Reise
31.12.2017

Bahamas: Wo man mit Schweinen schwimmt

Der Staat besteht aus etwa 700 Inseln, punktet mit idyllischen Traumstränden, interessanten Segelrevieren und Hotels, die Teil der Geschichte des Landes sind.

Für Skipper Tony steht es zweifelsfrei fest: "Die Bahamas, und da speziell die Abaco-Inseln, sind eines der schönsten Segelreviere der Welt". Und um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, setzt er sich seine übergroße Lesebrille auf, checkt das Navigationsgerät und korrigiert den Kurs des 15-Meter-Segelkatamarans um zwei, drei Grad.

Widersprechen will ohnehin niemand. Denn Abaco und seine zahlreichen vorgelagerten Inseln (Cays genannt) bieten wirklich alles, was nicht nur das Seglerherz erfreut. Wunderbare Sandbuchten, aufgeräumte Orte mit den karibisch bunt angestrichenen Häusern, urige Bars und das unendlich vielfältige Farbenspiel des Meeres. Denn von Hellgrün, Hellblau, Lapislazuli bis zu Türkis ist alles möglich. Je nach Wassertiefe, Tageszeit und Sonnenlicht ändern sich die Schattierungen mitunter im Minutentakt. Ein Schauspiel, das man vom Schiff aus stundenlang beobachten könnte.

Wären da nicht noch andere Attraktionen. Wie das "Nippers", eine inselweit bekannte Bar auf Great Guana Cay. Dort tummeln sich offenbar alle auf der Insel angelandeten Schiffscrews und verwandeln die eher schlichte Buschkneipe in eine Art karibischen Ballermann. Die Musik ist dröhnend laut, Alkohol fließt in Strömen und schwitzende US-Freizeitkapitäne und ihr weiblicher Anhang tanzen im Badedress, als gelte es Fitnesspokale zu gewinnen.

Wo Schweine schwimmen

Das schöne an der Sache: Nimmt man die windschiefe Holztreppe am Hintereingang und geht wenige Schritte weiter, kommt man an einen Strand. Und an was für einen. Fünfeinhalb Meilen lang, wunderbarer, feiner Sand und nur wenige Menschen. Was ihm prompt den Spitzenplatz in unserer Hitliste der schönsten Strände einbringt – zumindest so lange, bis wir den nächsten entdecken.

Der liegt ein paar Seemeilen weiter am No Name Cay. Die Attraktion der unbewohnten Mini-Insel: Eine kleine Herde von Schweinen, die liebend gerne im Meer planscht. Wissen die Tiere doch, dass es immer etwas zu Fressen gibt, wenn die Touristen vorfahren. Und wer den Rüssel vorne hat, bekommt als erster Futter. Die Touristen freut es, denn mit Schweinen schwimmen hat schon etwas. Mit Delfinen oder Haien kann das ja ohnehin (fast) jeder.

Wie die Tiere an den Strand kommen? Ein Farmer wollte auf der Insel Schweine züchten, verlor aber bald das Interesse und überließ sie ihrem Schicksal. Fischer fütterten die Schweine durch und ein findiger Marketing-Experte kam auf die Idee, dass im Meer schwimmende Schweine nicht nur auf den Exumas (einer anderen Inselgruppe der Bahamas) für den Tourismus förderlich sind.

Von den schweinischen, aber wieder zu menschlichen Ansiedlungen. Die wohl ursprünglichste Stadt (458 Einwohner) ist Hope Town, mit ihren überaus gepflegten und bunt gestrichenen Holzhäusern und dem Wahrzeichen der Stadt: Dem rot-weiß-rot bemalten Elbow-Cay-Lighthouse, einem 1862 errichteten und auch heute noch mit Kerosin befeuerten Leuchtturm.

Nicht völlig, aber doch anders, ist Nassau, die nur gut 30 Flugminuten vom Inselflughafen Marsh Harbour entfernte Hauptstadt der Bahamas. Leben in der Region doch knapp 250.000 der insgesamt 350.000 Einwohner des Inselstaates. Eine Anzahl, die sich aber innerhalb von Stunden um einige Tausend erhöhen kann. Denn wenn bis zu fünf Kreuzfahrtschiffe fast gleichzeitig im Hafen anlegen, überfluten mit einem Schlag mehr als 10.000 Touristen (meist aus den USA) die dörflichen Strukturen des Zentrums. Den Polizisten in weißer Uniformjacke und mit Tropenhelm entlocken die ausgelassenen Heerscharen freilich nur ein müdes Lächeln.

Womit die adretten Gesetzeshüter genau das verkörpern, was den Reiz der Inseln ausmacht: Britische Höflichkeit und Gelassenheit (die Bahamas waren bis 1973 britische Kronkolonie), vermischt mit karibischer Lockerheit. Motto: Don’t worry, be happy.

Nationalgericht Conch

Locker bis cool gibt sich auch Murray, der Touristen bei der "Tru Bahamian Food Tour" die einheimische Küche näher bringt. Was ihm auch relativ leicht gelingt. Beginnen und enden doch die original inseltypischen Gerichte mit einer einzigen Spezialität: Conch, ausgesprochen Konk, einer im ausgewachsenen Zustand bis zu 30 Zentimeter großen Meeresschnecke mit spiralförmigem Gehäuse und einer breiten, rosafarbenen Außenlippe. Zubereitet werden die Tiere in allen erdenklichen Variationen: als Salat, als Conch Fritters, als Chowder Soup, als Cracked Conch oder Steamed Conch.

Ein wenig britisch angehaucht wirkt auch Murrays Leidenschaft. Weiß er doch von jeder Pflanze, an der wir vorbeikommen, wofür sie gesundheitstechnisch verwendet werden könnte. Als Tee gegen Husten, als Salbe bei Verletzungen, und, und, und. Am Ende der kulinarisch-botanischen Führung sind alle überzeugt, dass die Insel eine einzige Natur- Apotheke gegen Leiden aller Art ist.

Für jeden Geschmack etwas bieten die Unterkünfte in der Region, deren Geschichte auch wesentliche Teile der Entwicklung des Inselstaats widerspiegeln.

Da gibt es zunächst einmal im Zentrum der Stadt das imposante Hilton "British Colonial". 1924 an der Stelle des Old Forts of Nassau gebaut, punktet es mit britischer Noblesse im Inneren und eigenem Badestrand.

Piratensitz als Hotel

Da gibt es aber auch das "Towne Hotel". Klein, originell mit einem Papagei namens Max in der Lobby und dem besten Barmixer der Stadt hinter dem Tresen. Die zentral gelegene Herberge gilt als der Info-Point von Nassau. Hier trifft sich alles, was nicht pauschal unterwegs ist.

Anders das "Graycliff Hotel". 1740 vom Piraten Howard Graysmith als Wohnsitz erbaut. Die Hochzeit des zum Hotel umgebauten Hauses mit seinen dunklen Eichenböden und viel Plüsch war in den 1920er Jahren. Damals trafen sich hier die Schönen und Reichen obwohl, oder weil, die Besitzerin eine Freundin des berüchtigten US-Gangsterbosses Al Capone war.

007 am Palmenstrand

Unbestrittene Nummer eins ist der One & Only Ocean Club. Eine Bungalow-Anlage, die außerhalb Nassaus auf der mit einer Brücke verbundenen Insel Paradise Island liegt. Hier sind britische Umgangsformen und absoluter Luxus angesagt, was sich auch in den Preisen niederschlägt: Das billigste Zimmer ist ab 1400 Euro zu haben. Pro Nacht, versteht sich. Vielleicht hilft es, dass der elegante Geheimagent Ihrer Majestät hier residierte, ein paar Filmsequenzen gedreht wurden und, dass die Fotos vom amtierenden Bond, Daniel Craig in knapper blauer Badehose am Hotelstrand, weltweit Furore machten.

Rosa Kitschburg

Im wahren Sinn des Wortes ins Auge springt das einige hundert Meter entfernt aufragende "Atlantis" Resort. Eine gigantische, zum Hotel gewordene, rosa Kitsch-Burg samt riesigem Aquapark. Wobei in den unteren Geschoßen alles zu finden ist, was US-Touristen zum hyperventilieren bringen kann. Mehrere Casino-Hallen mit jeder Menge Spielautomaten, Bars, Luxusgeschäften, Discos und Restaurants. Dazu Lichtshows, Stroboskop-Blitze und ein Höllenlärm aus unzähligen Lautsprechern und einer herumziehenden karibischen Krawall-Kombo.

Es gibt freilich Fluchtwege, denn ein paar Schritte entfernt lockt der am Abend verlassene Traumstrand. Und nach einem längeren Blick aufs fluoreszierende Meer, ist man bald wieder davon überzeugt, dass an dem alten Werbeslogan des Inselreichs "It’s better in the Bahamas" doch was dran ist.

Anreise British Airways fliegt von London aus Nassau direkt an. WienLondonNassau und zurück ab etwa 920 €.

Beste ReisezeitDezember bis Mai, also der Zeitraum außerhalb der Hurrikan-Saison. Angenehme Temperaturen zwischen 25 und 27 Grad Celsius. Wenig Regen.

Währung Bahamas Dollar (BSD) und US-Dollar. 1BSD = 1USD=0,84 €

Inselreich Christoph Kolumbus entdeckte am 12. Oktober 1492 die Bahamainseln. Die spanischen Konquistadoren nannten die Gewässer um die Inseln Baja Mar (spanisch für "flaches Meer"), woraus später Bahamas wurde. Im 17. und 18. Jh. nutzten Piraten wie Captain Blackbeard die Inseln als Unterschlupf. Seit 1973 sind die Bahamas unabhängig. Seither ist der Inselstaat eine konstitutionelle Monarchie mit Königin Elisabeth II. als Staatsoberhaupt.

Segeln Das internationale Yachtcharter- Unternehmen "The Moorings" betreibt eine Basis in Marsh Harbour auf Abaco. Ein 48 Fuß (15 Meter) langer Segelkatamaran Moorings 4800 (max. 11 Personen) kostet ca. 7480–11.000 € /Woche (d.h. ab ca. 680€ p. P. /Woche),

Moorings 4000 Katamaran (max. 8 Personen) ca. 5440 €–7760 € Yacht/Woche (d.h. ab ca. 680€ p.P./Woche). Die Yachten haben jeweils vier separate Doppelkabinen mit Dusche/WC, Klimaanlage. Für einen Skipper fallen pro Tag 187 € an. Neuerdings bietet Moorings auch die Inselgruppe der Exumas als Charterziel von Nassau aus an.www.moorings.de

Angebot 3*+Compass Point , New Providence ,4 Nächte im DZ/Studio Hut Seaview mit Frühstück & 3*Treasure Cay Beach Marina & Golf Resort, Abaco, 10 Nächte im DZ/Gardenview, Anreise z.B. 12.3.18, Preis pro Person, inkl. Flug ab/bis Wien ab 2890 €. Abflüge ab Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck auf Anfrage. www.dertour.de

Auskunft www.bahamas.de