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Reise
10/23/2019

Auf den Straßen von Sri Lanka: Von der Stadt mitten in die Teeplantage

Regenwälder und Plantagen ziehen vorbei. Das Landesinnere von Sri Lanka bietet eine prächtige Naturkulisse – und offenbart Einblicke in den Alltag der Insel.

von Magdalena Meergraf

Konzentriert lenkt der Busfahrer durch den morgendlichen Straßenverkehr. Rechts überholt ein Tuk-Tuk, links überquert der Bananenhändler mit seinem fahrbaren Laden. Auf den Straßen von Colombo herrscht geordnetes Chaos. Die erste Sitzreihe ist nichts für schwache Nerven.

Dort ist stets auch Reiseleiter Akthar Mohammed platziert: „Wir lassen die Großstadt gleich hinter uns. Denn eine Reise durch Sri Lanka lebt von der wunderschönen Natur – sie ist die eigentliche Sehenswürdigkeit der Insel.“

Der Verkehr lichtet sich

Es geht vorbei an Kolonialbauten, buddhistischen Klöstern und Hindutempeln. Der Verkehr lichtet sich, die Häuser werden weniger, die vorbeiziehende Landschaft wird grüner. Links und rechts taucht Exotisches am Straßenrand auf: Bananen, Zuckerrohr, Bambus, Cashewnüsse, Mangos, Jackfrüchte. Dazu Palmen und allerlei Urwaldriesen, auf denen sich Orchideen eingenistet haben.

Nur wenige Busstunden von der Hauptstadt entfernt, bewahrheitet sich bereits die Aussage des Reiseleiters. Über abenteuerliche Treppen lässt sich dort der Löwenfelsen von Sigiriya erklimmen – ein UNESCO-Weltkulturerbe.

Oben befinden sich Reste eines königlichen Palastes und Felsmalereien. Und außerdem: ein unglaublicher Ausblick auf ein grünes Farbspektrum, das nicht nur die Ebenen überzieht, sondern auch das ferngelegene Gebirge.

Den Massen entkommen

Während sich die Menschenmassen in der Anlage auf dem Felsen gut verteilen, kommt man ihnen auf den engen Treppen nicht aus. Wer in den frühen Morgenstunden startet, umgeht zumindest dem größten Ansturm und der Hitze.

Wer gut zu Fuß ist und vielleicht ohnehin nur ein begrenztes kulturelles Interesse hegt, sondern vielmehr das Panomara genießen möchte, kann den Nachbarfelsen Pidurangala Rock (3 US$) erklimmen. Das schont auch die Geldtasche, denn die Eintrittspreise für Sigirya sind vergleichsweise heftig (30 US$ für Erwachsene).

Zurück auf dem Boden geht die Busreise weiter. Vorbei an Obstständen mit frechen Affen auf den Dächern und – ja wirklich – wilden Elefanten am Straßenrand. Die imposanten Tiere werden von der Bevölkerung, besonders von den Hindus, verehrt. Andererseits gelten sie aber auch als Plage.

Der Appetit eines Elefanten

Bis zu 250 Kilogramm futtert ein ausgewachsener asiatischer Elefant am Tag – mit Vorliebe Zuckerrohr und Bananen. Das Problem: Die Feinspitze machen auch vor den bewirtschafteten Feldern nicht Halt. Das bringt sie in Konflikt mit den Bauern.

Schutzgebiete und Zäune sollen Abhilfe schaffen, das funktioniert aber nur bedingt. Trotzdem kommt es immer wieder zu Zusammenstößen. „Manche Menschen stellen heimlich Fallen auf oder schießen auf die Tiere, wenn sie zu nahe kommen. Elefanten gehören geschützt, zugleich darf man sie aber nicht unterschätzen – sie können gefährlich werden“, erzählt Akthar Mohammed durch das Mikrofon. Das alles gerät aber fast in Vergessenheit in Angesicht eines dieser prächtigen Tiere – vom Bus aus, wohlgemerkt.

Wo sonst sieht man wilde Elefanten? Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann eine Jeep-Tour in einem der Nationalparks machen. Besonders bekannt ist der nahe gelegene Minneriya Nationalpark (15 US$ plus Gebühren).

Im Gewürzgarten

Berühmt ist die Insel neben der Tiervielfalt nicht zuletzt auch für ihre Gewürze: von Zimt über Muskatnuss bis Kardamom und Pfeffer.

Der echte Ceylon-Zimt

Zimt ist nicht gleich Zimt. Der sogenannte echte Zimt trägt den Namen Ceylon und stammt aus Sri Lanka. Das Pulver bzw. die Stangen werden aus der getrockneten Rinde von jungen Ästen oder Stämmen des Zimtbaums gewonnen. Laut der für Sri Lanka typischen Ayurvedamedizin soll Zimt das Immunsystem aktivieren und Entzündungen lindern.  

Intensiv und einzigartig

Neben Ceylon-Zimt hat auch Kardamom seinen Ursprung auf Sri Lanka. Er zählt zu den wichtigsten Zutaten in Currys, kommt aber auch in Süß- speisen vor. Die Samenhülsen werden von Stängeln getragen, die knapp über dem Boden wachsen. Laut Ayurvedamedizin soll Kardamom die Verdauung erleichtern.

Von den Holländern importiert

Die Früchte des Muskatbaums erinnern an Marillen, sind aber  ungenießbar. Die kostbare Nuss befindet sich geschützt von einer  Schale im Inneren. Sie ist Bestandteil von ayurvedischen Präparaten zur Beruhigung und zum Entkrampfen. Bei Muskat handelt es sich um ein Halluzinogen, es sollte nicht in  Mengen gegessen werden.

Wo der Pfeffer wächst

Schwarzer, weißer und roter Pfeffer sind die verschiedenen Reifestadien der Beeren ein und derselben Kletterpflanze. Wobei weiße Pfefferkörner jene ohne Beerenschale sind. Schwarzer Pfeffer wird in ayurvedischen Präparaten gegen Rheuma, Erkältungen und zur Unterstützung der Verdauung angewendet.

Seit Jahrtausenden werden sie als ayurvedische Arzneimittel, zur Aromatherapie, als Parfums und natürlich zum Würzen der Speisen verwendet. Um zu sehen, wie die typischen Gewürze wachsen, geben „Spice Gardens“ Einblicke. Gewürze bieten sich als praktische Mitbringsel an – am besten im Supermarkt kaufen, dort sind sie hygienischer und meist auch billiger.

Die meisten Gewürzgärten gibt es rund um die einstige Königstadt Kandy, ein wichtiger Pilgerort für Singhalesen.

Hinauf ins Bergland

Dort führt Akthar Mohammed zum Bahnhof, der Bus wird gegen einen Zug getauscht. (Tipp: Unbedingt Platz reservieren und Wartezeit am Bahnhof einberechnen!) Kokospalmen und Reisfelder weichen langsam dem Bergland. Die Reise führt bis zu den Teeplantagen im Hochland. Es ist die wohl schönste Strecke der Insel. Mutige können sich in die offenen Türen der Waggons setzen und dabei die vorbeiziehenden Grashalme an den Fußsohlen spüren.

Nicht nur landschaftlich, auch klimatisch ändern sich die Bedingungen: Es wird merklich kühler, Pullover und Jacke sind deshalb empfehlenswert. In Nuwara Eliya endet die Zugfahrt. Hier verweilten die britischen Kolonialisten einst zur Sommerfrische.

Sie waren es auch, die vor rund hundertfünfzig Jahren die idealen Bedingungen erkannten, um Tee anzubauen. Heute verkauft sich der Tee aus Sri Lanka immer noch weltweit unter dem alten Namen der Insel „Ceylon“ und gilt als die wichtigste Einnahmequelle.

Teesorten verkosten

Die Qualität des Tees hängt von der Höhenlage und dem Alter der Blätter ab: Für den typischen „Broken Orange Pekoe“ werden beispielsweise die besonders jungen Blätter und Blüten verwendet. Die Teefirmen bieten in ihren Hauptquartieren Führungen und Verkostungen an. Auch der direkte Kontakt mit den Pflückerinnen im Feld ist möglich. Die Frauen sind fast ausschließlich Tamilinnen, die größte Minderheit des Landes. Sie leben in plantageneigenen Siedlungen. Bereitwillig posieren sie für Fotos und reichen Teeblätter zur genaueren Ansicht.

Ihr Job ist hart: Nur ausgewählte Blätter werden gepflückt und in den Sack oder manchmal auch Korb am Rücken geworfen, der später am Feldrand gewogen wird. Bis zu drei Kilogramm können die Arbeiterinnen pro Stunde sammeln und jedes einzelne davon ist wertvoll, weil nach Gewicht bezahlt wird. Wer bedenkt, wie leicht ein Blatt in der Hand liegt, kann sich vorstellen, welche immense Arbeit dahinter steckt.

Das bleibt in Erinnerung, auch noch beim Nippen der Tasse Schwarztee zu Hause. Mit Bildern von sattgrünen Landschaften im Kopf.

Anreise

Mit Turkish Airlines ab Wien via Istanbul nach Colombo.

Wer seinen Ausstoß etwa bei Climate Austria kompensieren will, zahlt für Hin- und Rückflug zusätzlich 36,92 €

Angebot

Geo Reisen bietet ganzjährig Sri Lanka an, z.B: 10-tägige Rundreise mit deutschsprachigem Reiseleiter, Hotels/HP, inkl. Flug  ab Wien um 1.790 €/P im DZ (Zuschlag für EZ 410 €)
Mi 4.3. – Fr, 13.3.2020
Mo  5.10. – Mi 14.10.2020
Buchung: Geo Reisen (Mo – Fr 8 – 17 Uhr), 0662/ 890 111, erlebnisreisen@georeisen.com

Allgemein

Für Sri Lanka benötigen österreichische Staatsbürger  ein Onlinevisum. Der Reisepass sollte mindestens sechs Monate nach Ausreise noch gültig sein. Impfungen sind nicht zwingend vorgeschrieben. Die allgemeine Hygiene und Versorgung in den Hotels ist sehr gut.

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