aber einen Moment des Gedenkens abringen. Wie beim Abschied von einem Familienmitglied sollten wir einander Anekdoten erzählen, oder noch besser: den Blick auf all das richten, was wir nie über das United Kingdom wussten. Von walisischen Ortsnamen bis zum überkitschten Royal-Gehabe.

Es gibt auf den Inseln, honestly my dear, zum Beispiel Berge. (Wie es übrigens auch das Loch Ness gibt, nur das Monster darin ist nach wie vor umstritten.) Der schottische Ben Nevis ist mit 1.345 Meter so hoch wie kein anderer Punkt Großbritanniens und von Alpinisten respektiert.

Ebenso wie die Weitwanderung Coast to Coast Walk (gut 300 Kilometer), etwas südlich vom historischen Hadrian Wall. (Szene aus dem Film "Robin Hood - König der Diebe", die am Hadrian Wall gedreht wurde)

By the way: Unter besichtigbaren Ansammlungen an alten Steinen ist nur Stonehenge richtig bekannt, dabei könnte man alternativ auch die neolithische Siedlung Skara Brae auf der Insel Orkney begutachten. Neuere Steine findet man im Yorkshire Sculpture Park, einem Juwel Mittelenglands – so wie auch der gesamte Lake District.

Ob der Bogenartist Robin Hood wirklich lebte, ist ungeklärt, seinen Sherwood Forest gibt es. Aber heute haben Kinder neue Helden, Eltern wird der „Feuerwehrmann Sam“ ein Begriff sein, dessen Ort Pontypandy eine Mischung aus den walisischen Dörfern Pontypridd und Tonypandy ist. Dafür liegt in Wales der Ort mit dem längsten Namen der Welt: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch – und der vielleicht lyrischsten Bedeutung: „Marienkirche in einer Mulde voll weißer Haseln nahe eines schnellen Wirbels und der Thysiliokirche bei einer roten Höhle“.

Das Essen der britischen Inseln ist nicht unbedingt weltberühmt, aber durchaus vielfältig. „Fish & Chips mit Essig“ ist nur der Anfang, Schotten verehren Haggis (gefüllter Schafsmagen), Shortbread (Mürbteiggebäck) und Black Bun (Früchtekuchen), der Nordire liebt sein Stew (Lamm-Eintopf mit Kartoffeln) und die Soda-Farls (dreieckiges Buttermilchbrot). Das verregnete Wales nennt Lauch „Nationalgemüse“, die entsprechende Leek Soup ist so gewöhnungsbedürftig wie Bara Brith (Früchtebrot, aus kaltem Tee und Orangensaft gemacht). Eher nicht gewöhnt man sich an Laverbread, einem Algenmus mit Muscheleinlage, das nichts mit Brot zu tun hat. Sehr speziell sind im Südwesten der Stargazy Pie (Sardinen-Pastete), verträglicher jedenfalls der heilige Cheddar.

Der Südwesten ist auch die meist gezeigte Gegend in Film und Fernsehen. Seit „Notting Hill“ kennt zwar jeder den Londoner Stadtteil, vor allem aber kennt jeder seit Rosamunde Pilcher das romantische Cornwall.

Die Autorin der Schönwetterbücher wurde im idyllischen (what else?) Lelant geboren, nicht weit vom westlichsten Punkt der Insel – Land’s End („Penn an Wlas“ auf Kornisch). Der wiederum liegt nahe dem südlichsten Punkt Lizard Point. Und beide liegen nicht weit vom

Eden Project mit den größten Miniatur-Ökosystem-Modellen der Welt.

Richtung Osten kommt man vom Lieblichen langsam zum Geriatrischen: Die Seebäder bis Bournemouth sind Pensionisten-Paradiese, der nahe gelegene New Forrest ein Familienidyll mit Wildpferden. Ein anderes außergewöhnliches Bad liegt nicht weit ins Landesinnere: das römisch anmutende Roman Bath in ... Bath.

Viele Szenen der Kultserie „Game of Thrones“ wurden in Nordirland gedreht. Etwa bei der mystischen Allee von Dark Hedges („Die Königsstraße“), deren Bäume vom Wind geknickt und zu majestätischen Holzportalen verarbeitet wurden.

Rund um Belfast liegen weitere zehn Drehorte. Die Harry-Potter-Schule Hogwarts wiederum wurde in der Universität Oxford angesiedelt, auch das schottische Glenfinnan-Viadukt und das Alnwick Castle dienten als Kulisse.

Das Schloss ist überhaupt Kulissen-Dauerbrenner, von „König der Diebe“ bis „Blackadder“. Und die Downton Abbey heißt in Wirklichkeit Highclere Castle.

Neben Kulissen besuchen Fans gerne Orte mit Story. Oder History. Stratford-upon-Avon kann ein shakespearesches Sonett davon singen, in Chawton soll man auf Jane-Austen-Freaks schon genervt reagieren. Hebden Bridge genießt seinen Ed-Sheeran-Ruhm, Dartford die Anekdote, wonach Mick Jagger und Keith Richards sich dort kennenlernten. Und Pinner wird wohl noch länger der gefeierte „Geburtsort von Elton John“ bleiben.

Ebenso bieten sind im Mutterland des Fußballs Besuche von Sportereignissen an. Die allermeisten Teams der Premiere League stammen jedes Jahr aus London oder der Metropolregion ManchesterLiverpool.

Es lohnt sich aber besonders, ein Spiel bei den anderen Teams zu besuchen, vor drei Jahren stand Leicester wegen des Titels Kopf, voriges Jahr war Cardiff ganz verrückt (wegen des Aufstiegs). Die walisische Hauptstadt am River Taff (Name: Caer Dydd – das Fort am Taff/Diff) hat sich zur wirklich sehenswerten Metropole gemausert, inklusive Bay und toller Ausflugstipps rundherum.

Auch Schottland kann ganz gut Sport (neben Baumstammweitwurf bei den Highland-Games): Die Löcher von St. Andrews sind der Nabel der Golfwelt. Und die etwas eigene Sportart Curling wurde nahe Kilsyth erfunden.

Von den vielen kleinen Inseln sind besonders die Isle of Man (Mekka für Motorradfans mit eigenem Isle-of-Man-Pfund) und die von whiskeybrennenden, fischfangenden, Schottisch-Gälisch-Sprechenden bewohnten Hebriden faszinierend. Noch ferner der Realität leben 25.000 auf den Shetland-Inseln, woher die kleinen Pferde kommen.

Die kleinste Insel des Königreichs befindet sich im Buckingham Palace. Die Vielfalt des Empire schlägt sich in den Titeln der Royal Family nieder, von Philip, dem Duke of Edinburgh, bis zu den aktuellen Stars: Harry und Meghan, Duke und Duchess of Sussex.

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