Politik
05.12.2011

Wenn der Blitz einschlägt

Blitztipps: Die Überlebenschance bei einem Treffer beträgt 50:50. Was man tun kann, um erst gar nicht zum Blitzableiter zu werden.

Ein paar schwere Regentropfen waren die einzige Vorwarnung, bevor der Blitz einschlug. Die Gäste des Feuerwehrfestes, die im vergangenen Juli durch das steirische Oberpürkla heimspazierten, hatten keine Chance. Ein 37-jähriger Mann - er dürfte auf einem Kanaldeckel gestanden sein - war auf der Stelle tot. Seine Frau, die ihn an der Hand gehalten hatte, überlebte. Die Lähmungserscheinungen klangen bald ab.

Vor Kurzem schlug das Schicksal in den Zillertaler Alpen zu. Zwei erfahrene deutsche Wanderer, Erik R. (40) und Susanne R. (47) aus Schleswig-Holstein wurden 150 Meter unterhalb des Gipfels der Wilden Kreuzspitze (3.132 m) vom Unwetter überrascht. Der Blitz schlug wenige Meter neben dem Paar ein. Die Bergrettung fand das Paar mit verkohlten Oberkörpern am nächsten Tag.

"Wer überlebt und wer nicht, ist Zufall, die Chance beträgt fifty-fifty." Das sagt Gottfried Kindermann. Der Sachverständige für Brandverhütung untersucht seit 25 Jahren Blitzunfälle. Bei einem Blitzschlag können Stromstärken von mehr als 20.000 Ampere auftreten. Durch den Körper des 37-jährigen Steirers flossen 8000 Ampere, sagt Kindermann. Heuer hat es in Österreich laut Gewitterdienst ALDIS (Austrian Lightning Detection & Information System) mehr als 75.000-mal geblitzt, Spitzenreiter ist das Blitzland Steiermark mit bisher 19.000 Treffern. Europaweit blitzt es in Udine am häufigsten.

Bei Getroffenen, die keine äußeren Verletzungen zeigen, machen Gerichtsmediziner oft grausige Funde. Unter der intakten Haut ist die Muskulatur regelrecht durchgekocht. Der Grund: Nerven- und Muskelgewebe haben einen hohen Flüssigkeitsanteil und leisten den elektrischen Ladungen nur wenig Widerstand.

Es ist aber auch diese hohe Stromstärke, die dafür sorgt, dass der Blitztod ein seltenes Phänomen ist. Sobald die Spannung bei Ansteigen des Stroms durch den Körperwiderstand einige Tausend Volt erreicht, kommt es zu einem Gleitüberschlag. Ein Großteil des Stroms fließt entlang der Körperoberfläche und nicht hindurch. Tödliche Schäden am Nerven- und Herzkreislaufsystem bleiben aus. "Das Resultat sind Brandspuren auf der Haut und zerfetzte Kleidung", erklärt Andreas Vormaier, der die Ausstellung "Unter Strom" im Technischen Museum Wien betreut. Die Schau berichtet über den Pionier der Stromunfall-Forschung Stefan Jellinek (1878-1968).

Blitz-Irrtümer

Wie übersteht man ein Gewitter im Freien? Dass ein Handy oder ein Schlüssel in der Hosentasche Blitze anzieht, ist laut ALDIS-Techniker Wolfgang Schulz ein Irrglaube. Der Rat, sich bei Gewittern flach auf den Boden zu legen, ist überholt. Die Begründung: So vergrößert man die Angriffsfläche. Besser: In die Hocke gehen und die Füße an den Körper ziehen, um die elektrische Spannung im Schritt klein zu halten. Die Trendsportart Klettersteigen - der Kletterer sichert sich mit zwei Karabinern an einem Stahlseil - ist riskant. Das Seil ist ein Blitzableiter. "Die Leute unterschätzen die Gefahr", sagt Bergführer Martin Edlinger.

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